Expertisen von Analysten: Wer darauf hört muss fühlen

Analysten-Einschätzungen-


Wer auf den Wetterbericht für Morgen vertraut, könnte trotz angekündigtem Sonnenschein dennoch triefend nass nach Hause kommen. Nicht Nässe aber Ruin könnte das Ergebnis sein, wenn zur Wahl von Aktien die Einschätzung eines Analysten zu Rate gezogen wurde.

Analysen, Einschätzungen und Prophezeiungen

Analysten-Einschätzung
Guter Rat ist teuer,
aber selten analysiert

Heute scheint der „Abrechnungs-Tag von Prognosen und Analysen“ zu sein. Barack Obama hat „wie von Experten erwartet“ die Wahl zum US-Präsidenten klar gewinnen können, erst vor wenigen Stunden wurden hier die treffsicheren Prognosen des Münchener Ifo-Institut zitiert und das Nachrichtenmagazin Handelsblatt bringt heute innerhalb kurzer Zeit zwei Berichte über die „Treffsicherheit“ von Analysten zu den Quartalszahlen und Geschäftsentwicklungen von Banken.

ING überraschte negativ
So entwickelte sich die Großbank ING nach den letzten Quartalszahlen deutlich unter den Erwartungen der Analysten und kündigte lt. Handelsblatt die Streichung von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen an. Es sollen somit rund 500 Mio. Euro eingespart werden.

Die niederländische ING konnte Quartal III 2012 mit einem Gewinn von 609 Millionen Euro abschließen und verfehlte damit die Erwartungen von Analysten, die einen Gewinn von 872 Millionen Euro an ihren „Rechenschieber“ eingestellt hatten.

BNP Paribas überraschte positiv
Im Gegenzug überraschte Frankreichs Großbank BNP Paribas die Analysten „wider aller Erwartungen“ mit enormen Gewinnen. Die Abweichungen von den Analysteneinschätzungen wurden gleich mit einer Verdoppelung des Gewinns im letzten Quartal um Längen übertroffen.

BNP Paribas schloss das dritte Quartal mit einem Gewinn von 1,32 Milliarden Euro ab. Analysten dagegen kalkulierten mit rund 1,18 Milliarden Euro und stützten sich mit ihrer „Punkttreffer-Landung“ auf die abgeschriebenen griechischen Staatsanleihen vom Vorjahr.

„Wer darauf hört, muss fühlen!“

Die „Unsitte“, dass nicht mehr reine Bilanzen, Erträge oder einfach die Produktivität eines Unternehmens für den Kurs und somit den Wert einer Aktie sorgen, sondern bereits vor der Veröffentlichung der Zahlen die Analysten aufgrund ihrer „Einschätzungen“ Unruhe in die Märkte bringen, ist hinreichend bekannt. Tatsächlich wird auf die Aussagen, teils selbsternannter Spezialisten gehört.

Solche tagesaktuellen Musterbeispiele wie die „Analysen“ zu BNP Baripas und ING sowie deren tatsächlichen Ergebnisse lassen erahnen, dass der „Kollateralschaden“ bei Privatanlegern relativ hoch sein müsste.

„Der größte Börsengang“ als „größtes Musterbeispiel“ aller Zeiten
In Reih und Glied standen sie da, die Analysten, und sonderten zwischen Februar und Mai 2012 ihre „Expertise“ zu den am Start stehenden Facebook-Aktien ab. Wer zulangte, weiß exakt wie hoch die bis heute auf der Wegstrecke liegen gebliebene Geldsumme ist. Mit rund 38 US-Dollar pro Facebook-Schein eingekauft und heute dümpelt das „soziale Netzwerkpapier“ bei rund 21 Dollar umher.

Die „Experten“ sagten einen deutlichen Anstieg des Aktienkurses voraus. Offensichtlich wurde bei der Benennung der Zahlen das falsche Vorzeichen verwendet. Rund ein Drittel des Wertes ging innerhalb weniger Wochen den Bach hinunter. Zwischenzeitlich ist im August der halbe Wert bei rund 19 Dollar notiert worden.

Alleine der Blick auf die Investoren im Hintergrund hätte gereicht, um tunlichst die Finger von diesem Facebook-Deal zu lassen. Im Jahr 2011 klinkte sich Goldman Sachs mit einem Einsatz von 500 Mio. Dollar ein und wenn diese „Edel-Institution“ irgendwo eine Rolle spielt, dann sind ihre Wege am Ende mit noch mehr „Investoren gepflastert“. Bereits die „Geschichte um Abacus“ sollte sich weit herumgesprochen haben.

Es dauerte nach dem Börsengang von Facebook am 18. Mai 2012 tatsächlich nur eine Woche, bis die ersten Gerüchte auftauchten, bei der Goldman Sachs und die nicht weniger „berüchtigte“ Bank JP Morgan gegen den Aktienkurs spekuliert haben sollen. Lt. Wall Street Journal (24.05.2012) hätten die beiden Großbanken die Facebook-Aktien an Hedge-Fonds veräußert. Somit wäre eine Leihgebühr angefallen. Nebenbei wäre auch die Anzahl der Leih-Aktien erweitert worden.

Goldman Sachs und JP Morgan konnten über diesen Weg die Spekulationen auf fallende Facebook-Werte erleichtern und verhalfen zu einem weiteren Druck auf fallende Kurse.

Wer als „kleiner Privatanleger“ keine Möglichkeiten hatte, an die FB-Aktie zu geraten, dürfte heute noch sehr glücklich darüber sein. Zuckerbergs Vermögen dagegen schrumpfte um Milliarden binnen kurzer Zeit, aber dies ist eine andere Seite der „Quantität“. Sehr deutlich wurde jedoch, dass auch die einhellige Meinung zahlreicher „Finanzanalysten“ nicht davor schützen kann, sich mit deren Einschätzungen einen völligen Unsinn angetan zu haben.

Die Medien steuern kräftig bei
Wenn ein Unternehmen andere Zahlen zum Abschluss bringt, als es die Experten und Analysten auf ihrer Rechnung stehen hatten, dann wird das generell als ein „Verfehlen“ des Unternehmens dargestellt.

„Die Niederländer erzielten im dritten Quartal einen Gewinn von 609 Millionen Euro und verfehlten damit klar die Erwartungen von Analysten“, so das Handelsblatt.

Viel schlüssiger wäre jedoch die Darstellung,:
„Die Niederländer … Gewinn von 609 Millionen Euro und zeigten damit klar die vollkommene Fehleinschätzung der Analysten auf“.

Doch Klein- wie auch „Groß-“ Anleger hören auf die Einschätzungen, gemäß „Pi mal Daumen“ der „Experten“ und müssen gar nicht mal so selten dafür bezahlen. Das Phänomen ist jedoch bekannt. Auf den Jahrmärkten sind die kleinen Zelte der Kristallkugel-Leser von interessierten Kunden stets umzingelt.

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