„Gefühlter Wohlstand“ in Deutschland angestiegen?

Wohlstandsentwicklung-


Der Bundesbürger scheint eine seltsame Einstellung zu seinem „gefühlten Wohlstand“ zu haben. Auf der einen Seite stehen geringere Einkommen, ansteigende Altersarmut und sinkende Renditen für das Ersparte, auf der anderen Seite fühlen sich offenbar immer mehr Bundesbürger als Wohlhabend.

Nach Gefühl“ eine verbesserte Lebenssituation in Deutschland

Wohlstand
Gefühlter Wohlstand in Deutschland

Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach kam zum Ergebnis, dass offenbar immer mehr Bundesbürger ihre persönliche Situation besser einschätzten als noch die letzten 5 Jahre zuvor. Renate Köcher, Chefin des Allensbacher Instituts, legte die Zahlen in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche (WiWo) (Samstagsausgabe) vor.

Demnach sahen im Jahr 2006 lediglich 19 Prozent ihre derzeitige Lage als besser als fünf Jahre zuvor, während deren Anzahl 2010 auf 26 Prozent angewachsen sei. „Aktuell sind es 30 Prozent“, so Renate Köcher in ihrem Gastbeitrag für WiWo.

Dagegen wäre mit einem Rückgang von 37 Prozent auf derzeit 24 Prozent ein geringerer Anteil von Personen festgestellt worden, die sich als Wohlverdiener sehen.

Köcher betonte in ihrem Gastbeitrag die „besonders erfreuliche“ Feststellung, „dass dieser positive Trend quer durch alle Einkommensschichten zu beobachten“ sei. Im Jahr 2006 sah sich demnach noch jeder Zweite als Wohlstandsverlierer, wenn die Person im Haushalt ein geringeres Nettoeinkommen von weniger als 1.700,- Euro vorweisen konnte. Aktuell wären es lediglich noch 29 Prozent. Mit einem Zuwachs von 12 auf 25 Prozent hätte sich die Gruppe, die sich als Wohlstandsgewinner sehen, etwas mehr als verdoppelt.

Lt. Köcher wird die Zukunft der Deutschen mit Zuversicht gesehen und mit einer mindestens stabilen wirtschaftlichen Lage gerechnet. „44 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren keine nennenswerte Veränderung, weitere 20 Prozent rechnen mit Wohlstandsgewinnen“, so Köcher in der WiWo. Ein Grund dafür wäre u.a., dass die wenigsten um ihre Arbeitsstelle fürchteten. Der Anteil der Erwerbstätigen, die sich akut um die Sicherheit der Arbeitsstelle fürchteten, sei seit dem Konjunktureinbruch 2008 / 2009 von 19 auf 7 Prozent zurückgegangen.

„Gefühlte Annahmen“ gegenüber „nackte Tatsachen“

Diese Darstellung des Allensbacher Meinungsforschungsinstitut widerspräche den „>Armutsbericht der Bundesregierung in weiten Bereichen. Aus dem Bericht ging lt. der Vorlage von Mitte September hervor, dass sich in den letzten zehn Jahren eine extreme Schieflage in der Vermögensverteilung entwickelte. Lediglich 1 Prozent des gesamten Privatvermögens fiele auf die „untere Hälfte“ aller Haushalte und bereits 2008 waren lediglich 10 Prozent der reichsten Deutschen im Besitz von 53 Prozent des Gesamtvermögens.

Das Allensbacher Institut hat offensichtlich einen sehr schmalen Bereich der gesamten Bandbreite ausgewählt, um auf diese Einschätzung zu kommen und eine allgemeine Verbesserung zu suggerieren. Darüber hinaus beziehen sich die Angaben auf eine „relative“ Position innerhalb Gesellschaft und Lebensumstände.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung stellte ebenfalls im September einen prägnanten Zuwachs der Altersarmut fest. Für den Zeitraum zwischen 2005 und 2011 errechnete das WSI einen Zuwachs von 2,3% der Senioren unterhalb der Armutsgrenze. Ein Anstieg der Armut im gesamtdeutschen Durchschnitt zwischen 2010 und 2011 wurde mit 0,6 Prozent beziffert. Das Wirtschaftsinstitut spricht von einer längst gegenwärtigen Altersarmut, die seit Jahren am Zunehmen sei.

Das Institut für Demoskopie Allensbach ist nicht ganz unumstritten
Dass das Institut aus Allensbach als einziges von fünf großen dt. Meinungsforschungsinstitute die Umfragewerte für die Parteien im Nachkomma-Bereich angibt, obwohl die Fehlerquote bei der vorgenommenen Art von Werteermittlungen im Bereich von zwei bis drei Prozenten liegt, mag eine besondere Eigenheit sein. Abweichend ist auch das Verfahren für die Erhebung. Die Ergebnisse werden nicht nach Zufallsprinzip sondern per Quotenverfahren gewonnen.

Nach einer Umfrage zur Landtagswahl in Baden-Württemberg im Jahr 1996 und dem anschließenden Wahlergebnis, kamen auf das Meinungsforschungsinstitut kritische Fragen zu. Diese sagte der Partei Die Republikaner einen Stimmenanteil von 4,5 Prozent voraus. Das Wahlergebnis zeigte jedoch einen Stand von 9,1 Prozent. Renate Köcher, Chefin des Allensbachers Instituts, erklärte in einem Interview, dass der Partei keine Plattform geboten werden wollte und aus diesem Grund vom Berichten des bereits bekannt gewesenen höheren Wertes abgesehen wurde. (Quelle: Wiki).

Um festzustellen, wie es um den eigenen Wohlstand steht, reicht ein Blick auf die Kontoauszüge der letzten Monate. Einfach Geld-Eingänge und -Ausgänge sowie Zwischenstand mit den Jahren zuvor vergleichen.

Bild: Alexandra H. / pixelio.de

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