IW Köln: Deflationsgefahr ist trotz niedriger Inflation überbewertet

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Die häufig zitierten Deflationsgefahren in Deutschland seien überzogen. IW Köln spricht von überzogenen Ängsten, denn viele Anzeichen deuteten auf das Ausbleiben einer Deflation hin.

Konjunkturgefahr Deflation

Deutschland als Mitglied der EU und Eurozone ein „unberührbares“ Land?

„Marktbasierte Inflationsprognosen zeigen keine Deflationsgefahr“

In Deutschland kommt die Inflationsrate nicht aus der Bauchlage heraus. Der niedrige Anstieg der Verbraucherpreise um 0,8 Prozent im Juli 2014 weist auf ebenso niedrige Inflationszahlen hin. Die Europäische Zentralbank (EZB) schürte mehrfach Sorgen vor einer Deflation in der Eurozone und leitete entsprechende Gegenmaßnahmen ein.

Mit einer Deflation in Deutschland ist trotz der andauernden niedrigen Inflationsrate dennoch nicht zu rechnen, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Es handelte sich um ein „Schreckgespenst“, welches zu übertriebenen Sorgen vor einer Deflation führe. Der Blick auf die „Kerninflationsrate“ zeige ein ganz anderes Bild.

Für die Wirtschaft eines Landes ist die reale Deflation tatsächlich eine große Gefahr. Sollten die Preise sinken, so komme die Konjunktur zum Erliegen, da fallende Preise zum Aufschub von Konsum und Investitionen führen, so das IW. Die Unternehmen senkten darauf hin die Preise erneut und dadurch könne eine Abwärtsspirale eingeleitet werden. Dies führe zu langfristigen Konjunkturschwächen und zu einem Wohlstandsverlust.

„Trotz niedriger Inflationsrate kaum Gefahr einer Deflation“

In Deutschland sprechen trotz der niedrigen Inflationsrate einige Fakten gegen die akute Deflationsgefahr. Der Blick auf die Kerninflation weise eine höhere Teuerungsrate auf. Der für die Inflations-Berechnung verwendete Warenkorb wird zur Ermittlung der Kerninflation um die Güter mit stark schwankenden Preisen reduziert. Dazu zählen u.a. Energie und Nahrungsmittel. Das ermöglichte die Feststellung einer geringer verzerrten Preisentwicklung.

Im Juli 2014 fielen die Preise für Nahrungsmittel und Energie deutlich und zogen die gesamte Teuerungsrate des virtuellen Warenkorbs nach unten. Das Statistische Bundesamt (Destatis) berechnete eine Teuerungsrate ohne Energie und Nahrungsmittel von 1,3 Prozent.

Weitere Hinweise auf eine geringere Deflationsgefahr als befürchtet, erkennt das IW in den angekündigten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die langfristigen, marktbasierten Inflationsprognosen deuteten darauf hin, dass die Deflation ausbleibt. Ab dem September laufen Teile des im Juni beschlossenen Maßnahmenpakets der EZB an und dürften die Inflationsentwicklungen in die richtige Bahnen leiten.

Das Verhalten der Konsumenten spreche ebenfalls gegen akute Deflationsgefahren, so das Institut. Die Risiken einer langfristigen Deflationsspirale seien grundsätzlich gering, wie eine aktuelle Untersuchung ergab. Das Verhalten der Konsumenten sei bisher nur bei starken Vermögens- und Eigenkapitalverlusten verändert worden. Der Blick auf die Immobilien- und Aktienmärkte in Deutschland zeige in den vergangenen Jahren jedoch eine gute Entwicklung.

Dennoch erkennt das IW in den derzeitigen geopolitischen Spannungen ein Risiko. Diese könnten sich auf die Inflationsentwicklung negativ auswirken.

Als wenn Deutschland kein Mitglied der Eurozone wäre

Offenbar interessiert es bei der Einschätzung der Inflationsentwicklung nicht, dass Deutschland Mitglied der Europäischen Union und noch viel wichtiger, ein Mitglied der Eurozone ist. Die Währungsgemeinschaft „verbindet“ im wahrsten Sinne des Wortes und wird auch die Konjunktur sowie Verbraucherpreisentwicklung kaum außen vor lassen.

Die in der Währungsgemeinschaft gemessene äußerst niedrige Teuerungsrate ist ein Resultat der großen Probleme in den Südländern. Die Konsumenten Spaniens, Portugals, Griechenlands und Irlands wissen um massive Vermögens- und Eigenkapitalverluste. Die Konsolidierungsmaßnahmen führten u.a. zu Preisverfall in Griechenland und extrem hohe Arbeitslosenzahlen auch in Spanien. Die Spirale ist längst in Gang gesetzt worden und wird lediglich von den Milliarden-Paketen aus EU-Steuergeldern etwas abgebremst / verdeckt.

Quantitativ entwickelte sich der deutsche Aktienmarkt tatsächlich „prächtig“, doch wie sieht es mit der Qualität aus? Die anhaltende Rekord-Jagd beim DAX spiegelt viel mehr den mit Kapital vollgepumpten Finanzmarkt statt realer Werte wider. Der Immobilienboom basiert zu einem großen Teil auf die extrem niedrigen Zinsen sowie das Bedürfnis, aus unsicheren Anlagen auszusteigen und ins „Betongold“ zu stecken. Sofern man(n) es sich leisten kann, denn von starken Vermögens- und Eigenkapitalgewinnen für die breite Bevölkerung Deutschlands kann nicht die Rede sein.

Sinnentleertes Wort „Kerninflation“. Sichtlich eine Bezeichnung, die nicht auf die Prioritäten von Produkten und Gütern hinweist. Denn welcher Verbraucher käme jemals auf die Idee, Lebensmittel, Gas, Heizöl und Strom künftig als Luxusartikel zu betrachten und künftig darauf zu verzichten?





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