Italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena in Not

Bankenkrise Italien-

Auflagen der europäischen Bankenaufsicht scheinen Italiens Traditionsbank Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. in erhebliche Schwierigkeiten zu bringen. Der Verpflichtung, die Anteile von „Real Kapital“ gegenüber bilanzierte Werte aufzustocken, ist die drittgrößte Bank Italiens und zugleich das älteste Kreditinstitut der Welt, offensichtlich nicht gewachsen.

Lang Bewährtes muss nicht immer gut bleiben
Bankenkrise Italien
Italiens Traditionsbank strauchelt

Die über 540 Jahre alte Traditionsbank mit ihrem Hauptsitz in Siena, italienische Toskana, ist offensichtlich mit der geforderten Kapitalaufstockung völlig überfordert. Erste Hilferufe an den italienischen Staat für eine dringende Refinanzierung werden laut.

Wie Handelsblatt Online berichtete wäre eine Kapitallücke von über 3 Milliarden Euro zu schliessen. Über den Verkauf von mehr als 15% der Stiftung Fondazione Monte dei Paschi wird bereits verhandelt. So sollen gut 1 Mrd. Euro Kapital an die Traditionsbank fließen. Weiterhin beabsichtigt die Banca Monte die Streichung von 1.500 Arbeitsplätzen.

Sollten die geplanten Maßnahmen zum Zuge kommen, wäre Banca Monte die erste Bank in Italien,
die „offzielle“ staatliche Hilfen anforderte.

Zahlen & Fakten: Wer sollte noch überrascht sein?

Noch Mitte Mai 2012 stuften die drei größten Ratingagenturen die nun
strauchelnde Traditionsbank in der Toskana folgend ein:

  • Moody’s: Baa3, negative Aussichten
  • Fitch: BBB, stabile Aussichten
  • Standard & Poor’s: BBB, stabile Aussichten

Zum Vergleich die Ratings einiger deutscher Banken zum 22.06.12

Bank Moody’s Fitch Standard & Poor’s
Deutsche Bank: A2 A+ S&P A+
Commerzbank: A3 A+ A
BayernLB: Baa1 A+
NordLB: A3 A BBB+

In einer direkten Gegenüberstellung bewertet Moody’s die Bonität der BayernLB nicht sehr viel
besser als die der italienischen Traditionsbank

Entlassungen stets die erste Wahl

Eine von der EU-Aufsicht geforderte Kapitalaufstockung zeigt immerhin in die richtige Richtung.
Bisher wird die Stabilität der Banken anhand durchgeführter „Stresstests“ bewertet und eingestuft.

Durch virtuelle Marktsituationen wollen wichtige Erkenntnisse für den drohenden Ernstfall gewonnen werden. Die Kapitalerhöhung bei den Banken resultieren als eine Konsequenz aus den Untersuchungen und sollen präventiv gegen Stresssituationen eingesetzt werden.

Offensichtlich enthält der „Stresstest“ keinen Parameter für die Anordnung einer zwingenden Kapitalaufnahme. Obwohl ausreichend Zeit gelassen wird, von einem schlagartig eingetretenem Stress kann keine Rede sein, steht die weltweit operierende Investment-Bank kurz vor dem Kollaps.

Unmut bei den Anteilseigner
Die Monte-dei-Paschi-die-Siena-Stiftung selbst besitzt noch die meisten ihrer eigenen Aktien, dennoch nicht mehr die Mehrheit aller Wertpapiere. Der Verkauf von eigenen Anteilen für Frischkapital würde die eigene Marktposition noch weiter schwächen.

JPMorgan, AXA S.A., sowie einzelne Personen sitzen als Anteilseigner mit im Boot.

Entlassungen statt Gegenprüfungen
Ein Ableger der Siena Traditionsbank ist das in der Versicherungsbranche tätige Unternehmen MontePaschi Vita. Darüber hinaus ist im Kreditsektor die MPS Banca per l’Impresa ebenfalls eine Tochter Monte dei Paschi’s. Der Hauptanteilseigner, die Stiftung, ist im Besitz bedeutender Kunstsammlungen bis zurück aus dem 14. Jahrhundert.

Es gäbe zahlreiche weitere Ansatzpunkte um vermeintlich „alternativlose“ Maßnahmen,
wie z.B. Massenentlassungen, für eine Rekapitalisierung umzusetzen.

Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

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