Fallender Eurokurs im Mittelpunkt der Interessen

Eurostabilität-


Die einen wünschen sich eine Abwertung der Gemeinschaftswährung Euro, andere bekräftigen dagegen seine Stabilität auch in die Zukunft hinein. So plädiert die Finanz- und Unternehmerwelt auf eine Korrektur des Eurokurses nach unten und forderte sogar die EZB dazu auf, für eine Inflation zu sorgen.

„Eine Euro-Abwertung wäre wünschenswert“

Euro-Crash
Erwünschter Euro-Zerfall?
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Kontroverse Aussagen zu der Zukunft des Euros gehören inzwischen zum Alltag der Medien. Eine aktuelle Variante „streitet“ zwischen der klaren „Prophezeiung“, der Euro würde stabil bleiben und der Variante, dass die Gemeinschaftswährung „viel zu überbewertet sei“ und bald den einen Ausgleich nach unten suchen werde.

So beurteilen die Analysten und Investoren den Eurokurs als zu hoch angesetzt und entspräche nicht den wirtschaftlichen Fakten der Euro-Zone. Die Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) (Donnerstag) berichtete über die aktuellen Daten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), nach der die Gemeinschaftwährung Euro in ihrer Bewertung um 5,5 Prozent über dem durchschnittlichen Wert von etwas über 1,21 US-Dollar läge. Damit müsste der Euro im Kurs eigentlich um 2,6 Prozentpunkte niedriger angesetzt werden.

Einen angemessenen Wert für den Euro gegenüber der US-Währung hielten Analysten demnach bei 1,15 bis 1,20 Dollar.

Offenbar zeigen Finanzwelt und Industrie ein hohes Interesse an einem abgeschwächten Euro. Eine Abwertung „würde dazu beitragen, einige Probleme in der Eurozone zu lösen“, so Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank zu Bloomberg.

Mit der Forderung von John Hardy von Saxo Capital Markets, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse ihre Geldpolitik dahingehend abändern, den Eurokurs innerhalb eines Jahrs auf 1,15 Dollar zu bringen.

„Gute Nachrichten für Hedge Fonds
Bereits die offen ausgesprochene Forderung, den Euro abzuwerten, bringen die Hedge Fonds Manager auf den Plan, die wieder verstärkt auf einen Fall des Eurokurses wetteten. In Verbindung mit der jüngst von der Bundesregierung berechneten Summe von rund 10 Milliarden Euro zusätzlicher Griechenland-Hilfe aus dem Rettungsschirm EFSF, würden die Hedgefonds wieder dicke Gewinne einfahren können. Lt. Wirtschaftswoche (WiWo) (Freitag) deckten sich die Hedgefonds bereits im Sommer mit griechischen Anleihen ein, die für einen Preis für weniger als 20 Prozent des Nominalwertes herausgegeben wurden. Eine weitere Finanzspritze als „Griechenland-Hilfe“ würde die Anleihen preislich auf einen Rückkaufwert zwischen 25 und 50 Prozent anheben. Die Bereicherung der Hedgefonds im Kostüm einer Staatshilfe.

Kurzes aber prägnantes Gegenargument
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) glaubt Medienberichten zufolge „weiterhin fest an eine erfolgreiche Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise“ und sieht die Gemeinschaftswährung weiterhin in einem stabilen Zustand. Bei einem Handelskongress in Berlin hätte er angekündigt, dass es in der Eurozone zum schrittweisen Abbau der Verunsicherungen zur Gemeinschaftswährung kommen werde, da die Fortschritte belegt werden könnten. Einen Schuldenschnitt für Griechenland auf Kosten der öffentlichen Gläubiger lehnte Schäuble wiederholt ab.

Kommt überhebliche Arroganz zu Tage?

Ist es schlicht „frech“ oder gar „unverschämt“? Die urtümlichste Aufgabe der EZB war es, dafür Sorge zu tragen, den Euro auf einem stabilen Kurs zu halten, und zwar unabhängig und ungelenkt von den Interessen Dritter. Unternehmen und Finanzwelt fordern die EU-Notenbank „unverblümt“ dazu auf, mit einer Kurskorrektur des Euro für einen „Inflationsschub“ zu sorgen.

Verlierer wären wiederum die Steuerzahler der Privathaushalte. Ein fallender Euro wirkte sich z.B. (über-) proportional als steigende Energiepreise (Heizöl, Heizgas, etc.) aus. Dazu kommt der sehr hohe Anteil der Importware, der sich in Lebensmittelpreise und Kleidung niederschlägt. Profiteure einer Euro-Abwertung wären die Unternehmen auf Kosten der Bürger.

Die Aussagen des Bundesfinanzministers können getrost in den Bereich von nichts sagenden und unbedeutenden Floskeln ausgelagert werden. Bestenfalls dienten sie zur üblichen Vernebelung der Tatsachen und den bereits geschmiedeten Plänen.

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