EZB-Ökonomen korrigieren Wachstumserwartungen

EU-Konjunktur-


Die Wirtschaftsexperten der Europäischen Zentralbank haben wiederholt ihren Rotstift angesetzt, um die vorherigen Prognosen zur EU-Konjunktur am Ist-Zustand anzupassen. Die EZB-Ökonomen rechnen im März 2013 mit einer noch größeren Wirtschaftsschrumpfung als noch vor rund drei Monaten prophezeit wurde. Und Mario Draghi spricht den Finanzmärkten zu, das demokratische Umfeld erkannt zu haben.

„Irrtümer“ aus letzter Weissagung nach unten korrigiert

EZB-Ökonomen
EU-Wirtschaft - Es kommt doch anders als erwartet

Die Rezession in Europa könne noch ausgeprägter werden als bisher angenommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) korrigierte ihre eigenen Prognosen vom Dezember von -0,3 Prozent auf derzeit ein um -0,5 Prozent rückgängiges Wirtschaftswachstum in der Eurozone für 2013. Das eingeschätzte Plus von 0,5 Prozent Wachstum nur ein Vierteljahr zuvor ist somit noch weiter in die Ferne gerückt.

Dennoch solle sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres schrittweise erholen, so EZB-Chef Mario Draghi lt. manager-magazin (Donnerstag), der darüber hinaus die Geldpolitik der Zentralbank als „konjunkturstimulierend“ bezeichnete. Auch das für 2014 im Dezember erwartete Wachstum von 1,3 Prozent korrigierte die EZB nunmehr auf 1,0 Prozent.

Die Inflationsrate innerhalb der Eurozone soll am Jahresende durchschnittlich 1,6 Prozent betragen haben. Damit wäre die Geldentwertung gegenüber dem Vorjahr um -0,9 Prozentpunkte gedrückt worden. Für das Jahr 2014 wird von der Europäischen Zentralbank ein noch niedrigerer Wert von 1,3 Prozent angekündigt.

„Die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben“
Mario Draghi ist davon überzeugt, dass die Finanzmärkte den stürmischen Akt der italienischen Wahlen gut überstanden hätten und sich bereits erholten. Die Märkte wären wieder an den Punkt angelangt, an dem sie sich vor den Wahlen befunden hätten. Darüber hinaus wären keine Anzeichen erkennbar, dass auch andere Euro-Mitgliedsländer von den Unruhen Schaden erlitten. Draghi betonte, „die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben“.

„Märkte & Demokratie“ – Draghis Lippenbekenntnis?

Die Europäische Zentralbank ist abermals dazu gezwungen, ihre eigenen Prognosen an die gegebenen Tatsachen anzupassen. Das „Ökonomen-Team“ der EZB erkannte offensichtlich die Fehleinschätzungen in der vorangegangenen „Expertise“ und setzte daraufhin konsequent den Rotstift an. Damit wäre die nächste Vorlage für eine weitere Korrektur geschaffen.

Auch die Wirtschaftsexperten der Zentralbank „kochen nur mit Wasser„. Aus Umfragen können ggfs. die Tendenzen der gesamten Wählerstimmen herausgelesen werden, aber dass diese auch noch demokratisch umgesetzt werden, hat wohl auch die EZB überrascht.

Demokratie markt-konform oder Märkte Demokratie-konform?
Es fällt schwer Draghis indirekte „Bekenntnis zur Demokratie“ ohne faden Beigeschmack aufzunehmen. Italiens ehemaliger Premier Mario Monti ist nicht aufgrund der in Wahlzetteln gesetzten Kreuze an die Regierung gekommen, sondern vielmehr aus dem „Kalkül“ des Staatspräsidenten Giorgio Napolitano heraus, der Monti, Ex- Goldman Sachs Mitarbeiter, schlicht installierte. Ein solcher Vorgang dürfte der EZB sowie auch Brüssel viel besser bekommen, als den Unmut der Bevölkerung als „nicht Markt-konformes“ Wahlergebnis präsentiert zu bekommen. Die Finanzmärkte sind nach wie vor die größte Sorge der EU-Funktionäre. Die Prioritäten zugunsten der Bürger in den einzelnen Euro-Nationen orientieren sich an deren Privatvermögen und dessen Potenzial zur „öffentlichen Verwendung“ sowie dem zeitlichen Abstand zur nächsten Regierungswahl.

Der Frust und Unmut der Bevölkerung in den Euro-Ländern Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und nun auch Frankreich passen ganz und gar nicht in das Konzept der „Brüsseler Spitzen“. Zu deren Entsetzen scheint sich der Wille der niederländischen Bevölkerung ebenfalls aufdrängen zu wollen. Ein Referendum über den Verbleib in der Euro-Zone rückt bereits in greifbare Nähe.

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