Deal mit Griechenland Anleihen ging offenbar auf

Griechenlandkrise-


Die Investoren sind offenbar auf den Deal mit Griechenland eingegangen und haben ihre Staatsanleihen zum angebotenen Preis zurück gegeben. Am Freitag lief die Auktion ab und Griechenland scheint mit einem „Hebel 1:3“ einen Schuldenberg von 20 Milliarden Euro abgetragen zu haben.

Update 12.12.12: Schuldenrückkauf im 2. Anlauf abgeschlossen

Für 10 Mrd. Euro Schulden in Höhe von 30 Mrd. „verkaufen“

Schuldenspiel
Seltsames Schulden-Spiel
Bild: s.media / pixelio.de

Griechenlands Kalkül, oder besser gesagt „Brüssels Reglement“, ging offenbar auf. Das Anleiherückkaufprogramm scheint erfolgreich über die Bühne gegangen zu sein.

„Man bezahle 10 Milliarden Euro und erhalte dafür 30 Milliarden Euro Schuldenerlass“, ein äußerst seltsam anmutendes Geschäft, welches in dieser Dimension wohl nur in internationalen Krisensituationen funktionieren dürfte.

Auch wenn das Prinzip der „billigen Neuverschuldung zur Tilgung von teuren Altschulden“ nicht die Neuerfindung des Rades darstellt, sondern auch in der Privatwirtschaft Anwendung findet, liegt die Besonderheit am Griechenland-Fall darin, dass aufgrund der geringeren Schuldenlast der Tore von „nachrückenden Neuschulden“ geöffnet worden sind.

Griechenland konnte seinen Schuldenberg scheinbar um 20 Milliarden Euro verringern und dadurch hätte sich das Land für weitere Hilfen aus der Euro-Zone „qualifiziert“, sprich frische Kredite. Im konkreten Fall geht es nach wie vor um die bereit liegende Tranche im Volumen von 44 Milliarden Euro, die noch von der Euro-Gruppe freigegeben werden müsste.

Die Gläubiger, also die ehemaligen Inhaber der griechischen Staatspapiere, hätten sogar einen guten Schnitt gemacht, sofern die Papiere innerhalb der Angebotsspanne zwischen rund 30 und 40 Prozent zum Nennwert über den Tisch gegangen sein sollten. Nachdem die Anleihen im Frühjahr nach dem Schuldenschnitt zu einem Ausgabepreis von 20 Prozent zum Nennwert ausgegeben wurden, könnte man auch von „Traum-Renditen“ sprechen.

Genaue Summen und Details sind derzeit noch nicht bekannt. „Der Rückkauf verlief weitgehend gut“, zitierte Spiegel Online (Samstag) einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter Griechenlands.

„Eine gute Nachricht“ dient als Burka des Kerns

Das Anleihenrückkauf-Programm ist ein Bestandteil der von der Euro-Gruppe (Finanzminister der Euro-Länder) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) definierten Auflagen, um weitere Rettungsprogramme für Griechenland zu gewähren. Das Thema „zweiter Schuldenschnitt“ schwebt noch, wird aber von der Politik als zwischen „nicht mehr ausschließbar“ und „ohne Alternativen“ gehandelt.

Auf der Schattenseite des offenbar geglückten Griechenland-Deals befände sich das auf einen Nullpunkt gesunkene Vertrauen der Anleger. „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Letztendlich wären für die Investoren auch 100 Prozent statt z.B. 35 Prozent zum Nennwert drinnen gewesen, allerdings frühestens nach Ablauf der „Nenn-Laufzeit“, also mindestens 10 Jahre und weit darüber hinaus. Was bis dahin sein könnte, bedürfte nicht einmal sehr viel Pessimismus, um mit Spekulationen einen sicheren Treffer zu landen.

Griechenland nahm 10 Milliarden Euro geliehenes Geld in die Hand, um damit 20 Milliarden Euro alte Schulden abzutragen und erhält dafür weitere 44 Milliarden Euro zugesprochen. Welche Bank würde eine Privatperson oder auch eine Firma, die auch in absehbarer Zeit keinesfalls die Schuldtragfähigkeit erreichen wird, mit derlei Maßnahmen „bei Laune halten“ wollen?

Je unübersichtlicher desto besser
Die Wege und Mittel der Rettungsprogramme für Griechenland, Portugal, Zypern und demnächst auch für Spanien, sind derart kompliziert geworden, dass kaum ein „Normalsterblicher“ mehr durchzublicken vermag. Eine direkte Verbindung zwischen zu hoch verschuldeten Euro-Länder sowie Banken und den Steuerzahler lässt sich nicht herstellen.

Dennoch gelten unterm Strich stets die einfache Regeln, „wo ein Schuldner ist, befindet sich immer ein Gläubiger auf der Gegenseite“, „dem einem Schulden ist des anderen Guthaben“. Mit dem Anleihenrückkaufprogramm sind 20 Milliarden Euro ins scheinbare Nichts aufgelöst worden. Gleichzeitig wurden jedoch „irgendwo“ 20 Milliarden Euro Guthaben vernichtet. Derlei Beträge wirken sich in der Regel spürbar auf die realen Werte der Steuerzahler aus. Die nächste Welle der Zinsabsenkungen zu Sparkonten setzte bereits ein.

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