Handelsbilanzüberschuss 2018 noch immer problematisch

Wirtschaftsleistung –


Der erneute Rückgang des Handelsbilanzüberschusses der deutschen Wirtschaft im Jahr 2018 bleibt aufgrund seines Umfangs und in Relation zur Wirtschaftsleistung nach wie vor problematisch.

Container Schiff

Exportüberschuss zum dritten Mal in Folge gesunken – Noch immer problematisch

Bilanzüberschuss entspricht 7,4 % der Wirtschaftsleistung

Mit knapp 230 Milliarden Euro fuhr die deutsche Wirtschaft im Jahr 2018 abermals einen überaus großen Überschuss bei den Außenhandelsbilanzen ein. Zwar fiel der Leistungsbilanzüberschuss zum dritten Mal in Folge geringer aus, aber dennoch erscheint dieses Mehr gegenüber den Importen als sehr problematisch. Der Exportüberschuss im Jahr 2018 lag bei 7,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Im Jahr zuvor lag die Quote bei 7,9 Prozent und im Jahr 2016 bei 8,5 Prozent. Den bisherigen Zenig markiert das Jahr 2015 mit einer Quote von 8,9 Prozent, so das Münchener ifo Institut, das die im vergangenen Jahr erreichten Wirtschaftsdaten kommentierte.

Nach wie vor liege der Exportüberschuss zur Wirtschaftsleistung über den Vorgaben der EU. Diese sieht höchsten 6 Prozent für langfristig tragfähig. Im vergangenen Jahr sank vor allem der europäische Länder betreffende Überschuss, die Importe im gleichen Zeitraum stärker ausfielen. Dazu komme ein rein rechnerischer Effekt, da die Jahreswirtschaftsleistung inkl. Inflation mit 3,4 Prozent deutlich anstieg.

Exportüberschuss: Russland im Jahr 2018 auf Platz 3

Aus aktueller Sicht werde die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2018 den größten Leistungsbilanzüberschuss vorweisen, so ifo. Damit werde die Kette der vergangenen Jahren fortgesetzt. Mit 294 Milliarden US-Dollar ist der Abstand zum voraussichtlich zweitplatzierten Japan (173 Milliarden US-Dollar) sehr deutlich. Dennoch entspricht der Überschuss Japans lediglich 3,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Quasi ein „Überraschungs-Dritter“ ist Russland mit ca. 116 Milliarden US-Dollar Überschuss (7 % der Wirtschaftsleistung im gleichen Jahr) im Jahr 2018. Eine Ursache dafür liege an der erhöhten Warenausfuhr und die andere in der eher politisch motivierten Drosselung von Wareneinfuhren, da eine größere Unabhängigkeit angestrebt werde.

Die USA setzten ihre langjährige Praxis des Defizits auch im Jahr 2018 fort und legten dazu noch weitere rund 5 Milliarden oben drauf. Die USA haben nach vorläufigen Zahlen um rund 455 Milliarden US-Dollar mehr importiert als exportiert. Allerdings entspricht dies lediglich 2,3 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung.

Der Export-Riese China hat im Jahr 2018 in der Kategorie Exportüberschüsse den Rang der ersten Drei verlassen. ifo sieht Gründe vor allem in den deutlich gesunkenen Warenüberschuss. Dieser sei jedoch weniger in Handelsstreitigkeiten begründet, sondern vielmehr in den deutlich ausgeweiteten Maschinen-Import.

Handelsbilanzüberschüsse sind problematisch

Definitionsgemäß gehen Leistungsbilanzüberschüsse mit hohen Netto-Kapitalexporten einher, so ifo. Die Bundesrepublik baue damit die Höhe der finanziellen Forderungen gegenüber dem Ausland auf. Auf Dauer hohe Überschüsse werden spätestens dann problematisch, wenn die Forderungen nicht eingelöst werden können und das fängt bereits mit der Unfähigkeit an, die Zinslast zu bedienen.

Bis Ende 2015 stieg das Auslandsvermögen nach Angaben der Deutschen Bundesbank auf rund 7,9 Billionen Euro. Im gleichen Zeitraum sanken die Verbindlichkeiten auf rund 6,4 Billionen Euro. Damit blieb eine Netto-Forderung von 1,5 Billionen Euro. Quasi eine offene Rechnung.



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