EU zeigt Entsetzen über Libor Bankster

Libor-Skandal-

Die Folgen der Zinsmanipulationen um den Libor-Skandal ziehen weitere Kreise. Nun reagiert Brüssel mit der Ankündigung von massiven Geld- und Haftstrafen für die Verantwortlichen im Bankensektor.

Betrug im Interbankengeschäft soll unterbunden werden

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Absprachen und Manipulationen eines im Wettbewerb stehenden Marktes werden ohnehin nicht (offiziell) gerne gesehen. Der Libor-Skandal um die von zahlreichen manipulierten Zinsen ist für Brüssel Anlass genug, um Maßnahmen zur Unterbindung zu ergreifen.

Der Tonfall aus Brüssel wurde erheblich verschärft
Neue Bezeichnungen und Beschreibungen, die bisher in den Kommentaren der Mainstream-Medien und weniger bekannten Foren verwendet wurden, haben inzwischen den Wortschatz der Brüsseler Kommission bereichert. „Bankster“ statt „Banker“ und „Kasino-Mentalität“ sind gewählte Worte der EU-Kommissarin Viviane Reding, die sehr ungeniert den kriminellen Vorgängen der Libor-Manipulatoren den Kampf ansagte.

Mit Geld- und Haftstrafen soll das bisher ungenierte und freche Treiben der „Bankster“ beendet werden. Viviane Reding forderte die EU-Mitgliedsländer dazu auf, mögliche Schlupflöcher von Anfang an zu vermeiden. Das System der Zinssatz-Berechnung sei ohnehin anfällig für Betrugsversuche.

Uneinheitliche Regelungen gegen eine „geeinigte Banken-Bande“

Das Interbankengeschäft wird über die Grenzen hinaus abgewickelt und verwischt nationales Recht. Eine einheitliche Regelung zur juristischen Ahndung innerhalb Europas, ist für derlei Fälle wie der Libor-Skandal gar nicht vorgesehen. In manchen EU-Ländern sind den vereinzelten Kontrollorganen darüber hinaus die Hände gebunden. Sie verfügen nicht über die notwendigen Befugnisse.

In den Gesetzbüchern anderer EU-Mitgliedsstaaten taucht eine Option „Juristische Verfolgung bei Zins-Betrug im Interbankengeschäft“ gar nicht erst auf.

Die Banken erhielten quasi freie Hand. Wohlwissend um die sehr schwach ausgebildete Einigung der Europäischen Union zur Strafverfolgung, konnte der Interbankenzinssatz nach Belieben zum eigenen Vorteil verzerrt werden.

Barclays Bank als „Buh-Bank“

Die britische Barclays Bank erschien als erste Bank im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal auf den Titelseiten der Medien. Der Rückritt des ehem. Barclays-Chef, Bob Diamond, wurde als logische Konsequenz behandelt und die bereits ausgesprochene Strafe gegen die Bank gleich mit angehängt.

Barclays wurde der Öffentlichkeit gegenüber schlicht als erster „Übeltäter“ erwischt, im Sommer 2012. Seltsam nur, dass die Deutsche Bank sich offenbar bereits 2011 um eine Kronzeugenregelung bemühte, um den drohenden Milliarden-Strafen zu entgehen. Im zeitlichen Ablauf ist hier eine große Diskrepanz festzustellen.

Je länger im Topf gerührt wird, desto mehr Einzelheiten geraten an die Oberfläche. Die britische Bankengruppe Lloyds zählt zu den derzeit letztgenannten Banken, die sich rege am Zinsbetrug beteiligt haben sollen. Zumindest sind Ermittler gegen die Großbank bereits tätig.

„Korrupte Gangster“ haben das Vertrauen erschüttert

Die Europäische Union beklagt die Tatsache, dass „die private Selbstregelung der Finanzmärkte versagte“. Das sollte zum Denken anstoßen. Banken zeigten wiederholt, dass ein Vertrauen gegenüber ihr Handeln völlig fehl am Platz ist. Über die Interbankenzinssätze werden beinahe die gesamten globalen Geschäfte abgewickelt, ein gigantisches Kapitalvolumen.

Fazit: Kontrollorgane und verantwortliche Personen auf nationaler und europäischer Ebene haben fahrlässig gehandelt und / oder die möglichen Gefahren völlig ignoriert. Neben dem Libor und ihren angeschlossenen 18 Bankhäusern, existiert noch der Euribor, an dem sogar 43 Institute angeschlossen sind. Wen die EU aus ihrem „Entsetzen“ eine Lehre gezogen hat, wäre der Blick auf die Vorgänge zum Euribor eine Selbstverständlichkeit.

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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