Ifo-Institut zieht Außenhandelsbilanzen in Zweifel

Wirtschaft & Konjunktur-


Die ermittelten Außenhandelsbilanzen Deutschlands könnten real völlig anders aussehen als bisher angenommen wurde. Trägt man den Forschungsergebnissen des ifo-Instituts Rechnung, würden die Handelsüberschüsse „auf dem Papier“ deutlich schrumpfen.

Außenhandelsbilanzen – „Kommt drauf an, wie man es betrachtet“

Handelsbilanzen
Bilanzen - Genommen wird was besser passt?

Wenn Politik und Industrie Planungen und Programme danach ausrichten, um mit den Wirtschafts- und Konjunktur-Vorhersagen der Ökonomen in Einklang zu kommen, ist das schon ein relativ gewagtes Spiel. Kommen jedoch die Wirtschaftsexperten zusätzlich anhand falscher Annahmen zu ihren Ergebnissen, sind die Unterschiede zwischen Wirtschaftspolitik und Spielcasino bereits annähernd ausgeglichen.

Seit jeher sind die Außenhandelsbilanzen eines der wichtigsten Messlatten für die Wirtschaft. Die Bilanz zeigt nicht nur den Ist-Zustand einer Wirtschaft auf, sondern beschreibt auch die Resultate vorangegangener Maßnahmen und dient zugleich als Anhaltspunkt für die Einleitung weiterer Schritte, um auf dem Erfolgsweg zu verbleiben oder um überhaupt erst einmal auf den grünen Zweig zu kommen.

Das Münchener ifo-Institut zog nun die zumindest objektive Betrachtung der Außenhandelsstatistiken in Zweifel und hinterfragte, ob die amtliche Statistik aktuell überhaupt noch eine Aussagekraft besitzt. Das Institut stellte im Rahmen eines Forschungsprojekts die Werte der Außenhandelsstatistik den tatsächlichen Wertschöpfungen gegenüber.

Ergebnis: Es scheint anders zu sein als bisher angenommen
Das Forschungsergebnis des ifo-Instituts zeigt die Verhältnisse in den Handelsbilanzen gegenüber den sog. GIPS-Staaten (Griechenland, Italien, Portugal und Spanien) in einem anderen Licht, die deutschen Überschüsse fielen geringer aus. Ebenso schrumpfte das Defizit der USA gegenüber China. Demnach stellte die modifizierte Betrachtungsweise der Handelsbilanzen die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder in einem anderen Licht dar und würde einen gravierenden Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben.

Die Bilanzunterschiede wären sogar erheblich. Das ifo-Institut käme z.B. von einen um 71 Prozent (lediglich 8 Mrd. statt 27 Mrd. Dollar) überschätzten deutschen Überschuss gegenüber den Niederlanden, gegenüber Tschechien um 65 Prozent und gegenüber Polen um 52 Prozent. Der Handelsüberschuss Deutschlands gegenüber den Defizitländern der Euro-Zone wäre um 20 Prozent niedriger, sofern er Wertschöpfungsgehalt für das Jahr 2007 in Betrachtung gezogen würde, statt die unbereinigten Handelsbilanz-Werte zu berücksichtigen.

„Vermutlich – Eventuell – Vielleicht“

Das Forschungsprojekt des ifo-Instituts stütze sich auf Werte aus dem Jahr 2007. Zu diesem Zeitpunkt mögen die Ergebnisse zutreffen, sagen jedoch nur bedingt etwas über die derzeitigen Verhältnisse aus. So könnte man vermuten, dass die Handelsbilanzen vom letzten Jahr deutlich verzerrt wären, sofern man das Forschungs-Modell Wertschöpfung ansetzte. Somit hätte Deutschland im Jahr 2012 vermutlich einen deutlich geringeren Überschuss erwirtschaftet als angenommen, aber eben nur „vielleicht“.

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