Euro Gewinner & Verlierer in Deutschland – Wirtschaft & Bürger

Profiteure der Gemeinschaftswährung-

„Deutschland profitiert vom Euro“, „Die Deutschen sind die Euro-Gewinner“. Aussagen die gerne in den breiten Medien wiederholt zitiert werden. Es mag sogar zutreffen. Allerdings wäre dies nur die halbe Wahrheit und auf eine ganz bestimmte Gruppe der Vorteilsnehmer begrenzt. Wo Gewinner stehen, sind die Verlierer meist gleich nebenan. In Deutschland sind Euro-Profiteure und Euro-Geschädigte in Industrie & Wirtschaft sowie Privathaushalte eingeteilt.

Profiteure und Ausgenommene der Währungsunion

Sinkende Haushaltseinkommen
Wer sind die Euro-Gewinner?

Seit dem Start der Währungsunion hat sich in Deutschland sehr viel bewegt. Die Wirtschaft der Bundesrepublik konnte offensichtlich Nutzen aus der Gemeinschaftswährung ziehen.

Deutscher Euro Gewinner 1 – Wirtschaft
Nathan Sheets und Robert Sockin, Ökonomen der Citi-Group, veröffentlichten eine eingehende Studie über die Auswirkungen des Euros auf die deutsche Wirtschaft und deren Position im globalen Handel.

Die beiden Ökonomen kommen zum Ergebnis, dass Deutschland erhebliche Vorteile aus dem Euro gezogen hätte und beziffern den effektiven Wechselkurs des Einheitswährung um bis zu 20% günstiger als gegenüber der alten D-Mark. In die Berechnungen sind auch die Einflüsse der Lohnkosten mit einbezogen.

Erheblich gestiegene Wettbewerbsvorteile hätten einen stark motivierenden Einfluss auf den deutschen Export gehabt. Die Citi-Group Wirtschaftsexperten schätzen einen jährlichen Anstieg der Exportüberschüsse um 100 Milliarden Euro, also rund 4% zum Bruttosozialprodukt (BIP).

Deutscher Euro Gewinner 2 – Staat
Seit der Einführung des Euros und sogar während der Euro-Krise seit 2007 profitiert der Bund von einer äußerst niedrigen Zinslast. Die Zinslasten der Bundesrepublik sanken 2011 mit knapp 33 Milliarden Euro auf das Niveau vor 1993 und überraschten sogar die „Experten“ mit einem um 2,5 Mrd. Euro niedrigeren Stand als erwartet wurde.

Die Erklärung ist schnell gefunden. Deutsche Staatsanleihen rentieren für den Sparer immer weniger. Des Anlegers Leid, ist des Bundes Freude über eine niedrigere Zinslast. Deutsche Schuldverschreibungen gelten international als sichere Anlaufstelle. Die Investoren sind inzwischen sogar dazu bereit, einen Preis dafür zu bezahlen, um die Anleihen in die Hände zu bekommen. Negativrenditen für Anleger bringen dem Fiskus sogar noch einen Gewinn.

Andere Euro-Länder haben dagegen mit steigenden Zinsbelastungen zu kämpfen. Inzwischen sind die steigenden Anleihenzinsen der Krisenländer derart in die Höhe geschossen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Gedanken spielt, eine Schwelle, bzw. einen Grenzwert für Anleihenzinssätze einzuführen und bei Überschreitung durch Anleihenaufkäufe entgegenzuhalten. Der EZB stünden dafür Kapital-Ressourcen unbegrenzten Ausmaßes zur Verfügung („Notenbankdruckerei“).

Die für Deutschland eingesparten Zinszahlungen bewegen sich in Bereichen von Milliarden Euro. Der durchschnittliche Ertrag aller Spitzenanleihen (Umlaufrendite) hatte Anfang Januar 2012 einen Wert von unter 1,5% erreicht. Im Jahr 2009 wurde der Bund noch mit einer Umlaufrendite von 4,7% belastet.

Die Verlierer in Deutschland und der Euro-Zone

Die deutsche Wirtschaft und der Bund sind eindeutige Gewinner innerhalb der Gemeinschaftswährung, sogar der Euro-Krise. Die Tatsache lässt sich in wenigen und eindrucksvollen Zahlen einfach darstellen.

Der Blick auf Haushalte und Privatpersonen innerhalb der Euro-Zone ergibt jedoch ein vollständig anderes Bild. Auch hier gibt es Euro-Gewinner und -Verlierer, aber der deutsche Bundesbürger durfte seit Einführung einige Stufen vom Siegerpodest hinunter klettern.

Das Nachrichtenmagazin Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) (Montag) veröffentlichte auf Berufung der Schweizer Großbank UBS eine Statistik, wie es um die Einkommen der EU-Bürger seit der Einführung des Euros bestellt ist.

Ein Vergleich innerhalb der Euro-Zone
Zwischen 2000 und 2010 wäre demnach das Einkommen der Privathaushalte in Griechenland am stärksten angestiegen. Platz 2 und 3 der Euro Privat-Gewinner werden von Portugal und Spanien besetzt. Bis zum Jahr 2010 hätten die Volkswirtschaften der drei Haupt-Nutznießer von einem erhöhten Lebensstandard vom Euro profitiert, weil die nominale Einkommenshöhe die vorherrschende Inflation überflügelte. Eine besondere Verbesserung wurde bei allen drei Ländern in den unteren Einkommensgruppen festgestellt.

Eine umgekehrte Situation ist in der „Nordgruppe“ der Euro-Mitgliedsländer festzustellen. Das tatsächlich verfügbare Einkommen ist für den durchschnittlichen Haushalt deutlich gesunken. Den größten Verzicht mussten die Bewohner Österreichs verschmerzen. In den ersten 10 Jahren des Euros verloren die Österreicher permanent an verfügbare Mittel.

Die Bundesbürger reihen sich in der „Euro Verlierer Liste“ an vierter Stelle ein. Nach Österreich folgen zuerst die Bewohner in Irland und Italien. Eine Ausnahme zeigt sich in Finnland. Die finnischen Bürger konnten als einziger Nord-EU-Staat einen Zugewinn verbuchen.

Unterschiede innerhalb Deutschlands
Mit Bundesbürgern wird in erster Linie der „Otto-Normal-Verbraucher“ beschrieben. In Deutschland, wie auch in den anderen Nordländern, erlitten die Gruppen der mittleren Einkommensschichten einen Verlust des Lebensstandards. Hochverdiener konnten jedoch ihr Einkommen im gleichen Zeitraum stark verbessern.

Die Sieger und Verlierer der Gemeinschaftswährung stehen fest

Die Wirtschaft ist Euro-Profiteur und die Bundesbürger sind die Verlierer. So richtig neu ist diese Erkenntnis nicht, man konnte es ahnen, spüren und auch anhand der privaten Haushaltsbücher leicht überprüfen.

Die Schweizer Bank UBS hat dank der Studie nackte Zahlen präsentiert und bedauert sogar die Fakten. Nein, nicht weil es doch als sehr ungerecht erscheint, sondern weil die Großbank darum fürchtet, dass diese Tatsachen „unglücklicherweise“ die nationalistischen Gedanken innerhalb der Eurozone beflügeln könnten.

Immerhin erkennt die UBS sehr richtig, dass die von Einkommensverlusten betroffenen Bürger kaum akzeptieren könnten, für den steigenden Lebensstandard anderer Länder aufkommen zu müssen.

Fazit: Industrie & Staat sind Eurogewinner – Bundesbürger sind Euroverlierer!
Es liegt klar auf der Hand. Wer behauptet „Deutschland profitiere vom Euro“, kann nur die Wirtschaft & Industrie damit meinen, gehört evtl. zur Gruppe der Spitzenverdienern, oder will von anderen Wahrheiten ablenken.

Bild: tarifometer24.com

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