IWF fordert Schuldenerlass für Zypern ein

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Zypern steht wirtschaftlich vor dem Abgrund. Das Schuldenproblem hat den „Halsbereich“ des Landes längst überschritten und droht den Inselstaat endgültig zu ertränken. Die EU-Politiker ringen um eine Lösung und der Internationale Währungsfonds setzt den Verhandlungsparteien die Pistole auf die Brust. Ein Schuldenschnitt für Zypern wäre Voraussetzung für weitere Hilfsmaßnahmen.

Zypern benötigt Hilfskredit in Höhe des BIP eines Jahres

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Nächster Euro-Pleitekandidat
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Was für Griechenland als „Rettungsmaßnahme“ bereits ausgiebig diskutiert wurde, könnte für Zypern sogar zu einem früheren Zeitpunkt zutreffen. Der Schuldenschnitt, oder der Wahrheit besser entsprechend, der Schuldenerlass, wird vom Internationalen Währungsfonds (IWF) inzwischen als eine Voraussetzung für ein weiteres Mitwirken an den Rettungsversuchen gestellt.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) (Donnerstagsausgabe) soll der IWF erklärt haben, das vorgesehene Hilfsprogramm für den insolventen Inselstaat Zypern in dieser Form nicht mehr mittragen zu wollen. Während den Verhandlungen soll der IWF für Zyperns Haushalt den Erlass von Teilschulden eingefordert haben. Der Fonds setzt für Hilfen grundsätzlich das Erreichen der eigenen Schuldtragfähigkeit als ein Ziel voraus und bei Zypern wäre es nach dem Abschluss aller geplanten Reformen offensichtlich nicht gegeben.

Zypern hat bereits ein Volumen in Höhe von 17,5 Milliarden Euro beim Euro-Rettungsschirm ESM beantragt. Der Löwenanteil von mehr als 10 Milliarden Euro ist bereits für den landesinternen Bankensektor reserviert.

Was wie ein „kleiner Happen“ gegenüber den Dimensionen an Hilfszahlungen für Griechenland aussehen mag, entpuppt sich jedoch gemessen an der Wirtschaftsleistung Zyperns als eine monströse Größe. Rund 17 Milliarden Euro entsprechen in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von einem Jahr. In der Relation ist Zyperns Situation viel dramatischer als es bei den Hellenen jemals gewesen ist.

Einen teilweisen Schuldenschnitt für Zypern hält der Bundesverband der deutschen Bank für eine „denkbare Lösung“, um dem Schuldproblem des Inselstaates Herr zu werden. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, erklärte dem Deutschlandfunk, „Vielleicht ist ein Schuldenschnitt auch in diesem Fall die Ultima Ratio.“

Krisenländer der Reihe nach abfertigen

Griechenland dürfte mit der letzten Hilfstranche für eine Weile über die Runden kommen. Darüber hinaus werden im ersten Quartal 2013 weitere Teil-Hilfskredite nach Athen überwiesen und das Land für eine Zeit lang „auf Eis legen“. Nun wird es Zeit, sich neben Irland auch um andere „brodelnde“ Kandidaten zu kümmern. Es wäre schon ein seltsamer Zufall, dass die Zuspitzungen der Probleme innerhalb der Euro-Zone beinahe in Reih und Glied auftauchten.

Der Verdacht liegt nahe, dass der „Europäische Großbrand“ lediglich in Sektionen abgefertigt wird, bzw. abgefertigt werden kann. Jetzt ist schlicht Zypern an der Reihe. Denn von einer „plötzlichen Zuspitzung“ kann nicht die Rede sein, denn die wirtschaftlichen Entwicklungen rutschten auch innerhalb der letzten Monate kontinuierlich nach unten.

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