Deutschlands Arme & Reiche: Ungleicher Vermögenszuwachs

Armuts- und Reichtumsbericht-


Deutschlands Reiche werden immer reicher und die weniger Vermögenden haben das Nachsehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Privatvermögens gehört den „oberen 10% der Reichsten“. Eine Entwicklung die trotz Wirtschafts- und Schuldenkrise in den letzten 10 Jahren einen weiteren Antrieb erhielt.

Stark asymmetrischer Zuwachs privater Vermögen

Riesenvermögen privat
Riesige Geldvermögen in Händen weniger Privathaushalte

Mit rund 10 Billionen Euro besitzen heute die deutschen Bürger mehr als das Doppelte wie noch vor 10 Jahren. Wenn die Statistiken davon sprechen, dass die Privathaushalte in Deutschland über immer mehr Geld und Vermögen verfügen, dann entspräche dies nur der halben Wahrheit.

Gleichzeitig steigen in Deutschland die Fälle von Armut. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass das riesige Vermögen alles andere als gleichmäßig verteilt ist. Der Süddeutschen Zeitung (SZ) (Dienstagsausgabe) liegt der Armutsbericht der Bundesregierung vor und aus diesem geht ein prägnantes Ungleichgewicht in der Wohlstandsverteilung hervor.

Demnach ist mehr als die Hälfte des deutschen Gesamtvermögens gerade Mal einer Minderheit von 10 Prozent der reichsten Bevölkerung vorbehalten. Anders herum betrachtet bleibt für die Hälfte der „unteren Haushalte“ gerade mal 1 Prozent des Gesamtvermögens übrig.

In der Gruppe der immer ärmer Werdenden reiht sich auch der Bundeshaushalt ein. Das Vermögen des Staates schrumpft, wohingegen die Vermögen der Reichsten beständig anwächst, trotz Finanz- und Schuldenkrise. Das Bundesarbeitsministerium analysiert die Vermögensverhältnisse regelmäßig und bringt alle vier Jahre einen Bericht heraus. Der derzeitige Entwurf für den inzwischen vierten Armuts- und Reichtumsbericht ging bereits am Montag zur Abstimmung an weitere Ressorts der Bundesregierung. Der aktuelle Entwurf liegt der SZ vor.

Maßgeblicher Anteil für den allgemeinen Wohlstandzuwachs in Deutschland tragen Nettovermögen wie Bauland, Kapitalanlagen und Immobilien. Ansprüche aus Betriebsrenten haben sich ebenfalls als ein bedeutender Faktor für den Vermögenszuwachs herausgestellt.

„Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt“, so das Arbeitsministerium. Demnach sei auch ein „Abschmelzen der Vermögenswerte der öffentlichen Haushalte“ bereits seit zwei Jahrzenten zu beobachten. Darüber hinaus hätte die Finanz- und Wirtschaftskrise Rettungsmaßnahmen erfordert, die „eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen“ verursachten.

Alleine zwischen 2007 und 2012 hätte sich nach den Analysen der Bundesregierung das private Nettovermögen um rund 1,4 Billionen Euro erhöht. Allerdings sei gleichzeitig eine sehr ungleiche Verteilung des zugewachsenen Gesamtvermögens feststellbar. „Die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte vereinten über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich“ und im bisherigen Ablauf wäre der Anteil der oberen 10 Prozent immer weiter gestiegen.

Aus dem Bericht geht hervor, dass im Jahr 2008 die 10 Prozent der reichsten Deutschen 53% des Nettogesamtvermögens besaßen, gegenüber von 45 Prozent im Jahr 1998. Nur rund 1 Prozent des gesamten Netto-Vermögens bliebe für die untere Hälfte der Haushalte übrig.

„Ursachen und Wirkungen“

Im „oberen Bereich“ sei in Deutschland die Lohnentwicklung positiv gewesen. Dagegen wären bei den unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten nach Inflationsbereinigung Verluste festgestellt worden. Im Bericht wird dazu vermerkt, dass eine „solche Einkommensentwicklung das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung verletzt“.

Lt. dem Bericht seien allerdings Teilzeitjobs, Leiharbeit, Minijobs oder zeitlich befristete Arbeitsstellen nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Denn erkennt das Bundesarbeitsministerium die kritische Entwicklung von Stundenlöhnen, „die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen“. Diese Umstände schwächten den sozialen Zusammenhalt und verschärften die Risiken für Armut.

Auch die reichsten der Reichen sind „nur Privat“

Das Sprichwort „Die oberen 10.000“ erhält eine neue Quantität aber keine aufgefrischte Qualität. Überraschend kommt der Umstand, dass die Reichsten gegenüber den „Normalsterblichen“ mit einem sehr deutlichen Abstand reich sind, nicht gerade.

Vom Zeitpunkt wäre die veröffentlichte Analyse jedoch eine Punktlandung, wenn man die aufflammenden Diskussionen über eine sog. „Reichensteuer“ hinzu zöge. Die etwas subjektive Bemerkung über das Gerechtigkeitsempfinden der breiten Masse würde das Salz in der Suppe bewirken, um den „sozialen Zusammenhalt“ in der Gesellschaft neu zu hinterfragen.

Auf der anderen Seite sollte sich die Bundesregierung selbst an die Nase fassen und die bisherigen Privatisierungen ehem. staatlicher Einrichtungen in die Betrachtungen mit einfließen lassen. Die vermeintlichen Erlöse dürften sich durch die bereitwilligen Hilfspakete der kriselnden Banken in der Euro-Zone bereits pulverisiert haben.

Das „Familiensilber“ ist bereits verscherbelt, die Reingewinne sind dem „europäischen Gemeinwohl“ überlassen. Die oberen 10% der Reichsten sind auch „nur“ Privathaushalte und keine Großunternehmen oder Kreditinstitute, den Lobbys sind engere Grenzen gesetzt.

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