EZB-Politik und Anleihekäufe spalten die Ökonomen

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Die derzeit berühmteste Ankündigung der Europäischen Zentralbank jährt sich zum ersten Mal. EZB-Chef Mario Draghi demonstrierte der Weltöffentlichkeit die potenzielle Schlagkraft durch den möglichen Aufkauf von Staatsanleihen in unbegrenzter Anzahl. Die enorme Wirkung der wenigen Worte auf die Finanzmärkte gilt als unbestritten, doch um deren Nachhaltigkeit driften die Meinungen weit auseinander.

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Gemeinsamer Tanz der EZB und Ökonomen um den „Goldenen Euro“

EZB-Politik spaltet die Welt der Ökonomen

Mit Jürgen Stark, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) und DIW-Chef Marcel Fratzscher stehen sich zwei Ökonomen mit völlig unterschiedlicher Sichtweise zur Geldpolitik der EZB gegenüber. EZB-Kritiker Stark hält die Maßnahmen der Notenbank für nur gekaufte Zeit und Fratzscher schloss sich mit weiteren Top-Ökonomen zusammen, um den gegenwärtigen Kurs vor weltweitem Publikum zu verteidigen.

Im Jahr 2011 verließ Stark die EZB aufgrund der eingeleiteten Geldpolitik, die nach Ansicht des ehem. Chef-Ökonomen nicht mehr viel mit dem eigentlichen Mandat zu tun hätte. Heute steht er der Notenbank als einer der schärfsten Kritiker gegenüber. Das Anleihekaufprogramm seines vormaligen Arbeitgebers hält Stark lediglich für einen kurzfristigen Effekt. Eine nachhaltige Lösung für die Krise wäre dies jedenfalls nicht. Im Interview mit Handelsblatt bezeichnete der Ex-EZB-Chefvolkswirt Draghis Ankündigung als nur für die Regierungen Europas gekaufte Zeit. Diese Zeit wäre jedoch begrenzt. Die Märkte werden die EZB früher oder später testen, wie weit die Ankündigungen tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden, so Starks Einschätzung.

Noch in diesem Jahr könnte die Europäische Zentralbank tatsächlich herausgefordert werden. Stark geht davon aus, dass sich die Krise im Spätherbst zugespitzt fortsetzen wird und Frankreich dabei im Mittelpunkt steht. Der Druck auf die EZB könnte enorm ansteigen, da die Zinsen für Frankreichs Staatsanleihen Werte erreichten, die die Notenbank zu Handlungen zwingen werde.

Vollkommen hinter der EZB stehen jedoch u.a. DIW-Chef Marcel Fratzscher und Beatrice Weder di Mauro, ehemalige Wirtschaftsweise. Zusammen mit weiteren Ökonomen riefen sie dazu auf, die EZB-Politik zu verteidigen und auch zukünftig zu unterstützen. Die Volkswirte halten die Ankündigung der EZB als „eine der geschicktesten und erfolgreichsten Ankündigungen in der Geldpolitik seit Jahrzehnten“. Nach Informationen des Handelsblatts wurden zum Aufruf zahlreiche E-Mails versendet und über 100 Ökonomen hätten bereits unterzeichnet.

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