Euroflucht der Investoren hat begonnen – EU-Währung verfällt im Kurs

Staatsschuldenkrise – Euroflucht-


Die Flucht aus dem Euro hat begonnen. Anleger orientieren sich in kurzfristigen Anlagen und kehren dem Euro den Rücken zu. Die Euroflucht lässt den Wechselkurs in die Tiefe stürzen. Die Nachfrage zum US-Dollar steigt rapide an und verstärkt das Abschwächen des Euros gegenüber den internationalen Währungen.

Eurostabilität hat ein Ende – Kursverfall im Jahr 2012 erwartet

Die erneute Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank war einer der Auslöser für den Eurosturz auf unter 1,30 Dollar in den letzten Tagen. Die Leitzzinssenkung hatte auf den Euro einen unmittelbaren und kurzfristigen Effekt. Dennoch werden weitere Faktoren für eine negative Entwicklung des Euros bestimmtend sein. In einem Interview mit dem Magazin Handelsblatt (Donnerstag) sagte Hans Redeker eine schwere Zukunft für die Gemeinschaftswährung Euro voraus. Hans Redeker, der Chef der Morgan Stanley Bank Devisenstrategen, betont, dass die Flucht aus dem Euro bereits begonnen hätte.

Euroflucht in Dollar
Flucht von Euro in US-Dollar
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Schon seit Tagen ist der Euro auf einer Abwärtsbewegung, die sich lt. Redeker auch im Jahr 2012 fortsetzen werde. Spätestens bis zum Sommer 2012 erwartet Redeker einen Eurokurs von 1,20 US-Dollar. Der Euro habe sich nur bis jetzt so stabil halten können, weil eine Reihe besonderer Faktoren für Zuflüsse in die Gemeinschaftswährung gesorgt hatten.

Bisher konnte der Euro maßgeblich gestützt werden. Damit sei es allerdings vorbei. Inzwischen sind die bis zum letzten Sommer praktizierten starken Euro-Zukäufe, durch die Zentralbanken zum Erliegen gekommen. Dazu verlangsamten Banken bis heute ihre ausländischen Geschäfte, die durch ihren globalen Handel den Euro quasi zurückholten.

Für Hans Redeker hat eine neue Phase „der extremen Risikoaversion“ begonnen. Investoren trennen sich von langfristig orientierten Wertpapieren, wie z.B. Aktien, Anleihen und sogar von Gold und tauschen das Kapital in zeitlich überschaubaren Anlagen, wie kurzlaufende festverzinste Papiere. Eine verstärkte Investition in den US-Dollar kann inzwischen ebenfalls beobachtet werden.

Aus diesem Grund fällt der Euro-Kurs gegenüber dem Dollar und fällt sogar gegenüber anderen Währungen. Anleger setzen auf die höhere Liquidität des Dollars. Lt. Redeker „repräsentiert der Dollar den größten homogenen Kapitalmarkt der Welt“, nicht zuletzt weil mehr als 50 Währungen an den Dollar gekoppelt sind. Die Flucht aus dem Euro in den Dollar wird voraussichtlich bis ins vierte Quartal 2012 anhalten und den Euro letztendlich bis zum kommenden Sommer auf 1,20 Dollar drücken.

Eine Chance für die Stabilisierung des Euros sieht Hans Redeker in Maßnahmen „zur Stärkung des Euro-Kapitalmarkts“. Voraussetzung dafür wären stabile Anleihemärkte der Peripherieländer. Ein zu stark schwankender Anleihenmarkt würden für Investoren uninteressant sein. Sollte eine Beruhigung des Anleihemarktes ohne dem Eingriff der EZB durch Geld drucken gelingen, dann könnte der Wert des Euros wieder an Höhe gewinnen.

„Ein Auseinanderbrechen des Euro ist unwahrscheinlich“
Hans Redeker sieht zwar nach einem Auseinanderbrechen des Euros starke Aufwertungen der Währungen für „Kerneuropa“, hält aber ein solches Szenario aus ökonomischen und politischen Gründen für sehr unwahrscheinlich.

Euro als Verschuldungswährung für Investoren interessant

Für Investoren sieht Redeker im Kursverfall des Euros als Verschuldungswährung eine interessante Anlage. Jedoch würde der Euro weiter abfliessen und den Kurs fortgesetzt schwächen. Investoren nähmen einen Kredit in Euro auf und würden diesen in einer anderen Währung anlegen. In Bezug auf den US-Dollar setzt eine Umkehrbewegung ein. „Bisher war der Dollar eine klassische Verschuldungswährung, nun teilt sich das zunehmend auf Dollar und Euro auf“, so Hans Redeker.

Vor allem in asiatischen Währungen und im australischen Dollar sieht Redeker ein hohes Gewinnpotenzial. Diese Währungen werden im nächsten Jahr starkt gegenüber dem Euro zulegen. Für den Schweizer Franken wird im Jahr 2012 eine weitere Verhinderung zur Aufwertung gegenüber dem Euro nicht mehr gelingen können.



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