EFSF und Bundesländer im Visier der Ratingagenturen

Schuldenkrise-

Moody’s will offensichtlich ins Detail gehen. Nachdem die US-Ratingagentur am Dienstag die Bonitäts-Aussichten von Deutschland, Luxemburg und Niederlanden auf Negativ gestellt hatte, kommen nun die einzelnen Bundesländer und auch der vorläufige Rettungsschirm EFSF ins Visier der US-amerikanischen „Dientsleister für Investoren“.

Top-Bewertungen Länder und EFSF auf der Abschussliste

Konjunktur
Die Zeit tickt gegen den Euro

Noch bleibt die Kreditwürdigkeit auf dem bisherigen Stand. Für Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden sieht Moody’s jedoch erhebliche Zweifel, ob die bisherige Stabilität in mittelfristiger Zukunft aufrecht erhalten werden kann. Das Resultat: Ein jeweiliges „Aaa“ mit negativem Ausblick.

Gleich im Anschluss setzte Moody’s noch am Dienstag Abend die Kreditwürdigkeit der einzelnen Bundesländer innerhalb Deutschlands und des gemeinschaflichen Rettungsfonds EFSF auf den Prüfstand. Prompt erhielten Berlin, Bayern, Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen ein negatives Vorzeichen vorgesetzt. Die nächste Entscheidung wurde auf Mittwoch früh festgesetzt und bescherte dem EFSF ebenfalls einen Negativausblick.

Alle Prüfkandidaten besitzen nach wie vor ihre bisherigen Bonitätsstufen, sogar die „Aaa“ für Baden-Württemberg und Bayern. Der gemeinschaftliche „Rettungstopf“ EFSF kann sich ebenfalls noch mit der Top-Note aus dem Ratinghaus schmücken.

EFSF weist bereits erste Dellen auf
Standard & Poor’s kam einer Neubewertung bereits im Januar 2012 zuvor. Nach deren Maßstäben könne der EFSF nur noch mit einer Kreditwürdigkeit von „AA+“ aufwarten. Sollte tatsächlich eine weitere Ratingagentur die EFSF-Bonität herabsetzen, würden die als Rettungsschirm bestimmten Finanzierungen teurer werden. Die Zinsen für Kreditbeschaffungen stiegen an.

Moody’s begründet ihre Ansichten aufgrund der engen Verknüpfungen zwischen Bund und Bundesländer sowie den stets schlechter werdenden Umständen innerhalb der Euro-Zone. Die Verflechtungen sind schlicht zu eng, um eine Unabhängigkeit wahren und somit eine gegenseitige Beeinflussung vermeiden zu können.

Rating: Sand in ein defektes Getriebe kippen

Die Meinungen, Ratingagenturen hätten ihre Macht verloren, dürften schnell wieder im Äther deren Einflußnahme verschwinden. Geringe Auswirkungen der gestrigen Negativ-Setzung Deutschlands waren lediglich auf dem Börsenparkett zu spüren, jedoch nicht bei den sofort angestiegenen Zinsen der Staatsanleihen.

Moody’s geht ins Detail und bewertet nicht nur die Haushaltskasse des Bundes, sondern auch die Bücher u.a. in München, Stuttgart und Düsseldorf. Eine tatsächliche Abstufung der Kreditwürdigkeit Bayerns würde Seehofers Bestreben, den Länderfinanzausgleich einzuebnen, einen unfreiwilligen Bärendienst erweisen.

Dass Moody’s nun auch den EFSF „in Angriff“ nimmt, darf getrost als ein Alarmsignal gelten. Ein Rettungs-Mechanismus der einer (fehlerhaften) Lebenserhaltungsmaschine für einen Komapatienten gleich kommt.

Der vorläufige Rettungsfonds konnte nur aus dem Grund mit einer Top-Note „Aaa“ an den Start gehen, weil die Kredite mit 120% besichert wurden. Zum Zeitpunkt der EFSF-Gründung, hatten lediglich sechs teilnehmende EU-Länder ein Toprating vorzuweisen. Ein „Erweiterung“ musste also her, damit überhaupt ein „glanzvoller Start“ mit einem Kreditvolumen in Höhe von rund 250 Mrd. Euro gelingen konnte.

Gegen Ende März 2011 wurde festgestellt, dass die bisherige Besicherung in Höhe von 440 Mrd. Euro nicht ausreichte, um die Ratingagenturen bei Laune zu halten. Aus diesem Grund einigten sich die teilnehmenden EU-Länder auf eine Ausweitung des EFSF. Die Kreditgarantien wurden bis auf die Slowakei von allen Ländern angehoben. Erst im zweiten Anlauf beschloss die Mehrheit in der slowakischen Regierung und Opposition eine Zustimmung zur Garantieausweitung.

Anschliessend wurden die ersten Vorschläge der „Hebel-Setzungen“ vorgetragen. Die garantierte Summe aus dem EFSF sollte auf bis zu 1 Billionen Euro „gehebelt“ werden. Letztendlich wurde die Garantiesumme jedoch nicht erreicht und auf rund 780 Mrd. Euro festgelegt. Die Geldgeber, bzw. Garantie-Leister sind schlicht ausgeblieben. Deutschlands Garantieleistung beträgt anteilig 211 Mrd. Euro.

Griechenland war der Auslöser für die EFSF-Idee
Nachdem Griechenland im Frühjahr 2012 das erste Mal den großen Hilferuf innerhalb der Europäischen Union absonderte, reagierte die Gemeinschaft mit der Ausarbeitung des EFSF.

Das Schuldenproblem Griechenlands sieht gegenüber den Brocken aus Italien, Irland, Portugal, Zypern und Spanien wie ein kleiner „Restposten“ aus, vermag aber immerhin das gesamte Konstrukt EU aus der Fassung zu bringen. Der EFSF, sofern dieser nicht schon vorweg gesprengt worden ist, würde völlig zurecht einige Stufen der Bonität verlieren können.

Der Sitz des EFSF (European Financial Stability Facility) befindet sich übrigends in Luxemburg und wurde als eine „Zweckgemeinschaft“ gegründet, die auf europäischer Ebene die „Geschäfte“ im Investmentsektor unter der Federführung des dt. Finanzministeriums abwickelt.

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