ifo-Chef Sinn lehnt Bankenunion ab – Extrem hohes Risiko

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ifo-Präsident Hans-Werner Sinn lehnt die Bankenunion ab. Eine Sozialisierung der Bankenschulden sei ungerecht und ineffizient. Es müssen Maßnahmen eingeleitet werden, die vorrangig den Steuerzahler schonen und die Gläubiger in die Pflicht nehmen.

Europa braucht keine Bankenunion
Europakrise
Bankenunion wäre fatal

Der ifo-Chef zieht die Sparkassen-Krise aus den 1980-er Jahren in den USA als ein Beispiel für die problematischen Folgen einer Verallgemeinerung der Bankenschulden heran.

Riskante Geschäfte kosteten damals dem amerikanischen Steuerzahler mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Die Einlagen der Kunden wurden von den Sparkassen für den Handel mit risikoreichen Wertpapieren verwendet, um am Ende die erhofften Gewinne als Dividenden ausschütten zu können. Den Sparkassen war bewußt, potenzielle Verluste auf die Schultern der Steuerzahler abladen zu können.

Mit der Gewissheit, die Regierungen werden die Banken aus den Schuldenlöchern wieder heraus ziehen, gehen die Instituten unablässig neue Wagnisse ein. Weitere Beispiele sind die Bankenkrise in Spanien und die amerikanische Subprime-Krise.

Spanische Bankenkrise gründet auf reine Fehlspekulation
„Erworbene Immobilien werden deutlich im Wert ansteigen.“ Davon gingen die spanischen Banken aus, als sie den Immobilienkäufern Kredite bis über das Doppelte zum Immobilienwert gewährten.

Das Ergebnis ist heute deutlich sichtbar!
Inzwischen haftet die Gemeinschaft über zugeteilte Target-Kredite der EZB mit rund 303 Milliarden Euro für die spanischen Banken. Über den EFSF-Rettungsschirm sollen weitere 100 Milliarden Euro an die kippenden Banken zufließen. Hans-Werner Sinn geht davon aus, dass die bisher geflossenen Gelder verloren sind. Die meisten Kreditkunden als auch die spanischen Banken sind schlicht zahlungsunfähig.

Statt Steuerzahler die Gläubiger haften lassen
Gläubiger könnten sogar vor Verlusten verschont bleiben, wenn die Anleihen in Bankaktien im gleichen Verhältnis umgetauscht werden würden. Hans-Werner Sinn sieht einen besseren Weg darin, wenn die Bankschulden in Eigenkapital umgewandelt werden würden.

Realisieren ließe sich die Umwandlung über Debt-Equity-Swaps (Unternehmensanteile gehen vom Gläubiger auf den Erwerber der Forderung über. Forderungen werden erworben und in Eigenkapital umgewandelt).

Damit würden die europäischen Steuerzahler aus der „Geiselhaft“ genommen werden. Aktionäre können hingegen im Tausch ihrer Wertpapiere mit den Gläubiger auf Forderungen verzichten.

Solange die Verluste der Bank geringer als die Höhe des Eigenkapitals bleiben, würden die Gläubiger der Bank kein Geld verlieren. Erst wenn die Verluste der Bank das Eigenkapital übersteigt, werden die Gläubiger benachteiligt.

Anstatt dass der Steuerzahler die Bankenverluste tragen muss, wäre es besser, die Belastungen beim Gläubiger abzuladen. Darüber hinaus würden sich Gläubiger bei zukünftigen Geschäften vorsichtiger und bedachter verhalten. Dem Steuerzahler hingegen bleibt keine andere Wahl.

Bankenunion bedeutet für Deutschland ein enormes Risiko

Bisher hafteten die Rettungsschirme, finanziert durch die Steuerzahler, für die Staatsschulden. Mit der Bankenunion würden die Hilfspakete ein unkalkulierbar hohes Risiko darstellen.

Der ifo-Chef verdeutlicht die bereits existierenden enorm hohen Schuldenlasten. Spaniens Schulden belaufen sich auf 69% des Bruttoinlandsprodukts. Die Höhe der Bankenschulden liegen jedoch bei 305% des BIP. In absoluten Zahlen bei rund 3,3 Billionen Euro. Die Summe entspricht beinahe die gesamten Staatschulden der derzeitigen fünf Krisenländer. Eine Sozialisierung der Bankenschulden würde die Stabilität Deutschlands extrem gefährden.

Hans-Werner Sinn lehnt aus seinen genannten Gründen eine Bankenunion ab. Er kritisiert die ständigen Fehlanreize der bisherigen Rettungspläne, die von den Lenkern in Brüssel nicht über einen Probelauf hinaus gebracht wurden. Europa brauche keine Bankenunion, die lediglich Kapital zwischen den Ländern umverteilt.


Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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