Islambanking in Deutschland: Erstes Scharia Institut vor dem Start

Islamic Banking Deutschland-

Eine Islambank hört sich in erste Linie exotisch an. Für viele „eingefleischte“ Banker sind Institute nach islamischen Gesetzen unattraktive Geschäftsfelder, denn es dürfen keine Zinsen verlangt werden und Spekulationen sind ebenfalls verboten.

Erste Islambank Deutschlands bereits am Start

Islam Banking
Bald erste Islambank in Deutschland?

Das Zinsverbot (Riba) ist im Islamischen Bankenwesen der bedeutendste Unterschied zu den global „gehandhabten Bankenregeln“. Alleine der Gedanke, keine Zinsen verlangen zu dürfen, wird den meisten westlichen Bankern Gänsehaut verleihen.

Dann folgt auch schon ein weiteres wichtiges Merkmal des „Islam Bankings“, das Spekulationsverbot (Gharar). „Ein Unding“ für jeden studierten Finanzmanager. Besonders interessant ist die Definition Wucher im islamischen Banking. Der Begriff Wucher ist dem Zins gleichgestellt. Mit diesem Hintergrundwissen ist ein Zinsverbot ggfs. leichter nachzuvollziehen.

Auch eine islamische Bank lebt nicht von „der Hand im Mund“, sondern erwirtschaftet Kapital. Dennoch hat sich eine Islambank an die Vorgaben des Korans zu halten (Scharia).

Statt Zins (Wucher) zu verlangen, tritt die Islambank in Stellvertretung zum Kunden als „Zwischenkäufer“ auf. Wer sich ein Haus bauen oder kaufen will, geht mit seinem Anliegen zu Bank. Das Institut kauft die Immobilie und verkauft sie mit einem Aufschlag an den Kunden weiter. Die Differenz ist der Gewinn und der Kunde kann den Gesamtbetrag in Raten schrittweise tilgen.

Erste Islambank könnte bald in Frankfurt starten
Sollte der Antrag der Istanbuler Bank Kuveyt Türk von der Finanzaufsicht BaFin zugelassen werden, könnte die erste Islambank Deutschlands schon bald die Tore öffnen. Nach Informationen der Financial Times (FTD) soll noch im Oktober der BaFin ein Zulassungsantrag vorgelegt werden.

Individuelle Probleme in Deutschland
Eine „aalglatte“ und problemlose Eröffnung einer Islambank in der Bundesrepublik wäre ein blankes Wunder. Schwierigkeiten werden jedoch nicht durch „Schikane“ bereitet, sondern durch geltendes Recht. Koran (Scharia) und westliches Banken- und Steuerwesen gehen nicht nahtlos ineinander über.

Die Finanzaufsicht BaFin zeigt sich nicht abgeneigt vom Gedanken, in der Bundesrepublik auch Islambanking zuzulassen. Dennoch gäbe es die größten Hindernisse nicht im Bereich des Aufsichtsrechts, sondern im Steuerrecht. Ein Haus, welches durch die Bank gekauft und an ihren Kunden wiederverkauft wird, unterliegt lt. dt. Steuerrecht zweimal der Grunderwerbsteuer. Ein bedeutender Faktor für die Gesamtkosten.

Das Thema Einlagensicherung steht im Widerspruch zum Bankenwesen nach dem Koran. Ein Profit ohne jegliches Risiko ist lt. Islambanking nicht erlaubt. Die Sparer und Anleger durch einen Sicherungsfonds abzusichern, würde den Vorgaben des Korans widersprechen. Lt. FTD könnte aber das Beispiel in Großbritannien Schule machen. Ohne komplizierte Auslegungen oder Zwischenlösungen verzichten die Sparer schlicht auf jegliche Sicherheitseinrichtungen.

Deutsche Bank sieht keinen Markt für Islambanking
Das Thema ist nicht neu. Mit den Plänen von Kuveyt Türk werden lediglich zum ersten Mal Nägel mit Köpfen gemacht. Die Deutsche Bank glaubt zu wissen, dass es sogar unter den muslimischen Kunden keine Nachfrage für Islamic Banking gäbe. Die Commerzbank startete bereits ein „Pilotprojekt“, stellte aber einen eigens eingerichteten Islam-Fonds 2005 wieder ein. Die Nachfrage wäre zu gering gewesen.

Zum Ergebnis einer weitgehenden Erfolglosigkeit von Islamic Finance kommt die im Juli veröffentlichte Studie der Stresesmann-Stiftung.


Bild: joakant / pixelio.de

Beitrag anderen Menschen mitteilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.