Draghi’s Versprechen: Hilflosigkeit der EZB offenkundig?

Eurokrise-

Die Ankündigung des EZB-Chefs Mario Draghi, mit umfangreichen Maßnahmen gegen die Eurokrise vorgehen zu wollen, hebt die Stimmung der Börsen bis nach Fernost. Gestern noch jubelten die europäischen Anleger über die „guten Nachrichten“ aus Brüssel und bereits heute werden deutlich positive Kurssprünge an der Börse in Tokio gemeldet.

Handeln und Reaktionen nach altem Schema

Europäische Union
Offensichtliche Hilflosigkeit
Bild: Peter Kirchhoff / pixelio.de

Der Investmenthandel reagierte auf den bereits oft zitierten Satz: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten“, ausgesprochen von Mario Draghi auf einer Konferenz für Investoren in London. Der EZB-Chef bekräftigte sein „Versprechen“ dadurch, dass die durch hohe Risikoaufschläge gestörte Geldpolitik in das Mandat der EZB falle und die Maßnahmen der Eingriffe „auf jeden Fall ausreichen“ würden.

Details wurden nicht genannt, aber die Spekulationen über weitere Ankäufe spanischer und italienischer Anleihen werden hoch gehandelt. Die Zinslast der Staatspapiere hat inzwischen bedrohliche Ausmaße erreicht und ein diesbezüglich gezieltes Handeln der EZB wird beinahe schon erwartet.

Reaktionen statt Aktionen: Offenkundige Hilfslosigkeit

Ein mündliches Leistungsversprechen für die „wirkungsvolle Bekämpfung“ der Euro Schuldenkrise bewegt die halbe Handelswelt zu Jubelsprüngen. Anleger nutzen die Gunst der Stunde und nehmen kurzfristige Gewinne mit. „Experten und Ökonomen“ melden sich zu Wort und bezeichnen Draghi’s Verlautbarung als ein hoffnungsvolles Zeichen und bewerten die Ankündigung als eine Beendigung des dauerhaften Zögerns.

Einfach nur mehr Zeit gewinnen
Spanien und Italien würden durch die Abnahme der hochverzinsten Schuldpapiere mehr Zeit gegeben werden, ihre Haushalte auf Vordermann zu bringen. Eine direkte Finanzierung der Länder ist der EZB untersagt, aber ein Ankauf von Staatsanleihen in dreistelliger Milliardenhöhe stellt dagegen keine Probleme dar. Eine „elegante“ Art, die eigenen Regeln auszutricksen, bzw. das freigehaltene Schlupfloch zur richtigen Zeit zu nutzen. Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark und Bundesbankchef Axel Weber quittierten u.a. wegen diesen zweifelhaften Methoden ihre Stellungen.

Lediglich eine weitere Sprechblase aus Brüssel?

Der durch die EZB abgesenkte Leitzins auf 1,25%, dann auf 1,00% und schließlich auf 0,75%, erwies sich bisher als völlig erfolg- und bedeutungslos. Den Banken wurde die Möglichkeit gegeben, ihre aufgenommenen Kredite günstiger refinanzieren zu können, dennoch türmt sich der Schuldenberg immer weiter auf. Offensichtlich haben die kriminellen Machenschaften der Banken zum Libor ebenfalls nicht beigetragen, um mit besseren Bilanzen aufwarten zu können.

Im Gegenteil, die Hilferufe der „systemrelevanten“ Banken wurden immer lauter, obwohl ihre Länder bereits Milliardenbeträge überwiesen und sich selbst in die Schuldenspirale begaben. Letztendlich einigte man sich sogar Ende Juni in Brüssel auf eine direkte Finanzierung der Banken aus dem ESM. Sämtliche bisherigen Maßnahmen endeten ausschließlich in das blanke Verheizen von Kapital, das Geld der Steuerzahler.

Indizien absoluter Hilfslosigkeit
Was bleibt der EZB anderes übrig, als eine kleine Kerze in der absoluten Euro-Finsters anzustecken? Weitere Tatenlosigkeit würde die eigene Machtlosigkeit klar zu Tage tragen. Die Märkte können sich im Kerzenlicht sonnen und etwas beschäftigen, bis diese schließlich abgebrannt ist.

Der kurzfristig positive Effekt durch Draghi’s beschwingende Sätze ist unverkennbar, folgt aber nur den bisherigen Mustern der Marktreaktionen nach politischen Verkündungen. Die sog. Aufkäufe von Staatspapieren durch die EZB ist nichts anderes als die Schulden Anderer durch die eigenen Verschuldung zu übernehmen. „Virtuelles Kapital“ in den Büchern der Banken und Institutionen, ausschließlich gedeckt vom realen Guthaben der Privatanleger innerhalb der Europäischen Union.

Der Euro hat ganze Arbeit geleistet
Legt man alle Fakten unzensiert und unbeschönigt auf den Tisch, geht klar hervor, dass der Euro und die Idee der europäischen Einigkeit einen Keil zwischen die Nationen getrieben hat. Die tatsächliche und auch „gefühlte“ Zerstrittenheit untereinander ist in der Nachkriegsgeschichte beispiellos.

Die Realität wurde von verantwortlichen Politikern noch nie beim Namen genannt, müssten dadurch das eigene Versagen und die treibende Motivation offen gelegt werden. Dass sogar ein Land wie Montenegro trotz aller desaströsen Zustände innerhalb der Euro-Zone dazu bestrebt ist, diesem Chaos beizutreten gibt zu denken. Alarmierend ist jedoch dass die EU dazu bereit ist, diesen Neuankömmling mit offenen Armen zu empfangen.

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