DIHK sieht PIGS-Staaten auf gutem Weg aus Schuldenkrise

EU-Konjunktur-


Es geht aufwärts mit den PIGS-Staaten, so die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Die Entwicklungen in Portugal, Griechenland, Italien und Spanien machten positive Fortschritte. Darüber hinaus hätte die Industrie in den Krisenländern zulegen können. Für Frankreich sieht der DIHK jedoch schwarze Wolken aufziehen.

Verstaatlichung, Steuererhöhungen und Kürzungen

Konjunktur
Eine riesige Menge Arbeitsloser, aber der Weg ist richtig (?)

Den Menschen in den Krisenländern Europas werde zwar viel abverlangt, aber dennoch mache Europa „Schritt für Schritt Fortschritte aus der Krise“, so Eric Schweitzer, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK), zum Nachrichtenmagazin Welt (Montag). In einer Studie der DIHK soll sich herausgestellt haben, dass die hoch verschuldeten Staaten bei ihren Sparprogrammen und Reformbemühungen erste Erfolge zeigten.

Die Reformen der betroffenen Länder sehen sich jedoch allesamt sehr ähnlich, so der DIHK. In einer Kooperation mit seinen Handelskammern im Ausland wurde eine Liste erstellt, die sämtliche Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Sanierung der Haushalte beinhaltet. Demnach würden in zahlreichen Ländern die Renten gekürzt und das Renteneintrittsalter angehoben worden sein. Sonderzahlungen und Urlaubstage wurden gestrichen und der Sektor der öffentlichen Hand geschrumpft.

Dazu käme der Verkauf des „Tafelsilbers“. Staatliche Unternehmen wurden verkauft. Dazu zählen u.a. Mineralölkonzerne, Energieversorger und Flughafenbetreiber. Für die Unternehmen und Verbraucher kamen Erhöhungen zu den Grundsteuern, Mehrwertsteuern, Vermögenssteuern, Mineralölsteuern und ein zum Spitzensteuersatz hinzu.

Der DIHK sieht die vier „GIPS-Staaten“ (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien) auf einem guten Weg. Der Abbau des Defizits mache Fortschritte. Demnach hätte sich in den Ländern Portugal und Spanien die strukturelle Neuverschuldung halbiert. Positive Entwicklungen seien auch bei den Exporten zu beobachten, deren Anteile schneller stiegen als die des Euroraums. Auch die Produktion der Industrie legte zu.

Ein völlig anderes Bild würde jedoch Frankreich abgeben. Die große Wirtschaftsnation im Euroraum würde lt. DIHK mit einer Staatsausgabenquote von 56 Prozent den zweithöchsten Wert aller OECD-Staaten abliefern. Der Mindestlohn in Frankreich wäre der dritthöchste weltweit, gleich nach Australien und Luxemburg. Zusätzlich würden die Lohnstückkosten schneller ansteigen als im Schnitt der gesamten Eurozone. Die Beschäftigtenzahl ginge zurück, der Anteil der Industrie schrumpfte und die Leistungsbilanz sei nach wie vor im defizitären Bereich.

Realitätsverweigerung oder überschwappender Optimismus?

Wenn eine monströs hohe Verschuldung rückläufig ist, wäre immerhin die richtige Richtung vorgegeben. Dennoch bewegte sich z.B. Griechenlands Verschuldungsquote im Jahr 2012 bei knapp 157% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Italiens und Portugals Schuldenquoten waren mit 127% bzw. knapp 124% auch nicht „zu verachten“. Gegenüber 2011 verringerten lediglich 6 Euro-Länder ihren Schuldenstand, der „große Rest“ legte zu (Deutschland 81,9% im Jahr 2012).

Im letzten Jahr führte Spanien mit einem Defizit von 10,6% die Liste der Defizit-Sünder an. Danach kamen gleich Griechenland (10,0%), Irland (7,6%) und Portugal (6,4%). Insgesamt waren letztes Jahr 13 Mitgliedsstaaten im Defizit-Bereich. Lediglich Deutschland konnte als einziges Mitgliedsland einen Leistungsüberschuss von +0,2% erreichen.

Die angebliche Zunahme der Industrieproduktionen in den PIGS-Staaten kann sich nur auf eine relative Basis beziehen. Mit jedem neuen Quartal wird eine neue Rekord-Arbeitslosenquote erreicht. In Griechenland 27% (Februar 2012), in Spanien 26,8% und in Portugal 17,8%.

Eine reine Betrachtungsweise der Skala. Man braucht seinen Horizont lediglich auf ein Fenster beschränken, das die Werte in einem engen Bereich skaliert, dann sehen die rückläufigen Defizite sehr beachtlich aus. Dazu noch eine gehörige Portion Realitätsverweigerung und schon erscheint die Welt in etwa so wie man sie gerne haben und / oder der Öffentlichkeit präsentieren möchte.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.