Krise im Anmarsch: In Davos erklärt man Banken als unschuldig

Systemkrise –


Offenbar dient das Treffen in Davos u.a. zum präventiven Abgleich der Schuldzuweisungen für die bevorstehende Krise an den Finanzmärkten. Die Banken werden bereits als die Unschuldigen dargestellt.

Lamm

Die Investment-Banken werden mit kommender Finanzkrise nichts zu tun haben (?)

Krisenstimmung in und rund um Davos

Beim „großen Treffen“ in Davos sorgt man sich offenkundig über eine bevorstehende Finanzkrise. Allerdings werde die nächste Krise dieses Mal nicht von Banken ausgehen, sondern von Preis-Einbrüchen der bestehenden Vermögen. Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) verkündeten im Vorfeld ihre für die Eurozone abgesenkte Prognose zum Wirtschaftswachstum auf 1,6 Prozent (-0,3 Punkte). Für die deutsche Wirtschaft sieht der IWF im Jahr 2019 nach zuletzt exakt prophezeiten 1,9 Prozent jetzt nur noch 1,3 Prozent Wachstum. Erschwerende Umstände also.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) forderte bei ihrer Rede, alles Mögliche zu tun, um eine „neue Finanzkrise“ zu verhindern. Dazu gehörten weitere Freihandelsabkommen und mehr Zusammenarbeit statt Protektionismus.

Doch diese gewünschte Maßnahmen dürften bereits im Ansatz verpuffen, sollte die Schieflage in den Finanzmärkten wieder Übergewicht bekommen. Sollte dies passieren, so gebe es nicht mal einen „Plan A“, so Kenneth Rogoff, Professor der Harvard University und Davos-Teilnehmer, wie die Aargauer Zeitung berichtet. Der Grund dafür liege auf der Hand. Die Notenbanken setzten die Zinsen bereits auf Null oder gar Negativ, fluteten die Märkte mit Geld und zahlreiche Staaten seien hoch verschuldet. Rogoff geht davon aus, dass die nächste Finanzkrise von China ausgelöst wird. Die Wirtschaft dieses Landes sei zu sehr auf Exporte und Investitionen ausgerichtet und daher sehr fragil. Die dort vorherrschende Situation extrem niedriger Zinsen und hoher Schulden sei gefährlich. Eine Zinsanhebung könne gar nicht ohne Probleme erfolgen.

Im Hintergrund geblieben und in Davos zumindest nicht offiziell diskutiert ist das inzwischen weiter angewachsene Nominalvolumen gehandelter Derivate im US-Bankensektor. Binnen eines Jahres kletterten die von US-Banken gehaltenen Derivate um 10 Prozent auf mindestens 206.980 Milliarden US-Dollar mit Stand Ende September 2018 an. Mit diesen Positionen handelt es sich lediglich um die von den Geldhäusern gemeldeten Handelsaktivitäten. Setzte man diesem Handelsvolumen eine Kernkapitalquote von lediglich 5 Prozent voraus, müssten die Banken in ihren „Safes“ rund 10,349 Billionen US-Dollar bevorratet haben. Eine Utopie.

Die Banken haben damit nichts zu tun (?)

Dennoch wandert von Davos die These aus, bei der nächsten Krise werden die Banken „unschuldig“ sein. Gerade so, als wenn Banken mit Kreditvergaben, Finanzmarktpreisen und womöglich auch noch Geld überhaupt nichts zu tun hätten. Darüber hinaus handelt es sich mit der „nächsten Finanzkrise“ lediglich um eine Fortsetzung der bereits im Jahr 2008 ausgebrochenen und nur mit Müh und Not relativ flach gehaltenen Geldsystemkrise. Das Feuer loderte unter der von den Notenbanken ausgebreiteten Löschdecke aus fiktivem Geld munter weiter. Die Fallhöhe ist jedoch gegenüber dem Stand von 2008 extrem angestiegen. Die Preise an den Aktienmärkten holten sich einen Rekord nach den anderen. Die Banken bauten ihre Bestände fragwürdiger Papiere weiter aus und die Schulden der Länder sowie der Unternehmen sind weiter angestiegen.

Doch gut zu wissen, dass die Banken nichts damit zu tun haben.




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