ifo-Chef Sinn spricht für eine offene Währungsunion

Eurokrise – Lösungsansätze-

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener ifo-Instituts, hält eine offene Währungsunion als einen Mittelweg zwischen dem in der USA gültigen Dollar-System und dem Festkurssystem nach Bretton Woods für einen möglichen Weg, dem Schuldenkreislauf zu entkommen.

Ansätze für Ausweg aus der Schuldenkrise

Ausweg Schuldenkrise
Möglicher Ausweg aus
der Euro Schuldenspirale

Bild: GG-Berlin / pixelio.de

Der ifo-Chef stellt fest, dass die Krisenländer nach mehr als vier Jahren billiger Kreditversorgung nach wie vor von der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB) bezuschusst werden und die Strategie zur Rettung bisher nicht aufgegangen ist.

Nach den Berechnungen des ifo-Instituts wurden von den Euro-Ländern, dem EZB, der EU und dem internationalen Währungsfonds (IWF) bereits rund 1,53 Billionen Euro beigesteuert. Für das Institut Anlass genug, um nach neuen Ansätzen zur Krisenbewältigung zu suchen.

Weiterehin beziffert ifo für Deutschland einen durchaus möglichen Verlust von 771 Milliarden Euro, sollten die Krisenstaaten Italien, Zypern, Portugal, Spanien, Irland und Griechenland in die Insolvenz gehen und die EU-Zone verlassen. Die Gesamthilfen stiegen nach einem ausgeschöpftem ESM auf 2,2 Billionen Euro an. Alle bisherigen Maßnahmen haben nicht zu einem Weg aus der Schuldenkrise geführt.

Bisherige Rettungsaktionen einstellen

Hans-Werner Sinn fordert Politiker und Ökonomen, die den derzeiten Kurs befürworten, dazu auf, der Öffentlichkeit zu erklären, wie sie den bisherigen Weg der Aktionen fortsetzen wollten. Der ifo-Chef erinnert an Janós Kornai (Wirtschaftswissenschaftler aus Ungarn), der aufgrund der „lockeren Budgetbeschränkungen“ in der ehem. Sowjetunion deren Untergang vorhersagte. In der EU herrsche derzeit eine Politik der „lockeren Budgetbeschränkungen“ vor.

Keynesianische Schuldenpolitik auf Ewigkeit?
Durch immer mehr Schulden läßt sich die Schuldenkrise in der Euro-Zone nicht lösen, argumentiert Sinn. Er schlägt daher eine „radikale Umschuldung“ innerhalb der betroffenen Länder vor. Die Lasten sollten statt von den Steuerzahlern durch die Gläubiger getragen werden.

Schuldenländer müssten billiger werden
Um die notwendige Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen, müssten Portugal und Griechenland um min. 30% sowie Spanien um 20% billiger werden. Andernfalls müssten die Rettungsaktionen wie bisher stetig fortgesetzt werden, da nach einem Ausbleiben der Hilfsaktionen eine erneute Krise einsetzte.

Möglicher Ausweg aus der Euro Schuldenkrise

Das ifo-Institut schlägt einen Weg in der Mitte vor. Diese soll sich zwischen dem Dollar-System in der USA und Bretton Woods Model eines Festkurssystems befinden.

Der Weg für die betroffenen EU-Länder
Eine „offene Währungsunion“, die darauf aufbaut, dass ehemalige Vollmitgliedsländer als „assoziierte Mitglieder“ über Zeit eine eigene Währung führen. Der Weg für eine spätere Rückkehr soll offen gehalten werden.

Sinnvoll wäre der Status „außerordentliches Mitglied“ für die Länder, die den Weg der realen Abwertung innerhalb des Euro-Raums vermeiden wollen. Beim Austritt aus der regulären Mitgliedschaft und der Einführung nationaler Währungen, erfuhren die betroffenen Länder Unterstützung anderer Mitgliedsstaaten, sind aber an Reformauflagen gebunden, sofern eine Rückkehr zur Voll-Mitgliedschaft angestrebt werden würde.

Das Konzept für die gesamte EU
Die euroäische Integration müsse eine Fortsetzung finden. Dazu gehörte ein einheitliches System der Bankenregulierung. Der derzeit ruinöse Regulierungswettbewerb müsse ein Ende finden und durch ein Zusammenwachsen des Bankensystems emöglicht werden.

Statt einer Transferunion müsse das Ziel mit harten Budgetbeschränkungen einhergehen. Die Risikoprämien dürften nicht von der EZB sondern von den Märkten bestimmt werden.

Das Kapital könne nur dann effizient unter rivalisierenden Verwendungen aufgeteilt werden, wenn die Anlagenentscheidungen statt von den nationalen Zentralbanken oder einem Gouverneursrat, wieder von den Portfoliomanagern gefällt werden würden. Es wäre nur fair, fiele das Risiko auf die Anleger selbst.

„Ein bereits brennendes Haus ist nicht mehr versicherbar“
Hans-Werner Sinn hält das Zusammenwerfen aller Abschreibungsrisiken in einen einzigen großen Topf für keine Lösung. Bereits heute steht schon fest, dass in den EU-Südländern riesige Abschreibungsverluste auf Unternehmenskredite und Immobilien anstehen. Eine Absicherung für diese Risken käme zu spät, sie liegen bereits klar auf dem Tisch.

Eine politisch motivierte harte Budgetbeschränkung mit dem Ziel der gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit, setzt die Begrenzung der lokalen Gelddruckmaschinen nach amerikanischen Vorbild voraus. Zusätzlich gedrucktes Geld müsse mit „echten Wertpapieren“ bezahlt werden und nicht durch blanke Schuldanschreibungen.

Dennoch scheint für viele Entscheidungsträger der Weg über die Schuldensozialisierung bevorzugt zu werden.

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