IWF warnt vor weltweitem Zusammenbruch des Finanzsystems

Schuldenkrise-


Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt Alarm. Die Weltwirtschaft stehe auf der Kippe, sollte der Schuldenkrise in Europa nicht durch die schnelle Einleitung von richtigen Schritten der Kampf angesagt werden. Letztendlich drohe das globale Finanzsystem durch eine Kreditklemme zusammen zu brechen.

Internationaler Währungsfonds warnt vor globalen Zusammenbruch

Kaum noch Zeit
IWF warnt vor Zusammenbruch

Das jährliche Treffen des Internationalen Währungsfonds hat für die Politik Europas keine positiven Worte parat. Zu zögerliches Handeln im Kampf gegen die Euro-Krise wäre u.a. ein Hauptproblem, das sogar die ganze Weltwirtschaft ins Straucheln bringen könne.

Als größte Gefahr wird die Kreditklemme genannt. Mangels Vertrauen verweigern die Banken die Kreditvergaben untereinander, sowie den Verleih von Kapital an die Realwirtschaft. In erster Linie würden Unternehmen notwendige Investitionen nicht mehr durchführen können, die Konjunktur könnte vollständig zusammen brechen.

So scheint es für den IWF auch als logisch, dass die Euro-Schuldenkrise derzeit als eine der größten Gefahren für das weltweite Finanzsystem darstellte. Schnellgreifende Maßnahmen wären dringend angeraten, um die Stabilität des Euroraumes zu gewährleisten.

Die Analysen des IWF ergeben lt. Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) (Mittwoch) eine „böse Abwärtsspirale“, begünstigt durch die gefährlich angewachsene Kapitalflucht aus den Krisenländern zu den stabileren Mitgliedsstaaten. Die bisherigen Entwicklungen führten zu „verängstigten Investoren“ und würden die Befürchtungen vor einem Auseinanderfallen der Währungsgemeinschaft und den Rückgang der Wirtschaftsleistungen nur noch befeuern. Demnach wären bereits aus Spanien innerhalb eines Jahres beinahe 300 Milliarden Euro abgeflossen und Italien hätte eine Kapitalflucht in einem Volumen von rund 230 Milliarden Euro zu beklagen.

Es drohe die ökonomische und finanzielle Aufspaltung der Euro-Gemeinschaft in arme und reiche Mitgliedsländer. Käme es bei einer erneuten Kreditklemme zum schlimmsten Fall, müssten die Großbanken der Euro-Zone ihre Bilanzen im Bereich zwischen 2,8 und 4,5 Billionen Dollar nach unten korrigieren. Zu befürchten wäre eine um 18 Prozent gesunkene Kreditvergabe bis Ende 2013.

IWF legt die „richtigen Schritte“ vor
Die Süddeutsche Zeitung (SZ) beschreibt die vom Leiter der IWF-Geldmarktabteilung, José Vinals, eingeforderten Schritte, um eine Umkehr der Kapitalflucht und die Reintegration des Euro-Raums zu ermöglichen. Die Länder müssten ihren Beitrag dazu leisten, indem eine Politik zur Anwendung käme, die das Wachstum fördert und dien Bankensektor säubert.

Dafür wäre es notwendig, Defizite auf eine Art abzubauen, die gleichzeitig das Wachstum unterstützt. Zusätzlich müssten Strukturreformen umgesetzt werden, um „externe Ungleichgewichte zu reduzieren“ und dem Wachstum ebenfalls positive Impulse zu verleihen. Der Bankensektor müsse gesäubert werden. Dazu gehörten lt. José Vinals in der SZ auch die Restrukturierung überlebensfähiger Banken und die Auflösung nicht lebensfähiger Institute.

Banken müssten durch die EZB weiterhin mit ausreichender Liquidität ausgestattet werden und von „fundamentaler Bedeutung“ wäre lt. dem IWF-Leiter eine Bankenunion, „um die schädliche Verbindung zwischen Staaten und inländischen Banken zu brechen“.

Angst-Kampagne von „höchster Stelle“?

Die Kritiken und Forderungen des IWF lauten in etwa: „Sie könnten zwar, wollen aber nicht“. Als wenn ein Anruf beim meteorologischen Wetterdienst ausreichen würde, um für den morgigen Tag den Dauerregen abzubestellen. Wenn dies so einfach wäre, müssten im Umkehrschluss die Verweigerer auch sehr schnell dingfest gemacht werden können. Man müsste sich automatisch fragen, warum dieser „einfache Weg“ nicht eingegangen wird.

Vermutlich ist die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu sehr auf die Politik und Märkte in den USA abgewandert.

Die Aufforderung an die EZB, den Banken fortgesetzt ausreichende Geldmittel zur Verfügung zu stellen, um die vermeintlichen „Schicksals-Ehen“ zwischen Ländern und ihren eigenen Banken zu durchtrennen, scheint offensichtlich nicht zu berücksichtigen, dass die Länder mit ihren nationalen Notenbanken bei der Europäischen Zentralbank in der Verantwortung stehen.

Deutschlands Anteil liegt bei 27%. Sollte sich die EZB mit der Liquiditäts-Schwemme verkalkulieren, könnte die Bundesbank dafür mit bis zu 27% gerade stehen müssen. Unterm Strich sind Banken-Finanzierungen über die zentrale Notebenbank reine Umwege einer „Risiko-Verschleppung“.

Allerdings wäre dieser vermeintliche Umweg ein weiterer Schritt für die Zentralisierung aller Geldflüsse innerhalb der Euro-Zone. Die totale Kontrolle (und Befugnis?) über alle Geldhäuser in der Euro-Zone ist ein ausgesprochenes und verteidigtes Ziel der EU-Kommission.

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener ifo-Instituts, wurde eine „Kampagne der Angst“ vorgeworfen, da er das Target-System für Deutschland als ein höchst riskantes Finanzinstrument hält. Der Appell des IWF scheint dagegen tatsächlich im Pott der Schreckensszenarien zu rühren. „Die Weltwirtschaft wäre dem Untergang geweiht, sollten die Politiker weiterhin so zögerlich reagieren“. Offenbar soll die Zentralisierung und die Übernahme der Kontrolle über Finanzen und Haushalte mit Nachdruck beschleunigt werden.

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