Euro & Schweizer Franken: Kampf gegen eigene Stärke

Devisenkauf Schweiz-

Die Schweiz ist bereits seit fast einem Jahr damit beschäftigt, die eigene Währung am Boden zu halten. Ohne dem massiven Devisenkauf durch die Eidgenossen, würde der Franken gegenüber dem Euro in unerreichbaren Höhen schweben.

Der Schweizer Franken wurde an die Kette gelegt

Schweiz
Kampf gegen eigene Stärke

Genau vor einem Jahr, genauer am 09. August 2011, kostete 1 Euro lediglich 1,0075 Franken. Das Schweizer Magazin Blick (Donnerstag) wies auf das Jubiläum hin und beschrieb die Parität zum Euro-Franken-Kurs als ein Szenario, „das nur wenige Monate vorher eigentlich undenkbar schien, vielen Schweizern stockte der Atem“.

Letztendlich legte die Schweizer Nationalbank (SNB) am 6. September 2011 einen Kurs fest, dessen Minimum bei 1,20 Franken pro Euro fixiert wurde. Der damalige Präsident der SNB, Philipp Hildebrand, erklärte die Maßnahme mit der „massiven Überbewertung des Frankens“ und hielt diesen Zustand „als eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft“.

Bis heute hat sich der Schweizer Franken kaum von der fixierten Marke weg bewegt. Aktuell liegt die schweizer Währung bei etwas über 1,20 Euro pro Franken.

Die Schweiz holt sich reinen Sprengstoff ins Haus

Hätte die SNB nicht entsprechende Maßnahmen eingeleitet, würde sich der Schweizer Franken in ungeahnten Höhenflügen gegenüber der EU-Gemeinschaftswährung befinden. Der Preis ist jedoch enorm, um die Devise der Eidgenossen massiv im Wechselkurs unten zu halten. Die Schweizer Nationalbank verfolgt die Strategie, sich selbst klein zu halten, in dem die Schwächen des Anderen einverleibt werden.

Die Schweiz hat inzwischen Devisenreserven in Höhe von knapp 407 Millarden Franken angehäuft. Der größte Teil vom Devisen-Berg entstand durch den Einkauf der EU-Gemeinschaftswährung.

Sollte der Franken der Grenze von 1,20 wieder bedrohlich nahe kommen und diese voraussichtlich unterschreiten, kauft die SNB erneut Euro in Millardenhöhen ein. Inzwischen weisen die Depots des kleinen Alpenlandes einen höheren Devisenvorrat auf als die Fernostländer Japan und China.

Der Schweiz wird das „Subventions-Modell“ aufgezwungen

Ein zu starker Franken läßt die Produktpreise für das Ausland, allen voran die EU-Länder, unerschwinglich teuer werden. Der Export würde darunter leiden und die Wirtschaft stark unter Druck setzen. Bleibt der Franken gegenüber dem Euro jedoch stabil, kann mit einem relativ stabilem Absatzmarkt kalkuliert werden.

Die Franken-Stabilität durch den massiven Kauf der Gemeinschaftwährung zu erreichen, kommt einer Subventionierung der eigenen Exportwirtschaft gleich. Das entspricht dem Subventionsmodell nach „deutschem Vorbild“.

Deutschland finanziert die Schuldenstaaten über die Rettungspakete mit. Die Krisenländer entgehen in erster Linie einer Insolvenz und darüber hinaus bleiben sie in der Lage, deutsche Export-Produkte zu kaufen. Setzte man die Außenhandelsbilanzen der Bundesrepublik den bereits geleisteten Barzahlungen für EFSF und den abgegebenen Garantieleistungen gegenüber, würde dem „Überschuss“ ein dickes Minus davor stehen. Aber so „rechnet man schließlich nicht“.

Die Euro-Schwemme wird breit gestreut

Massiver Gelddruck durch die EZB und die Verteilung an die bankrotten Geldinstitute Europas wirkten sich vorerst nicht auf die Inflation aus. Solange das Kapital die Realwirtschaft nicht erreicht, dürften die inflationären Entwicklungen über das „gewohnte Normalmaß“ nicht hinausgehen.

Eine Geldmengenvermehrung innerhalb einer Währungsgemeinschaft würde jedoch unweigerlich zu Preissteigerungen führen. Die Schweiz zieht dem EU-Raum durch den Devisenkauf schubweise Euro im 2-stelligen Millardenbereich ab. Damit setzen sich die Schweizer ebenfalls erheblich den Risiken einer Inflation aus.

Die Schweiz müsste inzwischen größtes Interesse daran haben, den Euro am Leben zu halten. Der Devisen-Berg im „Keller der SNB“ würde nach einem Euro-Crash kolabieren. Wohin damit, bzw. woher Ersatz, falls die EU-Währung das Existieren aufhören sollte? Es wäre nicht einmal ein direkter Weg zu einem Ansprechpartner existent, mit dem über „Abschreibungen“ verhandelt werden könnte.

Obwohl sich die SNB zum Thema Euro-Rettung öffentlich sehr zurückhält, dürfte auch die Nationalbank die Stimmen aus der EZB mit Wohlwollen aufnehmen. Der massive Aufkauf von Staatsanleihen der Krisenländer durch die EU-Zentralbank, würde den Druck auf die Schweizer erheblich mindern.

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