EZB – Entspannte Finanzmärkte: Eine neue Mär Mario Draghis?

EU-Finanzstabilität-


EZB-Chef Mario Draghi verstreute über Europa wiederholt eine „Brise guter Botschaften“.
Die Finanzkrise wäre auf das relativ entspannte Niveau wie noch vor zwei Jahren zurück gegangen. Analysen hätten das zurückgewonnene Vertrauen der Märkte sowie Sparer und Anleger in den „stabilen und starken“ Euro gezeigt.

Risiko-Zenit ist überschritten, aber dennoch nicht beseitigt

EZB-Verhandlungen
Negative Inhalte müssen nur positiv vermittelt werden

In die zeitweise sehr massiven Unruhen und Verwerfungen innerhalb der Finanzmärkte wäre wieder mehr Ruhe eingekehrt. Dieser Auffassung ist die Europäische Zentralbank (EZB) lt. ihrem „Finanzstabilitätsbericht Mai 2013“ vom 29.05.13. Der Zenit der Stresssituationen wäre überschritten und die Spannungen in den Finanzmärkten wären wieder auf ein Niveau wie vor zwei Jahren zurück gegangen.

Dennoch seien insbesondere vier größere Risikofaktoren für die Stabilität der europäischen Finanzwelt weiterhin belastend.

Dazu zählt die EZB den fortschreitenden Rückgang der Banken-Rentabilität, in Verbindung weiterer Kreditausfälle und einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld.

Weiterhin seien in den Märkten für Staatsanleihen erneute Spannungen bemerkbar, die durch den geringen Wachstum und den langsamen Reformumsetzungen ausgelöst werden.

Ein nach wie vor brennendes Thema wäre die Refinanzierung der Banken in „gestressten“ Ländern.

Jedoch neu im Brennpunkt stünden die Beurteilungen der Risikoprämien auf den weltweiten Märkten für die Umschichtung von risikoreichen Papieren in als sicherer geltende Anlagen (Safe-Haven-Flows) sowie deren Renditen über einen längeren Zeitraum. Damit dort keine Umkehrbewegung in den höheren Risikobereich einsetzte, forderte die EZB eine stabilere und berechenbarere Politik. Banken und Aufsichtsbehörden müssten sich darum kümmern, die Risiken durch den Aufbau höherer Kapitalpuffer in den Geldhäusern zu reduzieren.

Unterm Strich hätten die Märkte wieder „vollstes Vertrauen“ in den Euro zurück gewonnen und würden diesen als eine „starke und stabile Währung“ ansehen, so EZB-Chef Mario Draghi.

Zustimmung zur entspannten Finanzlage auch von Holger Schmiedling, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Am Mittwoch sagte der Ökonom lt. nw-news.de (Mittwoch), dass das Vertrauen der Sparer und Anleger in die Zukunft des Euros durch das Sicherheitsnetz der EZB und den strikteren Haushaltsregeln gestärkt worden sei. Dennoch hält er diesen Fortschritt als nicht gefestigt, da ein „grober politischer Fehler oder ein unbedachtes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank“ schnell zu neuen und teuren führen könnten.

Lage zur EU: Eine milchige rosa-rote Brille

Die Aussagen zur „Lage der Multi-Nation“ durch Mario Draghi sollte man zur Kenntnis nehmen, jedoch nicht unbedingt „für voll“. Inzwischen eine Binsenweisheit. Die Aufzählung der „noch“ bestehenden Risiken zeigt eigentlich den „Schnee von gestern“ auf. Die notwendige Rekapitalisierung der Banken ist ein Dreh- und Angelpunkt der gegenwärtigen Finanzkrise in Europa. Die Betonung auf „noch vorhandenes“ Risiko ist Ignoranz und Augenwischerei zugleich. Beinahe wöchentlich kommen neue Banken hinzu, die entweder ein höheres Finanzloch als bisher „vermutet“ entdeckten oder sich dann doch dazu genötigt fühlten, die in den Bilanzen „untergrabenen“ Derivate-Bestände aus faulen Krediten ans Tageslicht zu holen.

Die „noch striktere Haushaltsführung“ betrifft vielleicht den Einkauf der Kaffee-Vorräte für das EZB-Wartezimmer, jedoch kaum die Mitgliedsländer des Euroraums. Die Realität hat den Finanzstabilitätsbericht inzwischen eingeholt und die EU-Kommission eine Reihe von Euro-Ländern aus dem „Straf-Defizit-Verfahren“ entlassen. Sparpläne und Fiskalpakt sind obsolet.

Der Aufbau eines höheren Stammkapitals bei den großen Banken dürfte vielmehr einem psychologischen Ziel dienen als dass dieser einen praktischen Wert besitzt. Eine Aufstockung der Eigenkapitalquote von 8% auf 15 oder 17% hört sich mit der Betonung auf „Verdoppelung“ vielleicht berauschend an, aber wenn ein Kreditinstitut mit hochriskanten Derivate-Papieren in Größenordnungen von Billionen Euro ins Straucheln gerät, ist das Eigenkapital bereits aufgebraucht bevor die erste Zeitungsredaktion den ersten Buchstaben der Schlagzeile in den PC eingetippt hat.
Die tatsächlichen Inhalte sind im Gegensatz zu den Aussagen des EZB-Chefs sichtlich unverändert geblieben.

Schwierigkeiten bei der klaren Trennlinie zwischen Politik und Justiz?
Vielmehr stellt sich die Frage, ob der Chefvolkswirt der Berenberg Bank eine etwas missverständliche Einstellung zur Demokratie und Gewaltenteilung hat, oder ob durch seine Aussage etwas durchgesickert ist, die Hinweise auf die Wirklichkeit hinter den Kulissen des Verfassungsorgans geben könnte. Der letzte „große Auftritt“ des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) bezüglich der Europäischen Gemeinschaft betraf die Entscheidung über die eingereichten Klagen gegen den dauerhaften Rettungsschirm ESM Mitte September 2012. Trotz aller Bedenken und der Anzahl der ESM-Gegner entschied das Gericht für die Einrichtung des gemeinschaftlichen Rettungsfonds mit Auflagen zur Haftungsbegrenzung.

Hatten die Verfassungsrichter „bedacht“ geurteilt oder ihre Rolle als (unabhängiger?) Hüter der deutschen Verfassung gewahrt? Wie kann man sich die Szene im Beratungszimmer des BVerfG vorstellen? Sitzen in Karlsruhe acht Verfassungsrichter samt Delegationen aus der Brüsseler und Berliner Politik sowie Wirtschaftsvertreter und Chef-Ökonomen von Kreditinstituten zusammen, um mit „Bedacht“ an einer Begründung für ein Urteil zu arbeiten, das zur Verfassung im Widerspruch steht?

Reine Spekulationen, aber dennoch spricht die indirekte Warnung des Berenberg Bank Chef-Ökonomen von einer „besonderen Qualität“ bei den „Abstandshaltern“ zwischen judikative Staatsgewalt und der Europäischen Politik.

Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.