Haben Deutsche die Sehnsucht nach D-Mark verloren?

Euro oder D-Mark?-


Der deutsche Bürger mag offenbar mehrheitlich die Gemeinschaftswährung Euro behalten und nicht zur „guten alten“ D-Mark zurück kehren. In der deutschen Bevölkerung hat sich offenbar ein Sinneswandel vollzogen, dass den politischen Euro-Verteidigern Auftrieb verleihen und den letzten Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen soll.

Euro-Zuspruch in Deutschland mit mehr als zwei Drittel Mehrheiten

D-Mark
Mehrheitliche Liebe zur D-Mark bereits erloschen?

Die Mehrheit der Deutschen scheint sich mit der Einheitswährung Euro „pudelwohl“ zu fühlen. Betrachtet man das Umfrageergebnis vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Handelsblatt, würden 69 Prozent der Bundesbürger die europäische Einheitswährung von derzeit 17 Ländern gerne behalten.

Umgekehrt wollten nach dem Umfrageergebnis 27 Prozent der Deutschen gerne aus dem Euro flüchten und wieder zur D-Mark zurück kehren. Noch im vergangenen Jahr war die Anzahl der Euro-Ablehner bei rund der Hälfte aller Befragten.

Die „Euro-Liebe“ ist abhängig von der Höhe des Haushaltseinkommens
Je mehr jeden Monat auf das Konto gutgeschrieben wird, desto inniger scheint die Zuneigung zum Euro zu sein. Befindet sich der Bürger in der Lage, ein Einkommen von mehr als 3.000,- Euro netto pro Monat vorweisen zu können, befindet sich dieser in der Gesellschaft aus 79 Prozent Euro-Befürworter.

Geringverdiener bis zu 1.000,- Euro pro Monat wünschten sich zur Hälfte die D-Mark wieder zurück. Dagegen würden 60 Prozent der Deutschen mit einem monatlichen Einkommen in Höhe bis 2.000,- Euro die Einheitswährung lieber wieder abschaffen.

Wie sieht es in den politischen Lagern aus?
Politisch gesehen würden sich 88 Prozent der Grünen-Wähler nicht vom Euro trennen wollen. Bei den Fans der FDP sind es noch 83 Prozent der Befragten. Die als eher konservativ geltenden CDU/CSU-Anhänger sprechen sich zu 75 Prozent dafür aus, die Einheitswährung beizubehalten.

Manfred Güllner, Chef von Forsa, hatte auch eine Erklärung für den scheinbaren Sinneswandel der Deutschen parat. Zwar werden zahlreiche Bürger von der undurchschaubaren Euro-Krise geängstigt, jedoch berührte dies nicht mehr die Einstellung zum Euro als die Währungseinheit, so Güllner.

Gegenseitige Abhängigkeit statt innige Liebe zum Euro

„Satt geht nicht auf die Straße“, sofern deutsche Bürger befragt werden. Selbst bei den meisten Geringverdienern stehen der Kühlschrank und die Vorratskammer nicht leer. Dafür muss an allen anderen Ecken und Enden geknausert werden. Eine eher unzufriedene Haltung gegenüber dem Euro drückt sich auch im Umfrageergebnis aus.

Sichtlich scheint es den deutschen Bürgern noch zu gut zu gehen, um den Drang zu verspüren, „irgendetwas“ an der Situation ändern zu wollen. Eine Eigenart, die die Politik schon immer zu nutzen wusste. Das gilt auch für die widerkehrenden Euro-Stürme, deren Auswirkungen ebenso in den Köpfen der Bürger abflachen wie das Bild eines hungernden Kindes mit einer halbleeren Reisschale in der Hand.

Der vermeintliche Zuspruch zum Euro in den krisengebeutelten Südländern Europas könnte mit der Situation eines Drogenabhängigen und einem Dealer verglichen werden, die sich eine gegenseitige Abhängigkeit brachten. Zuerst wurde der Abhängige süchtig gemacht und schon bald darauf konnte sich dieser ein Leben ohne den Euro nicht mehr vorstellen. Der Dealer ließ jedes Mal anschreiben und kann zwar heute seine Forderungen durchsetzen, aber ein Ausstieg des Süchtigen würde diesen in eine Katastrophe stürzen und der Dealer würde auf seine Forderungen bis zum Tag X sitzen bleiben.

Wohl einer der Hauptgründe, warum die Abkehr vom „Konstrukt Euro“ so schwierig ist.

Bild: tarifometer24.com

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