Euro als Motor für notwendige Reformen in Krisenländern?

Euro-Krise-


Der Euro hätte sich als ein „Reformmotor“ für Europa hervorgetan, der die notwendigen Reformen der derzeit kriselnden Mitgliedsländer Unterstützung böte. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding sieht positive Zeichen für ein baldiges Ende der Eurokrise.

„Die ersten großen Erfolge sind bereits erreicht worden“

Euro-Kurs
Ist für Euro Land in Sicht?
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Bereits vor wenigen Tagen hatte der Chef-Ökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding, dem Magazin Die Zeit erklärt, dass er besonders für die Südländer Italien und Spanien große Chance sähe, die Euro-Krise bereits ab 2013 zu überwinden. In einem Interview mit WirtschaftsWoche (Samstagsausgabe) geht Schmieding in seinen Ausführungen sogar noch einen Schritt weiter und hält die Euro-Krise sogar für bald beendet.

So sieht der Chefvolkswirt im Gespräch mit WirtschaftsWoche im Euro eine stabilere Währung als die D-Mark es je gewesen wäre. Darüber hinaus wirke die Gemeinschaftswährung wie eine „Reformpeitsche“. Da den Euro-Mitgliedsländern der einfache Ausweg der Abwertung versperrt wäre, müssten sie „sich schmerzhafte Reformen unterziehen“.

Es gäbe keine weitere Region in dieser Welt, wo die Wirtschaft so derart hart reformiert werden würde wie im Süden der Euro-Zone, so Schmieding und erklärte zuversichtlich, „ich sage dem Euro eine gute Zukunft voraus“.

Den Mitgliedern der Währungseinheit werde durch den Euro die Möglichkeit der Besserungen gegeben. Es ist „allzu menschlich, schlechte Gewohnheiten erst in einer Krise zu ändern“, so der Chefvolkswirt, aber wer das nicht wolle, könne draußen bleiben. „Bisher haben bei allen wichtigen Wahlen in den Euro-Ländern diejenigen gewonnen, die den Euro wollen. Selbst die Griechen“, so Schmieding.

Bereits große Fortschritte erreicht
In den Ländern Portugal, Irland und Spanien seien bereits große Erfolge erzielt worden, auch wenn sie sich noch nicht in Form von Wachstum zeigen würden. Das läge an der noch anhaltenden Rezession aufgrund der auferlegten Sparmaßnahmen, erklärte der Ökonom der Berenberg Bank.

Für Irland sieht Schmieding die Zeit bald kommen, ab der sich das Land wieder selbst finanzieren könne. Etwa Mitte 2013 dürfte es auch für Italien und Portugal so weit sein, sich wieder auf den eigenen Beinen stellen zu können. Die Länder würden bis Ende nächsten Jahres „die ersten Früchte ihrer Reformen“ ernten, so der Chefvolkswirt.

Griechenland würde für seine Haushaltsprobleme die „falschen Dosierungen der Medikamente erhalten“. Schmieding sieht ein Zuviel an Sparen und ein Zuwenig für notwendige Strukturreformen. Der Abbau von Bürokratie und weniger Austerität könnte auch die griechische Wirtschaft wieder zum Laufen bringen, erklärte der Chef-Ökonom.

Die eingesetzten Mittel für „Reformen und Strukturen“

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, allerdings gilt dieser Spruch im normalen Alltagsleben, worin noch ein gesunder Menschenverstand gilt. Für die Euro-Zone gilt vielmehr „wer nicht hören wollte, fügt auch Anderen Schmerzen zu“.

Dennoch kann die Schuld nicht allein auf die Krisenländer abgelegt werden, die derzeit tatsächlich nur zaghaft an der Brotkruste knabbern, damit für den nächsten Tag auch noch ein Stück bleibt.

Wer sich dazu bereit erklärt, diesem Euro-Verbund beizutreten, obwohl die Wirtschaftsdaten, die Schwerpunkte wie Industrie, Export, Überschüsse, Defizite, etc., der einzelnen Länder bekannt sind, für den gilt „wer nicht hören will, muss fühlen“. Dazu zählt auch Deutschland.

Das Euro-Konstrukt basiert derzeit auf eine ganze Reihe von Gesetzes- und Versfassungsbrüchen. Darüber täuscht auch nicht das Einvernehmliche innerhalb der Euro-Länder hinweg. Ein mehrfacher Bruch des Maastrichter Vertrags wird nicht einfach dadurch legitim, weil die Grenzen im Kollektiv überschritten wurden.

Darüber hinaus werden weitere sehr umstrittene Maßnahmen an die Tagesordnung gesetzt, die zu denken geben sollten. Die angekündigten „unbegrenzten“ Anleiheaufkäufe von Krisenstaaten lassen sich nur sehr schwer mit dem Gedanken der Geldwertstabilität vereinbaren. Die Bundesbank diente für die „Konstruktion“ der Europäischen Notenbank als Vorbild. Das (einzige) Mandat zur Stabilisierung des Euros erscheint der „hoheitlichen“ EU-Institution offenbar doch als etwas zu spartanisch.

Die Politik zeigt deutlich, mit welcher „Geradlinigkeit“ die Ziele verfolgt werden. Es gleicht einer Achterbahnfahrt. Die Argumente wechseln dorthin, woher der Wind gerade kommt. Die Bundesregierung hält zur aktuellen Zeit ein drittes Hilfspaket für Griechenland für „fragwürdig“. Das ursprünglich klare „Nein“ wechselte bereits, erwartungsgemäß, zu einem „Vielleicht“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) argumentierte die ablehnende Haltung zum geforderten Hilfskredit für Griechenland mit einem Verfassungsbruch, falls man einem Land, das einen Schuldenschnitt erhielt, weitere Kredite gäbe.

Anfang 2010 erhielt Griechenland die erste Hilfs-Tranche überwiesen. Rund eineinhalb Jahre später wurden rückwirkend eine längere Laufzeit sowie Senkungen der Zinssätze gewährt. Man kann die Dinge drehen und wenden wie man will, unterm Strich kommt ein Schuldenerlass in Milliardenhöhe dabei heraus. Aber warum war es „legitim“ Griechenland schon kurze Zeit später den zweiten Hilfskredit zu überweisen?

Letztendlich blieb es auch vollständig ohne Konsequenzen, als es Publik wurde, dass die Hellenen mit etwas „unsauberen“ Mitteln (Devisen-Deal mit Goldman Sachs) ihre Haushaltszahlen etwas „korrigiert“ hatten, um die Aufnahmekriterien für die Euro-Zone zu erreichen.

Diese kleine Aufzählung nur weniger Beispiele zeigt sehr klar, den „Charakter“ des Euro-Managements. Von „Recht & Ordnung“ ist nicht viel zu sehen.

War der Euro notwendig um Reformen zu ermöglichen?
Holger Schmieding sieht den Euro als ein „Reformmotor“ Europas an, als wäre dies notwendig gewesen, die seit Jahrzehnten bestehenden fehlerhaften und anfälligen Strukturen in den einzelnen Ländern zu korrigieren. Genauso denkbar wäre es aber, dass sich die eigenen Haushaltsprobleme auch in den nationalen Währungen einst zugespitzt und entsprechende Reaktionen ausgelöst hätten. Ohne eine Gemeinschaftswährung hätten jedoch die Regierungen und die nationalen Privatbanken, so auch eine Berenberg Bank, keinen direkten Zugang zu frischem Geld, sprich den Steuergeldern anderer EU-Länder gehabt.

Die Zeichen stehen auf jeden Fall auf ein Ende. Doch die Chancen stehen größer, dass es den Euro treffen wird, statt die Krise. Wehe dem, der nur „einfacher Steuerzahler“, sie wurden nicht gefragt, dürfen doch am meisten „fühlen“.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.