Konjunktur-Weitblick 2030: Mögliche Arbeitsmarkt-Entwicklung

Konjunktur-Weitblick-


Eine Prognose für den Arbeitsmarkt 2030 zeigt ein relativ finsteres Bild, sollten Wirtschaft, Arbeitnehmer und Bevölkerung auf der gleichen Schiene wie bisher weiterfahren. Geradezu boomen würde der Arbeitsmarkt, wenn angesichts der fortschreitenden Digitalisierung umfangreiche Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Investitionen eingeleitet würden.

Einkommen könnten bis 2030 um 4 Prozent steigen

Prognose
Über die Zuwachsraten für Konzerne
sagt die Studie nichts aus

Hohe Zuwanderung der Migranten und eine „Überalterung“ der Gesellschaft? Für den Arbeitsmarkt kein großes Problem. Zumindest nicht für das Bundesarbeitministerium unter Andrea Nahles (SPD). Der Weitblick bis ins Jahr 2030 sieht verhältnismäßig rosig aus. Voraussetzung sei jedoch eine ganze Palette von Maßnahmen und vor allem die Akzeptanz der Bevölkerung.

Am Freitag veröffentlichte das BMAS die in Auftrag gestellte und von Economix abgelieferte „Arbeitsmarktprognose 2030“. Eine „wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage bis zum Jahr 2030“, so das BMAS. Aus der Analyse gehen zwei Szenarien hervor, wie sich Digitalisierung und Zuwanderung bis zum Jahr 2030 auf den Arbeitsmarkt auwirkten.

Der demografische Wandel könne demnach von der Digitalisierung und Zuwanderung abgeschwächt, aber auf lange Sicht nicht ausgeglichen werden. Der Mangel an Fachkräfte werde tendenziell weiter vergrößert. Besonders betroffen werden Berufe im Gesundheitswesen sein.

Positive Effekte für den Arbeitsmarkt seien lt. Studie nur zu erreichen, wenn in der Bundesrepublik Weiterbildung und Qualifizierung ausgebaut werden. Zusätzlich müssen für den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Basis-Szenario Arbeitsmarktentwicklung

Die folgenden Entwicklungen gehen von erheblichen Investitionen in Bildung und Weiterbildung aus.
In den Prognosen sind Zuwanderung und stetige Digitalisierung berücksichtigt.

  • Bevölkerung steigt 2014-2030 um 690.000 Personen
  • Zahl der Erwerbspersonen sinkt 2014-2030 um 720.000
  • Zahl der Erwerbstätigen sinkt 2014-2030 lediglich um 20.000
  • Zahl der Erwerbslosen sinkt 2014-2030 um 700.000
  • Die Fachkräfteengpässe fallen im Vergleich zur letzten Prognose etwas größer aus,
    die Ungleichgewichte verringern sich im Verlauf des Prognosezeitraums.
  • Es wird ein deutlicher Anstieg der hochqualifizierten Arbeitskräfte erwartet, ein starker Rückgang bei den
    gering qualifizierten und leichter Rückgang im mittleren Qualifikationsbereich

Szenario beschleunigte Digitalisierung

Das folgende Szenario beschreibt die möglichen Entwicklungen bei einer beschleunigten Digitalisierung und berücksichtigt die Zuwanderung ebenfalls. Dieses Szenario des digitalen Fortschritts benötige jedoch die Akzeptanz der Bevölkerung, eine hohe Investitionsbereitschaft, einen schnellen Wandel in der Wirtschaft und eine starke öffentliche Förderung der Technik und Infrastruktur.

  • Deutlich positive Produktivitätseffekte, die sich jedoch erst nach ca. 10 Jahren auswirken
  • Höheres BIP und Pro-Kopf-Einkommen von rund 4 % in 2030
  • Leichter Anstieg bei den Erwerbstätigen und entsprechender Rückgang bei den Erwerbslosen in 2030 von jeweils rund 250.000
  • Ein Beschäftigungsgewinn von insgesamt 1 Million in 13 Sektoren (z.B. Maschinenbau, IT-Dienste, Forschung und Entwicklung) und ein Beschäftigungsverlust von insgesamt 750.000 Personen in 27 Wirtschaftssektoren (z.B. Einzelhandel, Papier- und Druckgewerbe, Öffentliche Verwaltung
  • Der Bedarf an Hochqualifizierten wächst um 530.000 Personen, der Bedarf an dual Ausgebildeten sinkt um 150.000.

Dazu Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles:
„3D-Drucker, Roboter, selbstfahrende Autos und co: Wir befinden uns mitten in einem strukturellen Wandlungsprozess des Arbeitsmarktes. Die Arbeitsmarktprognose 2030 bestätigt unsere Einschätzung, dass wir am Ende sogar mehr Arbeitsplätze haben werden, wenn wir diesen Wandel gut gestalten. Aber die Arbeitsplätze von morgen verlangen auch neue Tätigkeiten mit neuen Anforderungen. Wir unterstützen Arbeitskräfte und Arbeitgeber am besten, indem wir ihnen Zugang zu guter Weiterbildung und mehr Weiterbildungsberatung ermöglichen. Wir brauchen ein gesetzliches Anrecht auf Weiterbildung, die auch über den Bedarf des Betriebes hinausreichen kann. Es geht darum, dass auch in Zukunft jeder bis zur Rente seinen Platz am Arbeitsmarkt findet. Wenn Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Politik an einem Strang ziehen, dann schaffen wir das. Deutschlands größter Trumpf ist die Sozialpartnerschaft, wir sind gemeinsam stark.“


4 Prozent mehr Einkommen für die Arbeitnehmer wären bis 2030 schneller erreicht als im Zeitraum 1991 bis 2014, wie das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung feststellte. Allerdings dürften diese von der Bevölkerung zu aktzeptierenden Maßnahmen wesentlich deutlicher antreiben als die Einkommenshöhe. Zwischen 1991 und 2014 stieg das BIP um rund 30 Prozent an. Wirtschaft, sprich Konzerne werden wiederum in den Vordergrund gestellt.


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