Epizentrum Italien: Droht Euro-Untergang durch Finanzmarkt-Tsunami?

Italiens Wähler-Wille-


Italiens Bevölkerung hat gewählt und den EU-Politikern mit aller Härte vor die Stirn geschlagen. Das für Brüssel desaströse Wahlergebnis könnte eine Welle ausgelöst haben, die sich noch als ein waschechter Tsunami in der Finanzwelt zu entpuppen droht.

Wenn der Euro statt baden schlicht unter geht

Euro Untergang
Italiens Wahlausgang könnte Euro herrenlos machen

Während eine vom Sturm aufgepeitschte Riesenwelle noch mit Vorkehrungen gebrochen oder wenigstens gebändigt werden könnte, stehen dem Menschen gegen einen Tsunami keinerlei Mittel zur Verfügung. Tsunamiwellen haben die Eigenschaft von sehr langen Wellenlängen mit weit über 100km Länge. Anfänglich völlig unscheinbar, dennoch rasend schnell und erst kurz vor der Küste entfaltet die Urgewalt ihre wahre Bedrohlichkeit.

Ein solches „Naturschauspiel“ könnte nun im „Epizentrum Italien“ ausgelöst worden sein. Noch vor der Finanzkrise hätte man ein solches Wahlergebnis als einen durchaus regelmäßigen Zustand in der italienischen Politik zur Kenntnis genommen. Immerhin wechselte nach WW II in Rom die Regierung bisher über 60 Mal. Die Prioritäten wurden neu gemischt. Hatten bisher die Personen und ihre politische Ausrichtung den höchsten Stellenwert, so wurde dieses Kriterium zur Besetzung einer Regierung durch das Interesse der Märkte ersetzt.

Die wichtigste Frage in der Neuwahl einer nationalen Regierung lautet in der Euro-Zone nicht mehr „links oder rechts?“, sondern schlicht, „wie werden Investoren reagieren?“. Es zeichnet sich ab, dass die Wähler Italiens eine Schockwelle in den Finanzmärkten auslösten, die wie ein Tsunami kurz vor der Entladung seiner Urgewalt an Höhe gewinnt.

Eine Patt-Situation zwischen den Mitstreitern Monti, Berlusconi, Grillo und Bersani lässt derzeit eine handlungsfähige und auch wirkungsvolle Regierung als unmöglich erscheinen. Darüber hinaus sind Silvio Berlusconi und Beppe Grillo bekennende Europa-Gegner. Beide zusammen hätten genug Wählerstimmen in der Hand, um das bisherige Konzept der „EU-Vordenker“ über Bord zu werfen und eine europafeindliche Politik durchzusetzen. Aus der Sicht Brüssels wäre eine „harmonische Großkoalition“ als Übergang bis zu neu angesetzten Wahlen das geringste Übel.

Die Märkte warten offensichtlich nicht länger ab
Niemand weiß im Augenblick wie letztendlich das Resultat der italienischen Parlamentswahl aussehen wird. Beide Möglichkeiten, ein länger andauerndes Umhertreiben auf hoher See, oder die Abkehr von der EU, würden den Finanzmärkten den Sockel und den Füssen weg ziehen. Die Märkte quittierten den Wahlausgang bereits mit steigenden Zinsen zu 2-jährigen Italien-Bonds, fallende Aktienkurse und einem abgeschwächten Euro.

Italien droht in den Schuldenbereich zu schlittern, in dem es die eigenen Verbindlichkeiten nicht mehr selbst tragen kann. Ein Unsicherheitsfaktor, der die bereits als „beendet erklärte“ Euro-Krise schneller zurück holen, als ein neuen Kapitel überhaupt aufgeschlagen werden könnte. Mario Montis Weg, der ohnehin aus den Diktaten Brüssels gepflastert war, würde ein abruptes Ende finden.

Der erste Warnschuss wurde bereits von Moody’s abgefeuert
Wenn ein europäisches Land sichtlich verletzt am Boden liegt und womöglich noch „Aufsehen erregt“, lässt sich eine US-Ratingagentur meist nicht lange bitten. Ohnehin führt Moody’s Italien seit Mitte letzten Jahres auf „negativ“ gestellte Aussichten in der Stufe „Baa2“. Sollten die weiteren Entwicklungen in Italien auf schädliche Auswirkungen auf die bisherigen Reform- und Restrukturierungsmaßnahmen hinweisen, so werde man eine weitere Abstufung der Kreditwürdigkeit in Erwägung ziehen, erklärte die US-Agentur.

Italiens Wähler könnten das Ende des Euros endgültig eingeläutet haben
US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman hält den Ausgang der italienischen Parlamentswahlen geradezu für ein Desaster für die Union sowie auch für die Euro-Währung. In seinem eigenen Blog räumt Krugman zwar noch etwas Hoffnung für die Währungsgemeinschaft ein, aber es wäre nur noch ein kleiner Schritt bis zum Sturz in den Abgrund.

Für den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi könnte der Zeitpunkt in die Nähe rücken, an dem er den „großen Knopf“ für eine Geldflut aus der Notenpresse auslösen muss. Seine Markt-beruhigende Ankündigung von notfalls grenzenlosen Ankäufen der Staatsanleihen krisengeschüttelter Länder, könnte durch die anrollende Welle Italiens eine erste reale Handlung herausfordern. Krugman fordert ohnehin das „längst überfällige“ Anwerfen der EZB-Gelddruckmaschine und hielte es für besser, wenn auch Frankreich etwas vom strengen Sparkurs abkäme.

Der Wolf schimpft über das Sicherheitsbedürfnis der Schafe

Die von Europas Politikern aufgebaute Fassade einer gebändigten Schuldenkrise droht nun endgültig samt aller bisherigen wirkungslosen Maßnahmen zusammen zu brechen. Italiens Wähler brachten lediglich das zum Ausdruck, was auch in anderen Mitgliedsländern der Euro-Zone längst abhanden gekommen ist. Der Glaube und das Vertrauen der Bevölkerung in Politik sowie in Politikern der Ländergemeinschaft.

Irgendwann sind auch die „abenteuerlichsten Geschichten und Beschwichtigungen“ frei von Glaubhaftigkeit, wenn die angekündigten Ergebnisse nicht nur ausbleiben, sondern gar das Gegenteil präsentieren. Ein leichtes Spiel für nationale Politiker eines Kalibers Berlusconi und sogar eines „quereingestiegenen“ TV-Komikers.

Es fehlt lediglich die erste laut gewordene Stimme aus Brüssel, die Vorkehrungen fordert, derlei nationale und „interessensfeindliche“ Wahlergebnisse „zentral“ zu verhindern. Der Tadel an die italienische Bevölkerung ist längst deutlich vernehmbar.

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