Hans-Werner Sinn: Deutschland befindet sich auf gutem Weg

Konjunktur Deutschland-


Als „einen echten Silberstreif am Horizont und keine Fata Morgana“ könnte der Ausblick des Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn kurz beschrieben werden. Obwohl der Ökonom eine „Wachstumsdelle“ in der deutschen Wirtschaft erkennt, befände sich Deutschland dennoch auf einem guten Weg und der „Ifo-Index hat noch nie getäuscht“.

„Ifo-Prognosen besser als Vorhersagen der TV-Wetterfrösche“

H.-W. Sinn
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn
Bild: ifo Institut/Bonitz

In einem Gastbeitrag im Handelsblatt (06.11.12, S.15) beschrieb er die Gründe, warum in Deutschland ein Bau- und Investitionsboom ausgelöst werden könnte, welches die Situation des spanischen Booms noch vor der Krise widerspiegelte. Es bestünde eine hohe Investitionsbereitschaft der Anleger, weil „das anlagesuchende Sparkapital sich nicht mehr ins Ausland traut“, erklärte Sinn. Eine Untermauerung dieser Voraussage findet mit dem Rückblick auf bisherige Prognosen des Ifo-Instituts und deren Verwendungen statt.

Hans-Werner Sinn wies auf die Einschätzung des Ifo-Instituts im Handelsblatt vom Mai 2010 hin, bei der bereits von einem besseren Wachstumstrend auf langfristige Sicht gesprochen wurde. Inzwischen befände sich Deutschland auf diesem Weg. Dennoch wurde darauf hingewiesen, dass dieser Trend zerstört werden könne. Das wäre dann der Fall, wenn „dem deutschen Sparkapital auf dem Wege über Rettungssysteme zu viel öffentlicher Geleitschutz beim Weg ins Ausland gegeben wird“, so Hans-Werner Sinn. Viele Kommentatoren hätten diese Einschätzung, wenn auch mit einigen Monaten Verzögerung, übernommen.

Der Ifo-Chef sieht in seinem im Jahr 2003 erschienenem Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ keinen Widerspruch zwischen der inhaltlichen Aussage, dass die deutsche Investitionsgüterindustrie vom Wachstum der Schwellenländer in besonderer Weise profitieren würde und dem heute vorzufindenden konjunkturellen Aufschwung. Denn „Konjunktur und Trend sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, so Sinn.

Im Gastbeitrag hob Hans-Werner Sinn hervor, dass Prognosen zum Wachstum nie „punktgenau“ stimmen können. Aus diesem Grund ginge das Ifo-Institut für das Prognoseintervall von einer Wahrscheinlichkeit aus, in der sich mit zwei Drittel die realen Werte innerhalb eines Intervalls befänden.

Die Prognose 2010 wäre zu pessimistisch getroffen worden, so Sinn. Die „Dramatik des Nachkrisenaufschwungs“ wäre unterschätzt worden. Dennoch wären die Vorhersagen der Wirtschaftsforschungsinstitute gar nicht so schlecht gelegen. Die Treffsicherheiten in den letzten Jahrzehnten wären insgesamt „frappierend“ gewesen, stellte Sinn fest. Besser würde es nicht gehen. Wer von Prognosen mehr erwartete, würde sich Illusionen hingeben.

Der Ifo-Präsident gab zu bedenken, dass nicht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) selbst prognostiziert werde, sondern die Wachstumsraten und somit die Ableitung des Zeitpfades des BIP in einer logarithmischen Skala. „Keine Temperaturprognose für den nächsten Tag kann da mithalten“, so Sinn. Wären die „TV-Wetterfrösche“ dazu angehalten statt des Niveaus der Temperatur die prozentuale Änderung zu prognostizieren, stünden sie mit ihren Ergebnissen schlechter da, als die Wirtschaftsforschungsinstitute.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) verwendet lediglich Hochrechnungen aus einem Bruchteil der Wirtschaft, um damit die ersten Zahlen zu erhalten und diese werden bisweilen mit den Prognosen des Ifo-Instituts verglichen, erklärte Sinn. Die Hochrechnungen werden jedoch im Laufe eines Jahres wiederholt und teilweise in einem erheblichen Umfang revidiert.

Der Ifo-Index würde maßgeblich dazu beitragen, die Richtung der Revisionen treffsicher zu prognostizieren. Dies hätte bereits Jan-Egbert Sturm vom schweizerischen Konjunkturforschungsinstitut KOF bereits festgestellt, so der Ifo-Präsident.

Das Ergebnis einer Befragung von 7.000 Managern der gewerblichen Wirtschaft erschiene wesentlich früher als die amtliche Statistik. Bislang hätte der Ifo-Index noch nie getäuscht, erklärte Sinn. So wurden auch der Wirtschaftseinbruch im Jahr 2008 und der folgende „rapide Aufschwung“ im Jahr 2010 richtig und frühzeitig vorhergesagt.

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