Deutsches Privatvermögen gestiegen – Statt Sparen mehr Sachwerte

Deutsches Vermögen in der Schuldenkrise-


Das Geld- und Sachwertvermögen der deutschen Bürger ist seit mehr als 10 Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2011 sind Deutschlands Sparer zurückhaltender geworden, dafür fand das Privatvermögen aufgrund der Euroschuldenkrise einen Weg verstärkt im Wohnungsbau. Während das Sachwertvermögen anstieg, sank gleichzeitig die Anzahl der verschuldeten Haushalte.

Anlässlich zum Weltspartag eine Zwischenbilanz zum Privatvermögen

Privatvermögen
Verschiebungen im Privatvermögen
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Die Vorliebe für das Sparen hat laut dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken im Laufe des Jahres 2011 gegenüber den vergangenen Jahren etwas nachgelassen. Das Sparvolumen habe sich demnach von 174,7 Milliarden auf 172,6 Milliarden Euro verringert.

Dr. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des BVR, erklärt den Rückgang des Sparervolumens trotz eines höheren durchschnittlichen Einkommens der Privathaushalte um 3,3 Prozent durch den zusätzlichen Konsum. Offensichtlich haben die deutschen Sparer angesichts der „soliden Verfassung der deutschen Wirtschaft und des stabilen deutschen Arbeitsmarktes keinen Anlass gesehen, ihre Sparanstrengungen zu steigern“, erklärte Dr. Martin.

Im Verlauf 2011 sank das Verhältnis von Sparsumme und verfügbarem Einkommen (Sparquote) um einen halben Prozentpunkt auf 10,4 Prozent. Dennoch befindet sich die Sparquote der deutschen Privatsparer auf einem hohen Niveau im internationalen Vergleich. Der BVR schätzt für 2012 eine ähnlich hohe Sparquote.

Erhöhte Investitionen in Sachvermögen
Während die Sparquote letztes Jahr gesunken ist, konnte der BVR einen Zuwachs bei der Bildung von Sachvermögen, u.a. Immobilien, feststellen. Dr. Martin erklärte diese Entwicklung aufgrund der aktuell günstigen Finanzierungsbedingungen für ein Eigenheim.

Eine weiteren Antrieb für den gestiegenen Sachwert-Anteil zum Privatvermögen sieht der BVR-Vorstand in der Euroschuldenkrise. Dennoch geht Dr. Martin trotz gestiegener Immobilienpreise noch nicht von einer Immobilienblase in Deutschland aus.

Ein aufmerksames Beobachten wäre dennoch geboten, wenn man auf bereits zurückliegende Erfahrungen blickt, die bei den ausländischen Immobilienmärkten gewisse Übertreibungen zu Tage brachten.

Die Privathaushalte wendeten lt. BVR in Deutschland 43,2 Milliarden Euro für Sachinvestitionen auf und steigerten das Volumen gegenüber 2010 um knapp 11 Milliarden Euro. Wohnimmobilien spielten dabei eine größere Rolle, dies ergäben besonders die Auswertungen der Netto-Kreditaufnahmen der privaten Haushalte. Ein großer Anteil des gesamten Kreditwachstums ginge im Jahr 2011 auf Wohnungsbaukredite zurück.

Privates Geldvermögen hat sich vermehrt
Das finanzielle Vermögen der deutschen Bürger wuchs im vergangenen Jahr um 56,8 Milliarden Euro an (entspr. plus 1,2%) und erhöhte das Gesamtvolumen auf 4.715 Milliarden Euro. Dennoch wurde die ansteigende Kurve gegenüber 2010 etwas flacher.

Kreditschuld hat im geringeren Umfang zugenommen
Die Verbindlichkeiten, bzw. die Kreditschuld der Bundesbürger wuchs aufgrund der erhöhten Kreditvergabe im Jahr 2011 ebenfalls an, blieb aber dem Vermögenszuwachs zurück. Der Anstieg umfasst einen Zuwachs um 15,6 Milliarden Euro (entspr. plus 1,0%) auf insg. 1.550 Milliarden Euro.

Rückgang der verschuldeten Haushalte
Die Verschuldung der Privathaushalte ging aufgrund deutlicher Einkommenszuwächse im Jahr 2011 deutlich zurück. Die Haushaltsverschuldung im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen sank von 97 auf 95 Prozent. Der bisher niedrigste Stand seit dem Jahr 1995.

Mit Stützung auf die Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) kamen die privaten Haushalte lt. BVR im Jahr 2011 auf ein Sachvermögen von rund 7.056 Milliarden Euro, zusätzlich zum Geldvermögen. Insgesamt ergab sich ein Netto-Vermögen der Bundesbürger in Höhe von rund 10.221 Milliarden Euro. Die Summe der Geld- und Sachvermögen ist bereits um den Betrag der Verbindlichkeiten bereinigt.

Seit 2001 lässt sich ein realer Anstieg des privaten Gesamtvermögens um 17 Prozent (Inflationsbereinigt) feststellen.

Das Glück des Vermögenden gilt nur in globaler Sichtweise

Die Feststellungen des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken ist soweit deckungsgleich mit dem Armutsbericht der Bundesregierung vom September.

Es wird lediglich auf die „Kleinigkeit“ einer differenzierten Darstellung der Privathaushalte, a lá die „oberen 10.000“, verzichtet. Während sich eine Minderheit der Haushalte den Kopf darüber zerbricht, welche Immobilie in welcher Umgebung nun gekauft werden solle, kämpft eine weitaus größere Zahl der Bundesbürger mit dem Gewissen, ob nun die Kleinigkeit angeschafft werden soll, oder ob es im laufenden Monat überhaupt noch für das Essen reichte.

Ende September will das Meinungsforschungsinstitut Allensbach erkannt haben, dass sich die Bundesbürger seit den letzten 5 Jahren in einer ansteigend „gefühlt besseren Lebenssituation“ befänden. Demnach sähen sich immer mehr Bürger einer „besseren Zukunft“ ausgesetzt.

Bei derartigen „Ergebnissen“ erhält man den Eindruck, als wenn dem Fragebogen eine Schwelle zum Mindest- Haushaltseinkommen vorgesetzt ist, bevor irgendwelche Daten erfasst werden können.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.