Ex Goldman Sachs Verwaltungsrat zu Haftstrafe verurteilt – Relationen?

Wallstreet-


Mit der Verurteilung des ehemaligen Goldman Sachs Mitarbeiters im Verwaltungsrat, Rajat Gupta, wird ein weiteres Kapitel in einem der größten Hedgefonds-Skandale der Wallstreet abgeschlossen. Der illegale Insiderhandel kostet nun 2 Jahre Gefängnis und eine Millionenstrafe.

Insiderhandel durch ehem. Goldman Sachs Aufseher

Der ehemalige Verwaltungsrat des Investment-Riesen Goldman Sachs, Rajat Gupta, muss für zwei Jahre ins Gefängnis und zudem eine Geldstrafe in Höhe von 5 Millionen Dollar zahlen. Das New Yorker Gericht hält es als erwiesen, dass der ehemalige Goldman Sachs Mitarbeiter Insiderinformationen an einen Hedgefonds-Manager illegal weitergereicht hat.

Zu den Geheiminformationen sollen u.a. Details aus dem beim Goldman Sachs Investment des „Aktien-Moguls“ Warren Buffett gehört haben.

Wie sieht es um die Relationen aus? Eine „Rückblende“

Insiderhandel
Haftstrafe für Rajat Gupta
Bild: Carlo Schrodt / pixelio.de

550 Millionen US-Dollar stehen gegenüber 3.500 Millionen US-Dollar. Die erste Zahl gibt die Höhe der Strafzahlung von Goldman Sachs in einem Vergleich im Jahr 2010 wegen Abacus 2007-AC1 und die zweite Zahl steht für den Gewinn im ersten Quartal des gleichen Jahres.

Um die Bezeichnung Abacus 2007-AC1 handelte es sich um von Goldman Sachs gehandelte Derivate, die im Prinzip aus nichts anderem bestanden als aus Hypotheken des US-Immobilienmarktes. Die meisten Hypotheken galten als ausfallgefährdet und waren deshalb als hoch riskant einzustufen. Ein Paket „fauler Hypotheken“.

Die Zusammenstellung des Abacus-Papiers erfolgte vom Hedge-Fonds Manager John Paulson. Die Strategie bestand darin, eine Anlage zu entwickeln, die geradezu zu einem Zusammenbruch verurteilt ist und diesen an den Mann zu bringen. Das Abkassieren erfolgte einfach darin, dass der Emittent gegen seine eigenen Abacus-Papiere wettete.

„Paulsons Wetten gegen Abacus funktionierte so: Paulson kaufte eine ArtAusfallversicherung für Kredite, die für den Kauf von Häusern aufgenommen waren. Platzte ein Kredit, kassierte Paulson die Prämie, ohne etwas mit dem eigentlichen Kredit zu tun zu haben. Ähnlich jemandem, der eine Brandschutzversicherung für das Haus seines Nachbarn aufnimmt – brennt es, kassiert er“
(Zeit.de – 17.04.2010)

Paulson kassierte durch die faulen Abacus-Papiere rund 1 Milliarde Dollar und Goldman Sachs machte seinen Reibach durch die Provisionen aus dem Handel mit den eigenen Kunden.

Das eigentliche Problem für eine „geradlinige“ Anklagenführung bestand beim Nachweis, dass Goldman Sachs illegal gehandelt hätte. Letztendlich hängte man sich nur an den offensichtlich falschen Angaben gegenüber den Abacus-Abnehmern auf, die Papiere wären durch unabhängige Dritte zusammengestellt worden.

Zum Abschluss wurde das Verfahren mit einem Vergleich gebracht, bei dem u.a. die deutsche IKB beteiligt war. Für Goldman Sachs eine Gesamtkosten-Note von 550 Mio. US-Dollar. Das knapp 7-fache davon wurde bereits im ersten Quartal 2010 als Gewinn eingestrichen.

Zur Abacus-Affäre stand eine Person im Mittelpunkt: Fabrice Tourre. Er hatte wesentlich mit dem „Vertrieb“ der Papiere zu tun und wurde zu den Untersuchungen der Börsenaufsicht (SEC) herangezogen. Die Ermittler hatten es besonders auf seinen firmeninternen E-Mail Verkehr abgesehen, die weitere Hinweise auf die tatsächlichen Hintergründe liefern sollten. Tourre endete quasi als ein „typisches Bauernopfer“ seines Arbeitgebers Goldman Sachs.

„Schräge Verhältnisse“
Der Investment-Riese verursachte einen Schaden in Milliardenhöhe und zahlte dafür eine „Abfindung“ in der Größenordnung, die innerhalb 2 Wochen wieder erwirtschaftet sind. Die einkassierten Milliarden durch den Verkauf der faulen Papiere wurden nicht angefasst und Paulson blieb dem Verfahren komplett fern. Er wurde erst gar nicht angeklagt.

Der ehemalige Goldman Sachs Aufseher Rajat Gupta muss für zwei Jahre hinter Gitter und zusätzlich eine Strafe in Höhe von 5 Millionen Dollar hinblättern.

Der markanteste Unterschied zu den beiden Goldman Sachs Fällen besteht im Riesengewinn und keinem Gewinn für das Investment-Haus.

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