Grillo verliert Humor – Italien-Crash in 6 Monaten möglich

Italienkrise Aktualisiert: 04.03.12


Der populäre Humorist Italiens, Beppe Grillo, konnte 25 Prozent der italienischen Wählerstimmen für sich gewinnen und wartete nicht lange ab, um seine Vision der italienischen Zukunft mitzuteilen. Demnach sieht er das gesamte System auf einen Abgrund zusteuern, der noch innerhalb der nächsten drei Monate zum absoluten Crash führen könnte.

„Der Staat ist eine Aktiengesellschaft – Pech für den Verlierer“

Beppe Grillo
Jeder Humor hat seine (EU-) Grenzen

Die Worte des italienischen Komikers Beppe Grillo werden eine ganze Reihe von Personen ganz und gar nicht komisch finden. Der Mann, der bei den letzten Parlamentswahlen in Italien mit seiner Partei „Fünf-Sterne-Bewegung“ auf Anhieb 25 Prozent der Stimmen erhielt, erklärte dem Nachrichtenmagazin Focus, dass die Probleme Italiens nicht durch den Euro ausgelöst worden seien, sondern rein aufgrund der erdrückenden Staatsschulden.

Grillo gibt den alten Parteien noch sechs Monate und dann wäre Schluss. Denn weder die Renten noch die öffentlichen Gehälter könnten noch weiterhin ausbezahlt werden. Sollten sich die Bedingungen in Italien nicht ändern, so Grillo zum Focus, solle Italien aus dem Euro aussteigen und wieder zur Lira zurückkehren.

Italien werde erdrückt, so Grillo, nicht von der Gemeinschaftswährung, sondern von den Schulden. Sollten die Zinsen 100 Milliarden Euro jährlich betragen, werde Italien tot sein, ohne Alternativen. Der frisch in die Politik „gerutschte“ populäre Komiker vergleicht im Interview den Staat mit einer Aktiengesellschaft. Demnach habe eben derjenige Pech, der Aktien von einer Gesellschaft kaufte und diese nun bankrott gegangen ist. Wer so etwas riskiere, könne auch verlieren.

Der Schuldenschnitt steht im Mittelpunk
Grillos These vom Ausstieg aus dem Euro und der Rückkehr zur Lira dürfte den Politikern in Brüssel überhaupt nicht schmecken. Da Italien seine Schulden offenbar nicht mehr bezahlen kann, fordert Grillo einen Schuldenschnitt. Ein Teil der Verbindlichkeiten solle den Italienern erlassen werden. Diese Version dürfte eine ganze Riege von Anlegern nicht gut bekommen, sofern der Schuldenerlass auf die Investoren beschränkt bleibt und niemand auf die Idee käme, diese Abschreibungen über die „Öffentliche Hand der EU“ zu regeln.

Humor mit fließendem Übergang zum puren Ernst

Jeder Humor kennt seine Grenzen. Beppe Grillo hat seine Eckpfeiler zum Übergang in den Ernst offensichtlich auch ausgelotet. Seine Forderungen dürften kaum als Ironie oder Satire verstanden werden. Darüber hinaus verglich der Humorist auch Peer Steinbrücks Aussage, Grillo wäre ein Clown, lt. Bild am Sonntag mit dem Benehmen eines Flegels.

Die klare Ansage eines wahrscheinlichen Zusammenbruchs des italienischen Wirtschafts- und auch Politik-Systems noch in diesem Jahr dürfte auf die Märkte alles andere als wie Baldrian einwirken. Die Zinsen italienischer Anleihen schossen bereits seit der Parlamentswahl in die Höhe. Grillos verbaler Warnschuss wird voraussichtlich für weitere Höhenflüge der Bonds-Zinsen sorgen und Italiens Lage noch weiter verschärfen.

Möglich wäre zu diesem Thema auch eine Renaissance der Target-2 Theorie des Chefs des Münchener ifo-Instituts Hans-Werner Sinn. Nach der Veröffentlichung des Buchs „Die Target Falle“ wurde es wieder relativ schnell ruhig um die theoretischen Notenbank-Verbindlichkeiten in dreistelliger Milliardenhöhe.

Hauptgläubiger Italiens ist Deutschland über Target-2. Ein kompletter Zahlungsausfall des Euro-Südlandes würde somit die Bundesrepublik besonders hart treffen. Dennoch wäre es – pragmatisch überlegt – bei einem Euro-Austritt völlig egal, ob das Land seine Schulden in Euro oder in Lire nicht mehr begleichen kann.

Bild: © Niccolò Caranti / Creative Commons BY-SA-3.0 de

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