Einstimmung auf Zuspitzung der Euro-Krise?

Euro-Krise-


Wolfgang Schäuble sieht den Zenit der Euro-Finanzkrise als noch längst nicht erreicht an und geht von weiteren Höhepunkten im Schuldendrama aus. S&P Chef Deutschland spricht von einer kommenden „Achterbahnfahrt“ der Währungsunion.

„Wir werden den Euro mit aller Macht retten“

Euro Rettungsschirme
Vorbereitung auf den Sturm?
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Zuversicht hört sich anders an. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht den Scheitelpunkt der Euro-Finanzkrise „mitnichten“ als bereits überschritten an. Es käme sogar noch viel schlimmer. Die Euro-Krise ist längst noch nicht überwunden, berichtet Spiegel Online (Dienstag). Schäuble sieht weder das Problem Griechenlands als gelöst an, noch wäre eine Rettung für Spanien in Sicht. Es fehlte sogar noch ein neuer Hilfsantrag aus Madrid an den Euro-Rettungsschirm, während zur selben Zeit die Wirtschaft Spaniens immer tiefer in die Rezession gleite.

Der Finanzminister erwartete mit Sicherheit weitere notwendige Milliardenzahlungen für den Euro-Partner Griechenland. Dazu bräuchte das Land mehr Zeit, um seine Sparziele überhaupt erreichen zu können. Schäuble wolle aber dennoch auf den Bericht der Troika abwarten und diesen prüfen, bevor es zu weiteren Entscheidungen kommen werde.

„Wir alle sind Sünder“ und deshalb solle man anderen gegenüber etwas großzügiger sein, um dadurch mit Griechenland über eine vernünftige Politik zu einer Verständigung zu kommen, forderte der Finanzminister. Dennoch schränkte Schäuble die Zustimmungen der Bundesregierung nur auf Lösungsansätze ein, „die an den Finanzmärkten auch als belastbar eingeschätzt werden.“

„Den Euro mit aller Macht verteidigen“
Die Währungsunion werde die derzeitige Krise überstehen, gab sich Schäuble überzeugt und bekräftigte, dass die Bundesregierung den Euro Mit aller Macht verteidigen werde. Andere Lösungen würden nur unabsehbare Risiken bergen, so der Finanzminister und erklärte, „wir sind entschlossen, das Notwendige zu tun, um den Euro als vertrauenswürdige Währung zu erhalten“.

Torsten Hinrichs, Leiter der Ratingagentur Standard & Poor’s Deutschland, ging lt. Spiegel Online davon aus, dass die Europäische Währungsunion bestehen bleibt „so wie sie ist“ und bezeichnete den Weg als den einzig gangbaren für Europa. Die Risiken einer Auflösung der Euro-Zone wären zu hoch. Dennoch erwartet Hinrichs für die Währungsgemeinschaft in der Zukunft eine „Achterbahnfahrt“.

Details stückweise aus dem gewollten Informationsnebel

Die von Schäuble beschriebenen bisherigen „positiven Entwicklungen“ innerhalb der Euro-Zone scheinen sich verflüchtigt zu haben. Eine Verbesserung zeigt naturgemäß in Richtung Problembeseitigung und nicht auf „das Schlimmste“.

Offenbar soll die Öffentlichkeit langsam darauf eingestimmt werden, was bereits seit langer Zeit abzusehen war, aber nicht mehr lange unter der Decke von Desinformationen gehalten werden kann. Bereits das kleine „1 mal 1“ reicht völlig aus, um auch als Laie abschätzen zu können, dass Schulden nicht durch die Aufnahme weiterer Schulden aus der Welt geschaffen werden können. Dabei spielt es kein Rolle, ob man sich real die Zahlen in Milliarden und Billionen überhaupt vorstellen kann.

Spaniens Arbeitslosigkeit befindet ist bei einem Rekordstand auf „Welt-Niveau“. Die Zinsen der spanischen Staatsanleihen sind wieder auf einem steigenden Kurs und der Hilfsantrag wurde an den ESM-Rettungsschirm noch nicht eingereicht. Die Tinte der in die ESM-Urkunde gesetzten Unterschriften ist gerade erst eingetrocknet, aber bereits jetzt steht schon fest, dass es nicht reichen wird.

Ein ewiges Hinterherlaufen
Sämtliche Schritte im Rettungs-Szenario sind nur Reaktionen statt Aktionen, die auf der einen Seite stets zu spät kommen und sich am Ende bisher als wirkungslos erwiesen. Dagegen sind Spaniens Probleme seit Jahren absehbar gewesen. Ebenso wie Italiens langjährige Anleihen sind deren Fälligkeiten terminlich fixiert.

Die Investoren werden gemeinsam an der „Haushaltstüre“ der Länder klopfen, um die Papiere samt Zinsen gegen Geld einzutauschen wollen. Die Größenordnung von dreistelligen Milliardenbeträgen wäre leicht einkalkulierbar gewesen. 500 Milliarden Euro verfügbare Mittel aus dem ESM werden sich als ein Tropfen auf dem heißen Stein erweisen.

Gleichzeitig stocken die Notenbanken, gleich einer „Untergrundbewegung“, ihre Goldvorräte auf und der Privatanleger verbleibt in Verunsicherung durch abgesonderte Warnungen vor „drohenden Gold-Blasen“.

Schäubles markante Feststellung, „wir alle sind Sünder“, trifft mit Sicherheit zu, sollte jedoch auf deren Umfang und Kreisen hinterfragt und fixiert werden.

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