EU-Krisengipfel endet euphorisch & beklemmend zugleich

Eurokrise-

Die Nachrichten aus dem jüngsten EU-Gipfel sorgen wechselhafte Stimmungen in ganz Europa. Je nach Lager-Zugehörigkeit sorgt das (vorläufige) Beschlussergebnis für Euphorie, Beruhigung und Besorgnis zugleich.

Kurze Hype einer Euro-Euphorie
Krisenstimmung
Gemischte Gefühle

Eine Euphorie scheinen die Debattenergebnisse in den Börsen verursacht zu haben. Steigende Kurse lassen die Anleger und Aktionäre jubeln. Offensichtlich werden die Nachrichten aus Brüssel als ein sehr positives Signal gewertet.

Anleger und Sparer sind schon alleine darüber beruhigt, dass den Banken wiederholt das nahes Ende durch weitere finanzielle Hilfen abgewendet wurde.

Besorgniserregend jedoch für alle objektiv denkenden Ökonomen sind die geschaffenen Voraussetzungen zu den neu beschlossenen Milliardenhilfen.

Das Ergebnis unter dem Deckmantel „Wachstumspaket“

Italien und Frankreich gehen als klare Etappensieger aus den Streitgesprächen des letzten EU-Gipfeltreffens hervor. Die Banken ihrer Länder erhalten weitere Milliardenpakete aus den bereits geschaffenen Hilfsfonds EFSF und noch offiziell noch gar nicht ratifizierten ESM. Das sog. „Wachstumspaket“ umfasst die Summe von 120 Milliarden Euro.

Mario Monti, Italiens Regierungsschef, relativierte die Milliarden-Verschiebung mit „die Eurozone ist gestärkt“, vergisst aber offenbar, dass über den Löwenanteil des ESM erst ab heute durch Bundesrat und Bundesrat diskutiert werden soll.

Wieder sind die Banken die Nutznießer
Mit Italien und Spanien erhalten wieder zwei wackelnde EU-Länder Finanzhilfen, deren Finanzmisere in erster Linie den Banken zu verdanken ist. Die „Wachstumshilfe“ soll die Liquidität der Länder stärken, um Konjunkturprogramme zum Laufen zu bekommen. Ansonsten wären erneute Kredite auf den Märkten kaum aufzunehmen.

Freie Hand ohne Sicherheiten
Die Bedingungen an Griechenland für den Erhalt von Hilfspaketen können gerne als Knebel und Fussfessel bezeichnet werden. Spanien und Italien jedoch erhalten das 120 Mrd.-Paket ohne jegliche Auflagen. Weder sind Sicherheiten eingefordert (welche auch?), noch irgendwelche Bedingungen für Sparmaßnahmen. „Nimm‘ das Geld und mach‘ das Beste draus!“.

Euphorie nur kurz und knackig
Die Börsianer haben allen Grund sich zu freuen. Steigende DAX-Werte bedeuten Gewinne, bereits genug um sich daran zu erfreuen. Die vorliegenden Gründe könnten für die Aktienhändler auch als irrelevant bezeichnet werden. Die Freude wird jedoch nur von kurzer Dauer sein. Die Euro-Krise ist noch längst nicht in eine beruhigte Zone gekommen.

Der Katzenjammer setzt spätestens dann wieder ein, wenn die vorübergehenden DAX-Spitzen ihren Zenit überwunden haben und die Schulden der Banken die Realtität wieder einholten. Denn über die tatsächliche Höhe der faulen Bilanzen der Banken weiß niemand genau bescheid. Die Kreditinstitute halten ihre Bücher trotz aller Milliardenhilfen nach wie vor unter Verschluss.

Besorgniserregend ist jedoch die bereits feste Einplanung des ESM, noch bevor dieser in Deutschland „durchgewunken“ wurde.

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

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