Eurokrise: Kontroverse Blicke der Wissenschaft und Politik

Eurokrise-


Wunschvorstellungen, Hoffnungen und Träume. Verschiedene Ansichten zum Stand der Euro-Krise lassen darauf schließen, dass der durch die europäische Politik eingegangene Rettungskurs die Tatsachen entweder vernebeln soll oder durch den Totalverlust des Realitätssinns völlig fehlgeleitet wird.

Krisenansichten Politiker vs. Ökonomen

Euro-Krise
Parallele Welten der Eurokrise

Eine ganze Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern sprechen von weiteren Zuspitzungen bis hin zum längst nicht erreichten Scheitelpunkt der Euro-Krise. Von einer Entwarnung könne längst noch nicht gesprochen werden.

Noch am Donnerstag verkündete der EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier lt. der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) (Freitag) den bereits überwundenen Höhepunkt der europäischen Krise und provozierte dadurch massive Widersprüche der deutschen Ökonomen, die von einer weiteren Rezession und der Ausweitung der Schuldenkrise ausgehen.

Demnach sieht das Münchener ifo-Institut durch die jüngsten Beschlüsse zu den Griechenlandhilfen eine Belastung für die öffentlichen Gläubiger in Höhe von 47 Milliarden Euro. Davon darf Deutschland einen Anteil von knapp 14 Milliarden Euro tragen. So erklärte der Konjunkturchef des ifo-Instituts, Kai Carstensen, dass bezüglich den finanziellen Belastungen für Deutschland das Schlimmste noch bevor stünde.

Barnier lenkte zwar ein, dass die Krise noch nicht überwunden sei und verglich die derzeitigen Entwicklungen in der Eurokrise mit einem Übertritt in die „zweite Halbzeit“, glaubte aber dennoch daran, den Höhepunkt der Staatschuldenkrise bereits überwunden zu haben. Eine Steilvorlage für Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteilung am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Lt. FAZ widersprach er der Metapher Barniers und erklärte, dass auch „in der zweiten Halbzeit noch viel passieren kann, Spiele können sogar drehen“. Scheide nannte einen „erlahmenden Sparwille“ auf der „langen Reise der Haushaltskonsolidierung“ Griechenlands als Beispiel für veränderte Faktoren. Derzeit bewege sich Griechenlands Schuldenstand von 175% auf 190% zu. Bis jetzt wurde lediglich der Zeitpunkt verschoben, an dem ein Forderungsverzicht erfolgen müsse, so Scheide.

Kaum Optimismus lässt auch Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Citigroup, erkennen. Er schätzt die Wahrscheinlichkeit für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone („Grexit“) auf inzwischen 60% ein, innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate. Scheide hält die derzeitige Entspannung in der Währungsgemeinschaft für temporär. „Die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern der Währungsunion ist heute größer als vor zwei Jahren“, so Scheide zur FAZ.

Lediglich die hohen Wogen der Turbulenzen hätten sich gelegt, so der ehem. Vorsitzende des Sachverständigenrats Bert Rürup zur FAZ, allerdings stünde für Deutschlands Verpflichtung noch das Schlimmste bevor.

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Ein Gedanke zu „Eurokrise: Kontroverse Blicke der Wissenschaft und Politik

  • 2. Dezember 2012 um 14:58
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    Verschuldungszwang

    „Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. Es ist unmöglich, die Verschuldung abzubauen und die Geldvermögen anwachsen zu lassen. Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern.“

    Günter Hannich (aus „Der Weg in den Dritten Weltkrieg“, 2006)

    In der „Europäischen Währungsunion“ kommt erschwerend hinzu, dass der zweite Schritt („Währungsunion“) vor dem ersten (konstruktive Geldumlaufsicherung, allgemeines Bodennutzungsrecht und Freihandel) gemacht wurde, sodass sich die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der EU nicht nur nicht angleichen konnten, sondern aufgrund der Zinsumverteilung zwischen den Mitgliedsstaaten noch vergrößern mussten! Die schwächeren Volkswirtschaften trieb der Euro in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts, während sich vor allem die deutsche Volkswirtschaft auf Kosten aller europäischen Zinsverlierer einigermaßen über Wasser halten konnte. Als kaum zu vermeidende Gegenreaktion wurden die deutschen Steuerzahler von der hohen Politik zwangsverpflichtet, für „Hilfskredite“ an die Not leidenden Mitgliedsstaaten zu bürgen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html

    Dass „Spitzenpolitiker“ und „Wirtschaftsexperten“ die einzige Lösung, die „ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht“ (Zitat: Silvio Gesell), gar nicht erst verstehen wollen, ist unmittelbar einsichtig, denn sie leben davon, dass die Volkswirtschaft eben nicht funktioniert. Doch was ist mit allen anderen, die ein Interesse daran haben müssten, dass die Wirtschaft funktioniert? Die Beendigung der „Finanzkrise“ (beginnende globale Liquiditätsfalle) durch den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, die Natürliche Wirtschaftsordnung, setzt die Überwindung der Religion, den Erkenntnisprozess der Auferstehung, voraus:

    http://www.juengstes-gericht.net

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