Goldpfand als Anleihe Deckung der Krisenländer?

Schuldenkrise-


Die als Zinsaufschläge verlangten Risikoprämien der Staatsanleihen könnten durch eine Golddeckung gesenkt werden. Die geplanten Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank würden durch die „Brückenfinanzierung“ goldgedeckter Anleihen ersetzt werden können.

Golddeckung der Anleihen böten mehrere Vorteile

Golddeckung
Gold als Anleihedeckung

Gold könnte als Deckung für Anleihen dienen und somit das von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplante Anleihekauf-Programm ablösen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine (F.A.Z.) (Mittwoch) erklärte Makroökonom Professor Ansgar Belke, welche Vorteile sich mit dem Einsatz der Goldreserven als Anleihendeckung böten.

Demnach würden die Goldreserven als Pfand für die Rückzahlung solcher Anleihen dienen können. Risikoaufschläge würden sinken, da den Anlegern erhöhte Sicherheiten gegeben würden, so Belke. Dem geplanten Ankaufprogramm der EZB würde der Verdacht anhaften, eine angelaufene Intervention nicht mehr beenden zu können, selbst wenn sich ein Krisenland nicht an die verbundenen Reformen halten würde. Mit Gold gedeckte Anleihen könnten jedoch ein „Brückenfinanzierung“ mit verschiedenen Vorteilen erbringen, erklärte der Ökonom.

  • Mehr Transparenz als bei EZB Anleihekäufe
  • Kein Antrieb für Inflationsentwicklungen
  • Kein Umverteilungseffekt in Europa

Am Ende würden die Anleihekäufe durch die EZB die „guten Schuldner für die schlechten Schuldner mit haften“ lassen, so Belke. Sollten jedoch die Krisenstaaten ihre Anleihen mit Gold hinterlegen müssen, so würde der Druck steigen und zu erhöhten Reformanstrengungen führen. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls würde sind, so der Makroökonom im Interview mit der F.A.Z.

Für die Südländer Portugal und Italien sieht Belke ausreichende Goldreserven von 382,5, bzw. 2.452 Tonnen zu einem derzeitigen Marktpreis von rund 125 Mrd. Euro. Ein Anteil von 24, bzw. 30 Prozent ihres Finanzierungsbedarfs über die kommenden zwei Jahre, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler. Dagegen würden die Länder Griechenland (112 Tonnen), Spanien (282 Tonnen) und Irland (6 Tonnen) nur geringe Goldreserven vorweisen können. Dies reichte lediglich für einen geringen Umfang von goldgedeckten Anleihen.

Eine 30%-ige Golddeckung würde jedoch für portugiesische fünfjährige Anleihen die Zinsen um rund 4 Prozentpunkte drücken, so der Ökonom zur F.A.Z. Sollte sich der Kapitalmarktzugang für Portugal verschlechtern und der Zins z.B. bei 10% stehen, würde die Teilgold-Deckung dazu führen, den Wert auf 6% absinken zu lassen.

Aufgrund der „heiklen rechtlichen Problematik“ wäre es jedoch essentiell, „dass das System der Europäischen Zentralbanken in unabhängiger Entscheidung zustimmt und nicht gegen das Verbot monetärer Finanzierung von Staatsschulden verstoßen wird. Dies könnte durch eine Übertragung des Goldes zunächst auf eine Schuldenagentur geschehen“, erklärte Belke der F.A.Z.

Goldgedeckte Anleihen – reine Theorie?

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen erwähnte Belke u.a., dass es für Deutschland klug gewesen wäre wie Finnland ein Pfand für die gegebenen Hilfsgelder zu verlangen. Sicher wäre es besser, „etwas was in der Hand“ zu haben, statt nur „Beteuerungen und Versprechungen“.

Am Ende gäbe es allerdings keinen Unterschied wenn der Schuldner mit oder ohne Pfand seine Verbindlichkeiten nicht nachkommen kann / will. Wenn Gold als Anleihedeckung tatsächlich eine Sicherheit bieten soll, dann müssten die Goldbarren buchstäblich von der Zentralbank des Schuldners anteilig zur Zentralbank des Gläubigers (nicht der EZB) transportiert werden.

Um die Krisenländer dazu zu bewegen ihre eigenen Goldreserven als Pfandgabe zu lockern, wäre die EZB dazu angehalten, diesen Weg als „alternativlos“ zu beschreiten. Denn solange das Kapital „auch so“ fließt, verbleibt das Edelmetall für die Südländer der Eurozone schlicht als die eigene Reserve „für schlechte Zeiten“.

  Goldanbieter

Bild: tarifometer24.com

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