Kommt Deutschlands Europa-Politik in Washington als Bedrohung an?

Berlin & Washington-


Deutschland könnte in der europäischen Politik eine weitaus gewichtigere Rolle spielen als ihr bisher zugetraut oder anerkannt wurde. Der Drang zu eigenständigen Handlungen wird von Washington offenbar als eine Bedrohung verstanden. Annäherungsversuche der US-Regierung an Moskau sowie das Bombardement der Bundesregierung mit Vorwürfen zum Spionage-Skandal sprächen für eine solche These.

Reichstag

Berlin als Verwaltungszentrale der USA – Emanzipation in kleinen und vorsichtigen Schritten?

Strebt Berlin in verdeckter Haltung nach Eigenständigkeit?

Im Konflikt zwischen Washington und Moskau scheint sich eine seltsam anmutende Wandlung abzuspielen. Die überwiegend aus Washington gen Moskau abgefeuerten Anschuldigungen, in den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine eine „aggressive Schlüsselrolle“ zu spielen, verstummten zusehends.

Die US-Regierung stimmt nun beschwichtigende Töne an und US-Außenminister John Kerry überbrachte die ersten Kostproben davon sogar persönlich nach Russland.

Der Plan, Russland von der restlichen Welt politisch und wirtschaftlich zu isolieren, ist nicht aufgegangen. Washington und seine Vordenker haben sich mit der Vorstellung, das größte Land der Erde unter die eigenen Fittiche zu bekommen, einfach übernommen.

Moskau lässt sich nicht so einfach wie ein Tanzbär in der Manege herumführen und nun fürchtet die US-Regierung offenbar auch die Kontrolle über Europa zu verlieren. Ein wirtschaftliches Zusammenrücken zwischen Europa und Russland galt es mit aller Macht zu verhindern. Die eingesetzten Waffen dafür gaben die Schüsse, soweit sie keine Rohrkrepierer waren, zielgenau nach hinten ab.

Deutschland steht im Zentrum der wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen in und um Europa. Die USA üben – gelinde ausgedrückt – auf die politischen Entscheidungen in Berlin einen wesentlichen Einfluss aus. Die Tau-dicken Fäden zwischen Washington und Berlin scheinen nun nacheinander einzureißen.

Spielt Deutschland eine Doppelrolle?

„Der Schlüssel für die Kontrolle über Europa durch die USA liegt in der Verwaltung Deutschlands“, so der Journalist Pepe Escobar in seinem Blog auf RT. Diese Aussage beinhaltet gleich eine zweifache Sprengkraft.

Auf der einen Seite legte es die Absicht der USA, die Ländergemeinschaft in Europa auf die gewünschte Spur zu bekommen, wiederholt offen und auf der anderen Seite ließe die „Verwaltung“ eines anderen Landes erhebliche Zweifel an dessen Souveränität aufleben.

Die Bundesregierung legte eine den USA hörig anmutende Außenpolitik zu Tage und der Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Gregor Gysi, kritisierte diesen politischen Stil im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal im November 2013 (folgendes Video) als ein reines „Duckmäusertum“. Alles nur Show in Berlin?

Der Journalist Escobar vertritt die These, dass Deutschland nur so tue, als ob es bereit sei, nach der Pfeife Washingtons zu tanzen. So sei auch die Vorstelltung von Berlin als Vermittler zwischen dem „Hegemon“ USA und dem „aggressiven“ Russland nur ein Mythos. In Wahrheit suche Berlin gar keine Konfrontation mit Russland.

Die Kontrolle der USA über Europa durch die Verwaltung Deutschlands werde „vor aller Augen zerfallen“, so Escobar. Berlin übernahm bereits die Zügel der europäischen Politik. Nicht Moskau werde eine Herausforderung für das politische Monopol der USA in Europa darstellen, sondern Berlin werde zu einer realen Bedrohung Washingtons.

In Übereinstimmung zu dieser These könnte nicht nur der überraschende Annäherungsversuch Washingtons an Moskau gebracht werden, sondern auch die ebenso plötzlich aufflammenden Attacken gegen die Bundesregierung im Bezug zu den NSA- und BND-Skandalen.

Die „Nato- und Atlantikbrücke-Getreuen“ Massenmedien leisten offenbar kräftigte Unterstützung, um einen unbequem gewordenen „Freund und Partner“ in der „Verwaltungszentrale Berlin“ so schnell wie möglich zu beseitigen.

Gregor Gysi: „Ich bin dieses Duckmäusertum sowas von leid“

Politische Rede von Gregor Gysi am 18. November 2013 über die „Nicht-Souveränität“ Deutschlands und den NSA-Skandal.

Übrigens: Die Rede Gysis vor dem Bundestag hat das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zur „Rede des Jahres 2013“ ernannt.






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