Griechische Banken dem ESM übergeben`?

Griechenlandkrise-


Die bisherigen Hilfsgelder für Griechenland müssten gestoppt werden und auch weitere Kreditzahlungen dürfe es nicht mehr geben. Vielmehr sollten griechische Banken in den Besitz des ESM gehen, damit die Rekapitalisierung direkt und vollständig erfolgen könne.

„Aus Griechenlands Banken müssten EU-Banken werden“

Griechenlandhilfspaket
Nur noch Geld für Banken?
Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Für Griechenland dürfe es keine weiteren Hilfsprogramme mehr geben, forderte Thomas Mayer, ehem. Chef-Ökonom der Deutschen Bank, in einem Interview mit Wirtschaftswoche (Samstagsausgabe). Die bereits zugesagten, aber noch nicht überwiesenen Hilfsgelder in Höhe von 71 Mrd. Euro sollten dazu verwendet werden, um in Griechenland einen Zusammenbruch der Banken zu verhindern, so Mayer und forderte „weitere Kredite zur Finanzierung des griechischen Haushalts darf es nicht mehr geben“.

Darüber hinaus sollten nach den Vorstellungen des ehem. Chefvolkswirt der Deutschen Bank künftig die griechischen Geldhäuser in den Besitz des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) übergehen. „Es ist notwendig, den hellenischen Stabilisierungsfonds, dem faktisch alle griechischen Banken gehören und für den derzeit die griechische Regierung verantwortlich ist, an den ESM zu übergeben“, erklärte Mayer der Wirtschaftswoche.

Aus der Sicht Griechenlands hätten die Banken den Status von Auslandsbanken. Nach der Übergabe an den ESM wären sie EU-Banken und würden nicht mehr für den hellenischen Staat als Geldmaschinen missbraucht werden können. Die griechischen Banken würden die noch ausstehenden Hilfsgelder direkt erhalten können, erklärte der Ökonom.

Griechenland könnte sich selbst überlassen werden, nachdem die griechischen Institute rekapitalisiert seien und dem ESM gehörten, so Mayer. Sollte bis dahin alles gut verlaufen sein, könnten die Griechen bereits 2013 einen ausgeglichenen Haushalt, sofern die Zinszahlungen abgezogen würden.

Für den Ökonom steht es fest, dass Griechenland ohnehin in den nächsten Jahren keine Zinsen oder Schulden tilgen werde. Eine Erholung und Rückzahlung käme vielleicht erst in fünf oder zehn Jahren, nachdem sich die Lage entspannte, und falls nicht, würde es zum Schuldenschnitt kommen, erklärte Mayer.

Alles Geld nur den Banken

Besteht da ein Missverständnis? Griechenlands Haushalt ist offensichtlich auch nach Monaten nicht in der Lage die Auflagen der Sparpakete und Reformen zu erfüllen. Ein Zeitaufschub von weiteren zwei Jahren wurde inzwischen bewilligt, der endgültige Bericht der Troika, aus Prüfern der EZB, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission, steht noch aus und letztendlich steht ein drittes Hilfspaket von mehr als 30 Mrd. Euro zur Debatte. Der genehmigte Zeitaufschub erfordert eben eine finanzielle Überbrückung.

Das alles Zielt auf den Haushalt des Euro-Mitgliedslandes. Rückschließend mit der Forderung, die hellenischen Banken dem ESM zu übergeben, könnte man davon ausgehen, als wenn Athen „unter dem Tisch“ den „wehrlosen“ Banken das Geld aus den Kassen zöge, um diverse Verbindlichkeiten zu finanzieren, aber offiziell nicht in der Lage sei, die Staatsschulden zu drücken. Doch die Hilfsgelder sollen vollständig den Banken überlassen werden und Athen sich selbst.

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