Japan tritt dem Club des lockeren Geldes bei

Geldschwemme Japan-


Japans Zentralbank will die Notenpresse anwerfen, um Anleihen in unbegrenzter Anzahl aufkaufen zu können. Mit der Geldflutung der Märkte startet Tokio eine Offensive gegen die Deflation und will den Yen mit Hochdruck in die inflationäre Richtung bewegen.

Gewollte Inflation zum Antrieb der Konjunktur

Zentralbanken
Unabhängigkeit der Notenbanken gerät unter Druck
Bild: Lupo / pixelio.de

Schon beinahe eine Ur-Angst der Deutschen ist die steigende Inflation. Das Schreckgespenst der 20-er Jahre im letzten Jahrhundert wurde offenbar kollektiv über die Generationen weiter vererbt. Von einer Hyper-Inflation ist die Gemeinschaftswährung Euro noch weit entfernt. Derzeit kursieren Schätzungen von (offiziellen) Teuerungsraten um die vier bis fünf Prozent auf mittelfristiger Sicht.

Diskussionen über die Risiken bzw. „Harmlosigkeiten“ zu den geldpolitischen Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) reißen nicht ab. Die Meinungen aus den Reihen der Politik und Ökonomen gehen weit auseinander. Zwischen einer „rasanten Inflation“ bei unbegrenzten Anleihenkäufen von wankenden Euro-Staaten durch das Anwerfen der Notenpresse, bis hin zu völliger Folgenlosigkeit, da das Kapital schließlich nicht die Realmärkte erreichte, ist so ziemlich jede Variante als Argument geäußert worden.

Das was der Deutsche „bis ins Mark fürchtet“, soll nun in Japan Programm werden. Titel und Ziel werden offen benannt. Die gewünschte Inflation durch das Anwerfen der Gelddruckmaschine, um mit dem Ankauf von Anleihen die Märkte mit Kapital zu fluten. Ein Frontalangriff der japanischen Regierung gegen die Deflation und ein Gewaltakt zur Ankurbelung der Konjunktur. Die Notenpresse soll schon bald angeworfen werden, um bereits Anfang 2014 mit dem Ankauf von Anleihen für umgerechnet knappe 110 Milliarden Euro pro Monat beginnen zu können. Das vorläufige Ziel ist eine gewünschte Inflationsrate von 2 Prozent in Japan.

Prinzipiell verfolgt Japan mit dem Drucken scheinbar unendlich vieler Yen die gleiche Strategie, die in den USA von der Federal Reserve (Fed) bereits seit Jahren zur Anwendung kommt. Während jedoch in der Euro-Zone eine Schuldenkrise als Gründe für die geldpolitischen Maßnahmen plakatiert wird, kämpft Japan gegen die weitere Verbilligung der Preise und setzt mit dem Yen-Schwemme alles daran, die eigene Währung abzuwerten. Die Tatsache, dass sich Japans Staatsschulden bereits jenseits von 230 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) befinden, wird zusehends in den Hintergrund gerückt.

Die teils scharfen Kritiken zu Tokios Plänen folgten prompt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht die Unabhängigkeit der internationalen Notenbanken prinzipiell als gefährdet an. Die Politik der Länder übten immer mehr Einfluss auf ihre Zentralbanken aus, um sie dazu zu drängen, das Finanzsystem zu stützen, die Konjunktur zu stimulieren oder sogar die Liquidität der Staaten zu sichern. Weidmann bezeichnete die Vorgänge in Japan als „bedenkliche Übergriffe“, so die Berliner Zeitung (Mittwoch).

Die Verbilligung des Yen könne sich auch zu einem höheren Konkurrenzdruck für die europäische Exportwirtschaft entwickeln, besonders im Bereich der Automobil-Industrie. So fürchtet der Bundesbank-Chef eine zunehmende Politisierung der Wechselkurse aufgrund der Eingriffe der Länderregierungen auf ihre Notenbanken.

Inzwischen verfolgen mit Europa, den USA und demnächst auch Japan drei große Wirtschaftsmächte die Politik des lockeren Geldes. Experten fürchten lt. Berliner-Zeitung eine Gegenreaktion von den Ländern, deren Exportwirtschaft unter Druck geraten könnte. Die Regierungen mancher Schwellenländer bezeichnen diese Interventionen als den Beginn eines Währungskrieges.

Ein Gedanke zu „Japan tritt dem Club des lockeren Geldes bei

  • 23. Januar 2013 um 22:59
    Permalink

    Geldpolitik

    Preisstand (P) = Geldmenge (G) x Umlauffrequenz (fu) / Warenmenge (W)

    Die Währungspolitik kann den Faktor G durch Mehrausgaben oder Einzug von Geld regulieren. Mindestens nach oben kann man die Geldmenge begrenzen. … Allerdings kann man nicht verhindern, dass Teile der ausgegebenen Geldmenge gehortet werden. Man hat auch die effektive Umlauffrequenz (fu = BIP / Zentralbank-Geldmenge) nicht in der Hand. Nur wenn man die Kaufkraft des Geldes ständig pendeln lässt (Währungspfusch), kann man darauf einen Einfluss nehmen. Die Umlauffrequenz folgt nämlich in der Regel der Preisbewegung nach. Steigende Preise reizen die Kauflust, fallende lähmen sie. Die Kauflust ihrerseits ist der wesentlichste Motor der Umlauffrequenz des Geldes.

    Erreicht man also durch Veränderung von G eine Bewegung von P, so ändert sich fu entsprechend. Dieser – im Übrigen nicht ungefährliche, leicht zur Schraube ohne Ende werdende – Mechanismus versagt aber bei stabiler Kaufkraft, die doch das Ideal sein sollte. … Eine Währungspolitik, welche die Preise in leichter Aufwärtsbewegung hält (schleichende Inflation), hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Wie das kommt, wird am ehesten klar, wenn man vom Gegenteil, der allmählichen Preissenkung, ausgeht. … Alle Käufe, die nicht dem dringlichen Bedarf dienen, werden bei sinkenden Preisen verzögert in der Hoffnung, durch Ausnutzung des Preisfalls Gewinne zu erzielen. Das hat Absatzstockungen und Arbeitslosigkeit zur Folge. Die Wirtschaftsgeschichte hat das erwiesen. … So populär die Forderung nach Preissenkung ist, so nachdrücklich muss eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik sie gerade im Interesse der Arbeiterschaft ablehnen. Erhält man die Preise stabil, so kann einem die Hortbarkeit des Geldes leicht einen Streich spielen. … Sie wird einsetzen, sobald bei Sättigung des Kapitalmarktes der Zins sinkt.

    Nun kann man die Hortung ausgleichen durch Ausgabe neuen Geldes an Stelle des gehorteten. Das wird aber in dem gleichen Augenblick gefährlich, wenn durch irgendwelche Einflüsse das gehortete Geld zum Vorschein kommt. Dann laufen die Preise leicht davon, bevor man durch Geldeinzug die Entwicklung bremsen kann. Leicht ansteigende Preise aber halten den Geldumlauf in ständiger Bewegung. Der allmähliche Kaufkraftverlust vertritt beim Geld den Lagerverlust der Waren und unterwirft das Geld wie die Ware dem Angebotszwang. Der Nachteil aber ist, dass dieser Kaufkraftverlust nicht nur das Geld betrifft, sondern auch alle auf Geld lautenden Schuldverträge (langfristige Geldansprüche). Dadurch wird langfristiges Sparen behindert, sodass besondere Maßnahmen zur Förderung der Investition nötig werden. Außerdem widerspricht es der Gerechtigkeit, dass Schuldverträge später mit einem minder kaufkräftigen Geld erfüllt werden.

    Stehen wir hier vor einem ausweglosen Dilemma der Marktwirtschaft?

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.