Kritik an Ratingagenturen – Deutschlands Pleite möglich

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Ratingagenturen stehen erneut im Mittelpunkt der Politiker und Wirtschaftsexperten. Nachdem die US-Agentur Moody’s einen „Feldzug“ gegen die Bonität der europäischen Staaten und Banken startete, melden sich betroffene Regierungen mit unmißverständlicher Kritik zu Wort.

Streitpunkt Agenturmeinungen

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Gezinkte Würfel - Bewertungen
durch Ratingagenturen

Bild: Alexandra H. / pixelio.de

Moody’s stufte die Aussichten zur Kreditwürdigkeit der EU-Länder Deutschland, Luxemburg und Niederlande von „stabil“ auf „negativ“ herunter. Mit dem fließendem Übergang von Neubewertungen der einzelnen Bundesländer, wurde auch der Rettungsfonds EFSF auf Negativ gesetzt. Anschließend mussten sich eine Reihe deutscher Banken den Status von Stabilität aberkennen lassen.

Die Bundesregierung „konterte“ zunächst mit der Bekanntgabe, die neuen Beurteilungen der Ratingagentur „zur Kenntnis genommen zu haben“. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beendete das Schweigen mit einer klaren Aussage.

Er hält die Entscheidung, Deutschlands Bonitäts-Ausblick von stabil auf negativ zu setzen, für schlicht „falsch“. Der Welt am Sonntag erklärte Schäuble, dass gewisse Risiken eine natürliche Folge der derzeitigen Krisen sind, aber so wie Deutschland profitiere kein anderes Land von der gemeinschaftlichen Währung.

Der Bundesfinanzminister rechnete für Deutschland nicht mit ansteigenden Zinsen aufgrund Moody’s Entscheidung. Schäuble will festgestellt haben, dass die Finanzmärkte die Ratingagenturen nicht mehr so wichtig nehmen würden. Dies sei in den letzten Tagen zu beobachten gewesen. Auf der anderen Seite lenkt Schäuble ein, dass es auch für ihn ein Zeichen von außer Ordnung geratenen Märkten wäre.

Staatspleite Deutschlands wird für möglich gehalten
Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s sind die geläufigsten und in den Medien meist zitierten Ratingagenturen. Weniger bekannt war bisher die Agentur Egan-Jones Ratings, ebenfalls mit Sitz in den USA. Diese Agentur hält eine finanzielle Überforderung Deutschlands für durchaus möglich.

Egan-Jones zieht die Euro-Schuldenkrise für den Auslöser einer Staatspleite, ganz nach dem Motto: „Irgendwann trifft es auch den Retter“. Sean Egan, Mitbegründer und Chef der Ratingagentur, erklärte der Welt am Sonntag, dass es ihm noch nie eingeleuchtet habe, warum Deutschland die gesamte Euro-Zone „heraushauen“ könne, ohne dabei selbst an seine Kreditlimits zu stossen. Deutschlands Bonität ist bei Egan-Jones schon vor geraumer Zeit vom Top-Wert „Aaa“ auf ein „A-“ abgerutscht.

Egan-Jones ist eine relativ junge Ratingagentur und kam zum ersten Mal voll in Erscheinung, als sie als einzige Agentur die Bonität der Investmentbank Lehman Brothers bereits lange vor der spektakulären Pleite herabstufte. Darüber sprach Egan-Jones schon lange vor ihren großen Rating-Mitstreitern die Brisanz von faulen Hypothekenpapieren aus.

Die Top-Note „Aaa“ wäre für Deutschland ohne den Euro sicher
Jones würde für Deutschland die Top-Bonität „Aaa“ durchaus zusprechen, wenn der Euro nicht wäre. Die bisher eingegangenen finanziellen Verpflichtungen würden einer Spitzenbonität nicht gerecht werden können.

Ein nachträglicher Ausstieg, würde für Deutschland jedoch sehr teuer kommen. Eine große gegenwärtige Gefahr sieht die Agentur im „klein Beigeben“ gegenüber den Verlangen der anderen Länder.

Sollte Deutschland die „Begehrlichkeiten“ nicht abwehren können, könnte das Land selbst auf die schiefe Bahn geraten.

Ratingurteile intransparent und nicht nachvollziehbar

Gefährliches Treiben der Bonitäts-Verteiler
Inzwischen kommen die Ratingagenturen wiederholt in die Kritik. Forscher aus der Schweiz wollen festgestellt haben, dass es sehr auffällige Unregelmäßigkeiten zu den Gleichbehandlungen der zu bewertenden Ländern und Insititute gäbe.

Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Schweizer Universität St. Gallen, Manfred Gärtner, hegt sogar heftige Kritik gegen die Ratingagenturen, „Seit 2008 legen sie insbesondere bei Mitgliedern der Eurozone andere Maßstäbe an. Wie und warum sich diese geändert haben, ist komplett intransparent.“

Als Beispiel nennt Gärtner die von Fitch durchgeführte Bonitätsabstufung von Spanien zwischen 2009 und 2011. Obwohl die realen Wirtschaftsdaten nichtmal die Abstufung um 1 Stufe gerechtfertigt hätten, wurde Spaniens Kreditwürdigkeit gleich um drei Stufen, von „AA+“ auf „AA-“ abgesenkt.

Gärtner bezeichnet die „nicht nachvollziehbaren Herabstufungen europäischer Länder“ als einer der Hauptursachen für die Schuldenkrise in der Euro-Zone. Abgesenkte Bonitätsbewertungen für Spanien, Portugal oder Griechenland hätte schwere Folgen.

Irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem das betroffene Land in eine Teufelspirale von weiteren Abstufungen geraten wird.

Höhere Zinsen ziehen weitere Abstufungen mit sich, darauf folgen wieder weitere Abstufungen. Die tatsächliche wirtschaftliche Lage käme bei der Beurteilung zu kurz und spielte nur noch eine untergeordnete Rolle.

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