Gustav Horn: Bundesbank Goldreserven verkaufen

Deutsche Goldreserven-


Der deutsche Top-Ökonom Gustav Horn vom IMK schlägt vor, die Goldreserven der Bundesbank für die Stimulierung der Wirtschaft zu verkaufen. Die Rückhaltung derart hoher Goldmengen wäre nicht notwendig und hätte lediglich eine „beruhigende Wirkung“.

„Gold hat nur scheinbare Wertbeständigkeit“

Gold Werte
Verkauf scheinbarer Goldwerte

Es gebe keinen rationalen ökonomischen Grund mehr dafür, Goldvorräte in dieser Größenordnung vorzuhalten und deshalb könne man ein Teil von den Goldreserven der Bundesbank verkaufen, forderte der Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, bei einem Gastbeitrag in Welt am Sonntag.

Besonders in den Zeiten schwacher konjunktureller Entwicklungen könnte aus den Erlösen des Goldverkaufs die Wirtschaft stimuliert werden. Der Bundeshaushalt würde geschont werden und der Spielraum des Landes würde auch in einer Phase der Schuldenbremse vergrößert werden, so Horn.

Der IMK-Vorstand erklärte, „der Goldstandard ist seit Langem für alle bedeutenden Währungen aus gutem Grund Geschichte“, der Ursprung einer Abdeckung und Sicherung der von den Notenbanken gehüteten Währung sei nicht mehr gegeben. Die Bundesbank verfüge nicht einmal mehr eine Hoheit über eine eigene Währung und der Euro war noch nie durch Gold gedeckt. Wohl aber verfüge die Bundesbank über hohe Goldreserven.

Gold wirke wegen seiner „scheinbaren Wertbeständigkeit“ beruhigend, so der Top-Ökonom, aber die heftigen Schwankungen des Goldpreises bewirkten eher eine optimistische Wahrnehmung.

Die Gesamtmenge der deutschen Goldreserven

Mit den Angaben der Bundesbank bestehen die deutschen Reserven derzeit aus ins. 3.396 Tonnen Gold. Davon sind folgende Mengen gelagert:

  • Frankfurt: 1.036 Tonnen
  • New York Federal Reserve Bank (Fed): 1.536 Tonnen
  • London Bank of England: 450 Tonnen
  • Paris Banque de France: 374 Tonnen

Bundesbank reagiert mit Teilrückholungen von Goldreserven

Der CSU-Politiker Peter Gauweiler fürchtet mit der erklärten Rückholaktion von insg. 150 Tonnen
Gold innerhalb der nächsten drei Jahre eine nur „halbherzige Aktion“ durch die Bundesbank. Die Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) berichtete am Dienstag von offenbar schon angelaufenen Rückholungen von Teilen der in den Tresorräumen der Fed eingelagerten Goldbestände.

Die Bundesbank hatte kurz darauf die genannten Pläne von Goldrückholungen zumindest in
Teilbereichen bestätigt.

Gauweiler kritisierte im Gespräch mit DWN (Samstag) das bisherige Ausbleiben von Kontrollen. „Bis zum heutigen Zeitpunkt hat die Bundesbank die Goldbestände im Ausland weder in Augenschein genommen, noch nach Gewicht überprüft“, so der CSU-Politiker zur DWN. Bis heute lägen der Bundesbank lediglich Zertifikate vor, die eine Existenz von Goldbeständen bei der Fed, der Bank of England und der Banque de France bestätigen sollen.

Peter Gauweiler sieht das Problem darin, dass eine Inventur von wertvollen Gegenständen durch eigene Beauftragte von Dritten nicht ersetzt werden könne, diese wären stets interessengeleitet.

Abschaffung des Goldstandards „aus gutem Grund“

Der Ökonom Gustav Horn erklärte, die Abschaffung des Goldstandards wurde aus „gutem Grund“ durchgeführt, ließ sich allerdings nicht über den Grund aus.

Der Goldstandard hat seinen Ursprung im eigentlichen „Gold-Geld“. Münzen bestanden aus dem gelben Edelmetall. Nach der Einführung von Papiergeld wurde dem Schein ein äquivalenter Goldwert hinterlegt. Man konnte sicher sein, dass hinter dem bunt bedruckten Stück Papier mit einer Ziffer, auch ein Gegenwert von Gold hinterlegt ist.

Notenbanken garantierten dafür, jeden sich im Umlauf befindenden Geldschein (oder auch „Blechmünze“) zu jeder Zeit in Gold umtauschen zu können. Man könnte auch sagen, die Banknote repräsentiert als „Zertifikat“ eine bestimmte Menge Gold.

Warum wurde der Goldstandard abgeschafft?
Der Goldstandard hatte neben dem positiven Effekt der Minderung von Inflationsrisiken (Gold kann nicht beliebig vermehrt werden) auch negative Auswirkungen. Die goldhinterlegte Währung ist „schwerfällig“ und lässt den Regierungen nur wenig Spielraum, um auf wirtschaftliche Veränderungen anpassend reagieren zu können.

Nachdem sich Großbritannien vom Goldstandard verabschiedete (1931), da die Wirtschaftskrise die Bank von England u.a. dazu zwang die Goldbestände zu verkaufen, folgte nur rund zwei Jahre später die USA mit der Aussetzung der Goldkonvertibilität mit dem gleichzeitigen Erlass des Goldverbots für Privatpersonen. Als Ersatz wurde u.a. für die Münzprägung Silber zugelassen.

Eine ganze Reihe weiterer Staaten der Welt folgten dem Ausstieg aus dem Goldstandard und letztendlich folgte man dem System von Wechselkursen, die mehr Flexibilität versprachen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das an den Goldstandard angelehnte Bretton Woods -System ins Leben gerufen. Doch auch diese Goldbindung der Währungen fand 1971 erstmals in den USA ein Ende. Obwohl eine Bindung an den Währungsreserven bestand, hatten die Länder freie Hand eine Geldpolitik ohne Rücksicht auf die tatsächlich vorhandenen Goldvorräte zu führen.

Die Geldmenge der Weltleitwährung US-Dollar überragte die Goldreserven inzwischen deutlich. Letztendlich wurde 1973 das Bretton Woods für offiziell als Beendet erklärt und man gab für die meisten Länder die Wechselkurse frei.

Um der Geldpolitik die notwendigen Handlungsfreiheiten zu verleihen, kann die Abschaffung des Goldstandards als ein „guter Grund“ genannt werden. Ob es sich dabei um ein Vorteil handelt, dass es den Notenbanken ermöglicht wurde, „theoretisch“ beliebig viel Geld zu drucken, wird sich in der nächsten Zukunft herausstellen. Die folgende Grafik zeigt die Geldmengen-Entwicklung MZM des US-Dollars in den USA, von 1959 bis 2012.

Geldmengen Entwicklung US-Dollar

Quelle: Jashuah, Fed St. Louis, © CC
MZM – Definition der Fed für „money of zero maturity“, bestehend aus Bargeld plus Giro-, Sparkonten, privaten Geldmarktkonten plus institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten

  Goldanbieter

Bild: tarifometer24.com

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0 Gedanken zu „Gustav Horn: Bundesbank Goldreserven verkaufen

  • Die Zentralbank kann mit Gold die Geldmenge steuern. Gold-Ankauf ist Geld-Schöpfung, Gold-Verkauf ist Geld-Vernichtung. Aus diesem Grund sind die zuweilen publizierten Vorschläge, die Bundesbank solle ihre großen Goldbestände verkaufen und mit dem erlösten Geld die Konjunktur ankurbeln, völlig unsinnig. Der Markt müßte das Gold ja erst mal bezahlen, der Verkauf entzöge dem Markt das Geld, die Geldmenge würde schrumpfen. Das wirkte nicht anregend sondern dämpfend und deflatorisch. Allenfalls könnte die Bundesbank dieses Geld als Gewinn an den Bundeshaushalt abführen und von dort könnte das Geld als „Konjunkturprogamm“ wieder ausgeschüttet werden. Aber dann wäre die Geldmenge bloß wieder auf dem vorigen Stand. Also was soll´s?

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  • Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Goldgeld der Antike nachgeäfft wurde! Und noch heute gibt es Äffchen, die – wie die Vertreter der „Österreichischen Schule“ – den „Goldstandard“ anbeten und sich von diesem Unsinn die Lösung aller Menschheitsprobleme versprechen. Gold kann in der Natur gefunden oder durch Neutronenbeschuss von Quecksilber künstlich erzeugt werden. Und nur weil das zweite Verfahren noch viel zu teuer ist, stellt sich der im Altertum verhaftete, unbewusste Mensch das Gold als ein „natürliches Geld“ vor, dem er wegen seiner Seltenheit einen „besonderen Wert“ beimisst. Die Abstraktion vom Gold über das Goldgeld bis zum Papiergeld kann der noch unbewusste Mensch nicht nachvollziehen.

    Das bewusste Denken beginnt mit der Feststellung, dass in einer Volkswirtschaft die Waren das Angebot sind und das Geld die Nachfrage bildet. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist also immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht „beliehene Sachwerte“, eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Damit das Geld seine Aufgabe als Tauschmittel erfüllen kann, muss lediglich sichergestellt sein, dass es als „gesetzliches Zahlungsmittel“ definiert, dass es fälschungssicher ist, und dass es umläuft. Allein die Art und Weise, wie die letzte Bedingung erfüllt werden kann, entscheidet über das Schicksal der ganzen Volkswirtschaft:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

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