Kritische und derbe Stimmen zu Sinns Krisen-Analyse

Eurokrise Deutschland-

Fünf Ökonomen ergeben fünf Meinungen. Konstruktive Kritiken können dazu beitragen, andere von ihren Irrwegen abzubringen und eigene bessere Vorschläge zur Problembewältigung einzubringen. Die Nerven mancher Wirtschaftsforscher scheinen in der äußerst schwierigen Lage Deutschlands blank zu liegen.

Ob aus Überzeugung, aus verletzter Eitelkeit, oder aus persönlichen wirtschaftlichen Interessen, die Gründe von völlig auseinander gehenden Meinungen zur Bekämpfung der Euro-Krise können ganz unterschiedlich sein.

Frontalangriff auf Hans-Werner Sinns Analyse zu Bankenhilfen
Euro Finanzkrise
Mittelpunkt der Meinungen

Der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hat seine persönliche Meinung zur Analyse von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Im Interview mit Handelsblatt analysierte der ifo-Chef die Gefahren einer drohenden Instablilität Deutschlands.

Gustav Horn wirft Hans-Werner Sinn reine Demagogie vor und würde den ifo-Chef „am liebsten in den Urlaub schicken“. Deutschland und seine Steuerzahler würden nach den Beschlüssen vom EU-Gipfel in Brüssel lediglich Bürgschaften übernehmen. Ein Geldfluss wäre zunächst überhaupt kein Thema.

Horn ist der Ansicht, dass private Anleger aus zahlreichen Ländern vielmehr dazu freiwillig bereit sind, in den Anleihen der italienischen und spanischen Banken zu investieren. Den hochverschuldeten Banken wäre der Weg zur Krisenbewältigung erleichtert.

Andere Ansichten wären „nationalistisch angehauchte Demagogie“, so Horn. Der Direktor des IMK unterstellt Sinn den Euro gar nicht retten zu wollen, sondern diesen „offenbar zerstören zu wollen“.

Was helfen unterschiedliche Meinungen der Ökonomen?

„Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. In diesem Fall könnten die sehr erfreuten Dritten die hochverschuldeten Banken der europäischen Südschiene werden, falls das Bundesverfassungsgericht doch noch grünes Licht für ESM- und Fiskalpakt signalisieren sollte.

Zu einem offenen Streit zwischen dem ifo-Chef Hans-Werner Sinn und IMK-Direktor Gustav Horn wird es kaum kommen. Dennoch sind zwei derart unterschiedliche Ansichten zu den anstehenden Entwicklungen der deutschen Zukunft nicht hilfreich.

Warum Gustav Horn in seiner auf Facebook veröffentlichten Kritik offenbar vergisst, dass Bürgschaften auch zu verbindliche Zahlungsverpflichtungen führen können, bleibt wohl ungeklärt. Immerhin schränkt Horn seine Ausführungen selbst damit ein, als er feststellte, dass Kapital zunächst nicht fliessen würde.

ifo-Chef Hans-Werner Sinn analysierte die jüngsten Beschlüsse des Brüsseler EU-Gipfels und stellte sie den gegenwärtigen Fakten innerhalb der Euro-Krise gegenüber. Sinn erkennt lediglich ein erneutes Verfehlen der angestrebten Euro-Rettungsziel und sieht die Stabilität Deutschlands durch den ausgeweiteten Schuldensog starkt gefährdet.

Der herbe und emotionsgeladene Angriff von Gustav Horn ist kaum nachvollziehbar.
Rein populistisch überzogene Darstellungen Sinns sind darüber hinaus nicht zu erkennen.

Gustav Horn ist u.a. seit 1998 als Berater der PES Fraktion (Sozialdemokratische Partei Europas) sowie seit 2001 als Berater für den Finanzausschuß des Europäischen Parlaments tätig.

Bild:Gerd Altmann / pixelio.de

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