Investor Soros sieht keinen Ausweg als Schuldenschnitt für Griechenland

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Griechenlands Schulden müssen erlassen werden, sollte das Land jemals eine Chance erhalten, wieder auf den eigenen Beinen zu stehen. Für den Star-Investor George Soros führte kein anderer Weg daran vorbei, als dass die öffentlichen Gläubiger auf Forderungen verzichteten. Deutschland forderte der Milliardär dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.

George Soros

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Wiederholt nannte der Groß-Investor und Multi-Milliardär George Soros indirekt Deutschland als der Katalysator für ein stehendes oder ein fallendes Europa. Zum bankrotten Euro-Mitglied Griechenland durfte in Verbindung mit Deutschland die Erinnerung an die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg nicht fehlen.

George Soros erklärte Griechenland als vollkommen insolvent, indem er im Interview mit Spiegel Online (Montag) feststellte, dass dieses Land die Schulden niemals zurückzahlen könne. Ein umfassender Schuldenschnitt sei damit unvermeidbar und auch erforderlich. Damit steht der Star-Investor in Opposition zur Erklärung des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU), der eine Debatte über die weiteren Maßnahmen für Griechenland erst ab Mitte 2014 als notwendig hält.

Das Land stehe inzwischen kurz vor einem jährlichen Primärüberschuss im Staatshaushalt, nachdem zahlreiche „Kraftanstrengungen“ unternommen wurden, so Soros. Privatanleger würden sich dem Land wieder zuwenden, falls der öffentliche Sektor auf Rückzahlung von Schulden verzichtete. Vorausgesetzt Athen erfülle die Bedingungen der Troika, aber so würde sich Griechenland schnell erholen, folgerte der Investor.

Klaus Regling, Chef des Rettungsmechanismus ESM, sieht lt. dem Spiegel-Bericht in einem Schuldenschnitt für Griechenland rechtliche Probleme. Abschreibungen auf Kredite seien für den ESM unzulässig. Am Ende stünde wieder der Steuerzahler, denn die meisten Ausstände Griechenlands werden von öffentlichen Institutionen eingefordert, darunter die Europäische Zentralbank (EZB), der Internationale Währungsfonds (IWF) und weitere EU-Mitgliedsländer.

Deutschland könne dabei helfen, die Tabus der Europäischen Zentralbank zu überwinden, schlug Soros vor. Derzeit könne der öffentliche Sektor die Schulden nicht abschreiben, da dies eine Vielzahl von EZB-Regeln verletzen würde. Aber Deutschland solle sich daran erinnern, dass es nach Ende des zweiten Weltkriegs selbst wiederholt von Stundungen und Schuldenerlässen profitierte, unter anderem auch von Griechenland, so der Star-Investor. Deutschland zeige sich jetzt unnachgiebig.

Die Bundeskanzlern Angela Merkel müsse ihre Politik dahingehend ändern, dass sich der aufstrebende Populismus und Extremismus in Griechenland nicht weiter entwickeln könne. Dazu erinnerte George Soros an die französische Hartnäckigkeit zu den hohen Reparationszahlungen Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg. Dieses Beharren führte schließlich zum Aufstieg Adolf Hitlers. Ein ähnlicher Trend sei nun in Griechenland zu beobachten, auch wenn die rechtsextreme Gruppierung Golden Dawn in Griechenland nicht mit den Ereignissen in Deutschland vergleichbar seien, folgerte der Milliardär.

Die Europäische Union wird zusammenbrechen, falls Deutschland nicht mehr Verantwortung übernimmt, so Soros. Deutschland könne kein Interesse darin haben und die Situation in Europa wäre schlimmer als am Anfang des Einigungsprozesses in Europa.

Noch im April 2013 forderte George Soros Deutschland dazu auf, die geplanten Euro-Bonds zu akzeptieren oder aus der Währungsgemeinschaft auszutreten. Dies würde sogar einen Vorteil für die verbliebenen Mitgliedsstaaten sein.

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