ifo-Institut: Mindestlohn setzt bis zu 900.000 Arbeitsplätze aufs Spiel

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Bis zu 900.000 Beschäftigte, darunter Studenten, Rentner, Vollzeittätige und Aufstocker, können durch die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro ihren Arbeitsplatz verlieren. Das ifo-Institut sieht für die Bezieher des zusätzlichen Arbeitslosengeldes II kaum einen Nutzen.

Arbeitslosigkeit

ifo-Institut rechnet durch Mindestlohn große Verluste bei der Beschäftigtenzahl

Ein vorsichtiger Mindestlohn-Start müsste niedriger beginnen

Kaum Nutzen auf breiter Ebene, aber zum Nachteil von mehreren Hunderttausend. Der Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde kann bis zu 900.000 Arbeitsplätze kosten, so die Einschätzung von Ronnie Schöb, Forschungsprofessor des Münchner ifo-Instituts.

Einen Großteil der verlorenen Arbeitsplätze kann demnach die Beschäftigten treffen, die ein zusätzliches Arbeitslosengeld II beziehen, die sog. Aufstocker. Von der Lohnerhöhung wird diese Gruppe „kaum etwas mit nach Hause nehmen“. Das monatliche Nettoeinkommen erhöhte sich lediglich um 60 Euro, wenn der Stundenlohn eines alleinstehenden Aufstockers von 5 Euro auf 8,50 steigt. Das entspricht einer Steigerung von nur 6,1 Prozent. Vom zusätzlichen Einkommen wird ein großer Teil mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet. Auf der anderen Seite werden die Kosten für den Arbeitgeber jedoch um 70 Prozent angehoben.

Eine gemeinsame Studie von Schöb, dem ifo-Dresden-Geschäftsführer Marcel Thum und des Magdeburger Finanzwissenschaftlers Andreas Knabe ergibt einen Verlust von bis zu 900.000 Arbeitsplätzen nach der Einführung des Mindestlohns. Davon seien 660.000 geringfügig Beschäftigte, inkl. Studenten und Rentner sowie rund 340.000 Vollzeitbeschäftigte betroffen.

Derzeit seien bundesweit rund 14 Prozent aller Beschäftigten potenziell vom Mindestlohn betroffen, das sind ca. 5 Millionen Arbeitnehmer. Bei den Vollzeit-Beschäftigten betreffe die Mindestlohn-Einführung rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer. Zwei Drittel der Aufstocker beziehen einen Lohn von weniger als 8,50 Euro pro Stunde.

Ein Vergleich des Mindestlohns mit anderen Ländern sei irreführend. In Großbritannien waren bei der Einführung des Mindestlohns von 3,60 Pfund im Jahr 1999 lediglich 5 Prozent der Beschäftigten betroffen, so das ifo-Institut. Wolle man in Deutschland in ähnlich vorsichtiger Weise vorgehen, dürfte der Mindestlohn in Westdeutschland 6,47 Euro und in Ostdeutschland 4,62 Euro pro Stunde nicht übersteigen. Gemessen am Mindestlohn in den USA müssten die Einkünfte noch niedriger angesetzt werden.

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Ein Gedanke zu „ifo-Institut: Mindestlohn setzt bis zu 900.000 Arbeitsplätze aufs Spiel

  • 25. März 2014 um 17:48
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    Mit den internationalen Vergleichen wird ja oftmals der Mindestlohn als zu niedrig eingestuft, daher ist es richtig, einmal aufzuzeigen mit welchen Beträgen ein Vergleich zu ziehen wäre. Weiterhin ist doch jetzt bereits absehbar, dass dieses Instrument nicht der große Wurf ist, für den es verkauft wird. Arbeitgeber werden deutlich belastet und Arbeitnehmer merken ihn auch nicht auf dem Konto.

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