EZB Geldschwemme wird von Banken nur zögerlich angenommen

Eurokrise-


Die Europäische Zentralbank öffnete erstmals ihre Tore, um den Banken zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Anfrage war insgesamt jedoch eher verhalten, wobei die Kreditinstitute in den Südländern trotz angeblicher sehr geringer Nachfragen aus der Wirtschaft besonders ausgiebig zulangten.

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Die EZB will die Kreditinstitute mit zusätzlichem Geld fluten. Banken üben sich in „Bescheidenheit“

Mario Draghi wurde sein bereitgestelltes Geld nicht los

Der Chef der EZB, Mario Draghi, präsentierte nach den letzten beiden Ratssitzungen im Juni und September ganze Paletten von bereitgestellter Liquidität für die Banken. Alleine die zuletzt zusätzlich in Aussicht gestellten 400 Milliarden Euro erzeugen den Eindruck, als wenn die Kreditinstitute halb vertrocknet und händeringend auf Zuflüsse von Kapital warten würden. Immerhin sollen zusätzliche Mittel auch für die belebte Kreditvergabe an die Realwirtschaft sorgen und somit möglichst flott die Konjunktur ankurbeln.

Die Europäische Zentralbank öffnete inzwischen ihre Schalter und hielt den ersten Schwung von Langzeitkrediten für vier Jahre (unter Vorbehalt) zu einem extremen Niedrigzins (0,15%) bereit. Die Bank als Kreditnehmer muss innerhalb der ersten zwei Jahre ein zuvor festgelegtes Volumen an Krediten weiterreichen, ansonsten wird die Rückzahlung an die EZB vorzeitig fällig. Dennoch erhalten die Banken auch automatisch die Möglichkeit, sich für 2 Jahre billiges Geld zu leihen, um es am Kapitalmarkt lukrativ anzulegen.

Der große Andrang der Kreditinstitute blieb jedoch aus. Von einem „EZB-Run“ keine Spur. Mit der ersten Tranche wurden lediglich 82,6 Milliarden Euro angefragt. Die Summe ist u.a. deshalb so überraschend niedrig, da Ökonomen mit einem Volumen von rund 130 Mrd. Euro gerechnet hatten.

Der „große Durst“ nach Liquidität scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein. Ein Grund für die Zurückhaltung könnte der bevorstehende Bankenstress-Test sein, so eine der im Raum stehenden Begründungen. Erst nach den Ergebnissen werden die Banken ihre Kalkulationen zu den Kreditvergaben neu ankurbeln und beim Anstehen der zweiten Tranche der EZB mehr Kapital nachfragen.

Die abwartende Haltung der Kreditinstitute bis zu den Ergebnissen aus dem Bankenstress-Test wäre eine Möglichkeit, ist aber dennoch sehr fraglich, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Kreditvergaben der europäischen Banken seien schon seit geraumer Zeit, trotz sehr niedriger Zinsen bei der EZB auf dem Rückzug. Trotz der Maßnahmen der Notenbank seien die Kreditvergaben nicht angestiegen.

Besonders gut zu beobachten sei die Situation in den Ländern Griechenland und Spanien. Die Kreditvergabe der Banken stockt, obwohl die Anzahl der nachgefragten Unternehmerkredite leicht angestiegen sei. Die Konjunkturen in den Ländern schreiten nur schleppend voran und die Kreditinstitute blieben mit ihren Vergaben von Krediten vorsichtig.

Aus diesem Grund werde die zusätzliche Liquidität in einem Umfeld ausreichender Liquidität wenig an der Situation ändern und die Banken nicht zu veränderten Risiko-Einschätzungen bewegen, so das IW. Es spreche Einiges dafür, dass es nicht an der Liquidität mangelte, sondern strukturelle und konjunkturelle Gründe die Kreditvergaben der Banken hemmten.

Auffällig ist jedoch, dass vor allem die Banken der betroffenen Südländer am kräftigsten zulangten. Besonders viel Geld floss zu den Kreditinstituten in Spanien und Italien.





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