Draghi & Monti im Mittelpunkt zu Italiens Monte dei Paschi Skandal

Bankenskandal Italien-


Italien hat einen neuen Bankenskandal der sich gewaschen hat. Die „Dienst-älteste“ Bank Italiens steht wegen grenzenloser Dummheit oder ungezügelter Gier im Mittelpunkt einschlagender Kritiken. Zwischen Milliarden-Deals und üblen Machenschaften prominenter Beteiligter.

Den zahlenden Steuerzahler stets als Retter einkalkuliert

Mario Draghi
Mario Draghi - Chef Europäische Zentralbank

Der Name „Operation Santorini“ lässt den unbehelligten Leser einleitend vermuten, gleich von verdeckten Aktivitäten eines geheim operierenden Einsatzkommandos zu erfahren. Doch am Ende bleiben nur wenige Personen und Institutionen übrig, die offenbar ebenso geheim ihr „persönliches Ding“ durchgezogen hatten. Zu den Hauptdarstellern gehören der EZB-Chef Mario Draghi, Italiens Premier Mario Monti und die Deutsche Bank.

Italiens Banken stehen bereits seit Monaten auf dem gleichen Untergrund wie die weltberühmte Stadt Venedig. „Mitten im Wasser“ und bereits ein kleiner Anstieg des Wasserspiegels würde den sicheren Untergang bedeuten. Auf eine nicht ganz so weite Vergangenheit wie die historische Stadt Venezia kann die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena zurückblicken, aber dennoch gilt sie mit ihren gut 540 Jahren als die älteste Bank weltweit und ist Italiens drittgrößter Kreditgeber.

„Alter schützt nicht vor Pleiten“ und das bekam die „ehrenwürdige Alt-Bank“ u.a. im letzten Sommer kräftig zu spüren. Bereits die neu geschaffenen Auflagen der EU-Bankenaufsicht brachten das Traditions-Geldhaus in arge Bedrängnis. Es fehlte auf einen Schlag Kapital in Höhe von rund 3 Milliarden Euro, das noch bis zum Herbst auf 3,9 Mrd. heran wuchs. Letztendlich durfte der italienische Staat, sprich der Steuerzahler, dafür gerade stehen, um der Bank den „Not-Kredit“ zu gewähren.

Ein kursierender Bankenskandal in Italien
Die Monte dei Paschi die Siena ist wiederholt in akuter Geldnot und benötigt dringend weitere 500 Millionen Euro, um nicht am Fundament herab zu gleiten und unterzugehen. Ein Umstand, der offensichtlich dazu führte, dass einige dunkle Ecken und bisher verschlossene Räume der Bank genauer unter die Lupe genommen wurden. Scheinbar überraschend kamen alte Geschäfte ans Tageslicht, die genug Sprengstoff lieferten, um die Explosion bis nach Brüssel und Frankfurt hören zu können.

Wie heute die Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) sowie der EUobserver berichteten, ließ sich die italienische Traditionsbank auf waghalsige Geschäfte ein, die dazu führten in eine erhebliche Schieflage zu geraten. Für Jahre konnte dieser Umstand unter den Teppich gekehrt werden, aber die straffer gezogenen Stresstests für die Banken in der Euro-Zone ließen das „buchhalterische Kunstwerk“ dann doch kollabieren.

Im Jahr 2007 kaufte Monte dei Paschi di Siena der spanischen Santander das weitaus kleinere Kredithaus Antonveneta für den als „sensationell“ geltenden Preis von 9 Milliarden Euro in bar ab. Ein Bombengeschäft für die spanische Bank, da diese lediglich nur wenige Monate zuvor rund 6,6 Milliarden Euro für die Antonveneta hinlegen musste. Die DWN hinterfragt ganz zu Recht, wie es denn sein könne, dass so kurz vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise eine Bank innerhalb von wenigen Monaten ihren Wert um rund 3 Milliarden Euro erhöhen konnte.

Mario Monti
Mario Monti - Italiens Premierminister

Da wo derart großvolumige Geschäfte über die Banken laufen, ist „natürlich“ die Bankenaufsicht nicht weit, um den Vorgängen den Segen zu geben oder die Absage zu erteilen. In diesem Fall die italienische Zentralbank, deren Chef zu diesem Zeitpunkt kein geringerer als Mario Draghi gewesen ist.

Der Deal ging offensichtlich so richtig schief. Es wurde anschließend die Operation „Santorini“ ins Leben gerufen, um in erster Linie, die enormen Verluste durch den „Wahnsinns-Kauf“ der Antonveneta auf irgendeinen Weg zu kompensieren. So liefen Versuche, die Negativ-Titel durch Geschäfte mit Derivaten auf eine stabile Position zu hebeln. Die Deutsche Bank war durch das Einstreichen von rund 1 Milliarde Euro offensichtlich lebhaft an den Derivaten-Deal beteiligt.

Mario Monti kommt ins Spiel als der italienischen Traditionsbank dann doch die Luft ausging und den Staat um einen Notkredit bitten musste. 3,9 Milliarden Euro flossen 2012 aus der Haushaltskasse Roms in Form von italienischen Staatsanleihen.

Die großen Versteckspiele um die faulen Papiere

Der Clou mit dem Derivatenhandel ging komplett daneben und der Steuerzahler durfte am Ende dafür gerade stehen. Letztendlich hätte der damalige „Oberaufseher“ Mario Draghi als Chef der italienischen Notenbank einen Riegel vorschieben müssen, sich wenigstens aber die Papiere auf den Tisch hätte legen lassen müssen. Man kann nur erahnen wie viele faule Papiere noch innerhalb des europäischen Bankensystems hinter verschlossenen Türen gehalten werden. Wie das in einem Schwamm aufgesogene bracke Wasser werden letztendlich auch die Schrottpapiere tröpfchenweise ans Tageslicht befördert und wehe der Druck auf den prallen Schwamm steigt an.

Italien, Europa und der Rest der Welt wird wohl vergeblich auf irgendwelche ernsthaften Konsequenzen für Mario Draghi und Mario Monti warten dürfen. Beide „Top-Männer“ sind Sprösslinge aus dem Hause Goldman Sachs.


Bild: Mario Draghi – World Economic Forum – Lizenz CC
Bild: Mario Monti – Zinneke – Lizenz: CC

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