Islands Fußball-Sensation: Krisenlösung wird in Schatten gestellt

Fußball & Krisenlösung-


Der Erfolg des Fußballteams Islands bei der Fußball-EM 2016 wird von den Medien hoch bejubelt. Aufgrund der Brexit-Entscheidung kommentieren manche Schreiberlinge den Rauswurf des Englischen Teams mit einer dicken Portion Schadenfreude. Doch Island hat noch viel mehr auf Lager, was aber kaum zu interessieren scheint.

Islands Stärken liegen in der Lösung der Bankenkrise

Island
Island lieferte Sensation schon längst ab

Die Fußball-begeisterten Medien bejubeln Island. Die kleine Insel „irgendwo da oben im Norden“ warf die Englische Mannschaft aus der Fußball-EM. Der Europameister steht noch nicht fest, aber die „EM-Sensation 2016“ ist bereits in Petto. Die Sport-Redakteure blicken mit Häme auf Englands Team. „Europa wird dieses England nicht vermissen“, lautete der Kommentar der Times. Der Fußball glänzt. Die Medien halten ihn hoch, der geworfene Schatten soll ungeliebte Themen möglichst bedeckt halten.

Eine Sensation lieferte Island unlängst ab, ist aber außerhalb des Ressorts der Sport-Journalisten, der Wirtschafts-Journalisten ebenso und Brüssel sowie EZB sowieso.

Nachdem die Banken die eigentlich ganz und gar nicht überraschende Krise in den USA auslösten, war Islands Bankenlandschaft als eines der ersten an der Reihe. Die isländische Regierung deregulierte zuvor im Jahr 2001 den eigenen Bankensektor, die Geldhäuser verselbstständigten sich und schon rund 8 Jahre später erhielt Reykjavík die Quittung dafür.

Banken kippten, Konten in- und ausländischer Kunden wurden eingefroren. Großbritannien klagte gegen Islands Regierung und wollten eine Entschädigung für die britischen Sparer einfordern, etc. In Island ging es drunter und drüber.

Islands Regierung verfolgte jedoch von Anfang an einen „eigenwilligen Weg“, der sich von dem der Euro-Rettungspolitik grundlegend unterscheidet. Im Mittelpunkt der isländischen Maßnahmen stand der Schutz der eigenen Bürger.

Die Definition „to big to fail“ existierte für die Banken nicht. Das Thema „Bad Bank“ war tabu. Es wurde verstaatlicht, teil-verstaatlicht und auch fallengelassen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) konnte jedoch in Islands Territorium mit Rettungsgeldern Fuß fassen. Die Schuldenquote des Landes stieg um rund 20 Prozent an.

Der Europäische Gerichtshof (EUGH) schmetterte die Klagen gegen Island ab und damit auch die geforderte Entschädigung für die enteigneten ausländischen Anleger. Das sparte dem Land schon mal rund 3,8 Milliarden Euro plus Zinsen ein. Island unterhielt u.a. finanzielle Unterstützung von den Ländern Skandinaviens und Polen.

Der Verzicht auf einen beständigen „Rettungs-Kapital-Strom“ für die bedürftigen Kreditinstitute ließ dem Staat genug Geld übrig, um den vom IWF aufgenommenen Kredit zügig abtragen zu können. Für Islands Regierung ist die Zukunft der eigenen Bevölkerung wichtiger als der Gemütszustand der Finanzmarktteilnehmer. Die Entwicklung der isländischen Wirtschaft spricht Bände. Eigentlich ein Musterbeispiel wie es gehen könnte, aber die Blaupause für die „Euro-Retter“ wurde in Zypern angefertigt.

Islands Wirtschaftsentwicklung war lediglich 2 Jahre im Minus

Die Wirtschaft Islands brach im Jahr 2009 um knapp -4,7 Prozent ein. Ein Jahr danach waren es immer noch -3,6 Prozent Wirtschaftsschrumpfung. Doch schon ab 2011 ging es wieder mit fast 2 Prozent aufwärts, gefolgt von 1,25 Prozent, 4,40 Prozent, 1,95 Prozent und im Jahr 2015 mit 3,96 Prozent. Für das Jahr 2016 schätzen die „Marktexperten“ ein Wachstum der Isländischen Wirtschaft um 4,25 Prozent ein.

Die Arbeitslosenquote Islands erreichte zum Höhepunkt im Jahr 2010 7,56 Prozent und sank bis zum Jahr 2015 auf knapp 4 Prozent ab.

Wie sieht es mit dem rund-um gepflegten Griechenland aus? Die Wirtschaft brach weg, das Wachstum krakelt, der zuletzt rechnerisch erreichte Haushaltsüberschuss wurde nur durch Zahlenverschiebereien und vor allem mit dem einfachen Weglassen der Zinslast erreicht. Die Arbeitslosenquote ist extrem, die der jungen Leute astronomisch hoch. Ein drittes „Hilfsprogramm“ in Höhe von rund 86 Milliarden Euro war „notwendig“ und über die Altschulden schwebt das Damokles Schwert eines Schuldenschnitts.

Islands Krisenbewältigung gegen Euro- (EU-) Rettungspolitik. Klares 1:0 für Island.


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