China bekommt die Regeln des Kapitalismus zu spüren

China Krise-


Kein anderes Wirtschaftssystem preiste bisher Reichtum und Wohlstand derart intensiv an wie der Kapitalismus. China hat sich auf das globale Spiel der Wirtschaftsmächte eingelassen, mit sehr großem Erfolg. Dennoch bekommt auch das Reich der Mitte zu spüren, dass die Spielregeln einen Teufelskreis vorgeben, der mit dem Platzen einer Luftblase enden wird.

Florierende Wirtschaft durch Schuldenaufnahme

Finanzierungsspritzen
Chinas Wirtschaft in Abhängigkeit von Kreditspritzen
Bild: GG-Berlin / pixelio.de

Mit ihrer Schuldenkrise präsentieren Europa und die USA der Welt wiederholt, was dabei heraus kommen kann, wenn Konsum, Wirtschaft und deren „Aufschwünge“ mit Schulden finanziert werden. Die seit Jahren versuchte Rettungspolitik der EU und deren Mitgliedsstaaten basiert lediglich auf die Aufnahme von Neuschulden, um die Altschulden und deren Zinslasten begleichen zu können. Ein Teufelskreislauf ist in Gang gesetzt, der mit der Ankündigung von noch weiteren Schuldenaufnahmen sowie dem Erschaffen von beliebigen Geldmengen im Zaum gehalten werden soll.

Jedoch gibt es in der Schuldenbekämpfungsstrategie einen „kleinen“ Unterschied zwischen Europa und den USA. Während Brüssel darauf setzt, die überschuldeten Krisenländer mit Sparknebeln auf den richtigen Kurs zu trimmen, wird in Washington bestenfalls über dieses Thema gestritten, aber effektiv mit dem Heißlaufen der Notenpresse reagiert, um der Wirtschaft durch mehr Liquidität Auftrieb zu verleihen.

Jahrzehnte lang hat China das Treiben der „kapitalistischen Welt“ mit politischem Argwohn, aber auch sicher mit hohem Interesse verfolgt, denn letztendlich nahm sich Pekings Regierung große Bestandteile des westlichen Wirtschaftssystems zum Vorbild und passte es der „politischen Gesinnung“ an. Heute steht China für zahlreiche Länder der westlichen Welt als Handelspartner Nummer 1 gegenüber sowie als ein ernst zu nehmender Konkurrent für die USA und Europa. China ist heute gleich hinter den USA die Wirtschaftsmacht Nummer 2 weltweit.

Das Prinzip des Schuldenmachens übernahm China ebenfalls
China legte über die Jahre ein Wirtschaftsboom vor, das in seiner absoluten Größe und Volumen kaum getoppt werden kann. Dennoch gründet der enorme wirtschaftliche Erfolg auf einer der Grundpfeiler des Kapitalismus: Schulden. Offenbar sind die Verbindlichkeiten der zahlreichen Provinzen und Unternehmen in China heute derart überschuldet, dass Chinas Wirtschaftshaus vor einem Zusammenbruch stehen könnte.

Das Reich der Mitte pflegt die „Zwitterposition aus Kapitalismus und Kommunismus“ und entsprechend beschnitten sind die genauen Wirtschafts-Zahlen und -Angaben, die an die Öffentlichkeit weitergereicht werden. Dennoch machen sich immer mehr Ökonomen über den tatsächlichen Zustand im Riesenreich sorgen. Die Aufnahme von Schulden durch die Provinzen scheint ungezügelt. Demnach hätten laut Wall Street Journal (WSJ) (22.01.13) die einzelnen Provinzregierungen in den Jahren 2009 und 2010 ihren Gesamtschuldenberg auf rund 1,27 Billionen Euro (10,7 Billionen Yuan) angehäuft. Dazu kämen mehrere hundert Milliarden Euro, die von chinesischen und auch ausländischen Banken an die Unternehmen verliehen worden seien.

Inzwischen leitete die Bankenaufsicht Chinas lt. WSJ (05.02.13), mit Stützung auf Insider-Personen, eine Begrenzung der Kreditvergaben durch die Banken ein, um die bedrohliche Geldflut im Land einzudämmen. Gesetzte Limits zu den Kreditvolumen wären bereits überschritten worden, darunter die Bank of China, die im vergangenen Januar mit rund 3,55 Milliarden Euro über das Monatsziel hinaus geschossen sein soll.

Offenbar soll das „Rettungsmodell USA“, Wirtschaftsankurbelung durch erhöhte Liquidität, zur Anwendung kommen. Aufgrund der mangelnden Informationen aus Peking, könne jedoch nur vermutet werden, dass die Provinzen versuchten, die abkühlende Wirtschaft durch Neuaufnahme von Krediten zu beleben. „Die Banken haben den Provinzen im letzten Jahr erlaubt, alte Kredite durch neue zu ersetzen – aber das können sie nicht unendlich machen. Früher oder später werden sich die Risiken in den Bilanzen niederschlagen, etwa in faulen Krediten“, zitierte WSJ den für das Finanzministerium arbeitenden Analysten Wen Zongyu.

Unterschiedliche Kulturen aber gleiche Krankheiten

Wie sich trotz aller politischen Gegensätze zwischen Fernost und der westlichen Welt die „Krankheiten“ eines zumindest sehr ähnlichen Wirtschaftssystems doch gleichen. Die Verlockung von Wohlstand und Reichtum, sowie der immer währende Drang zur persönlichen Bereicherung, existiert völlig abgelöst und unabhängig von jeglicher Kultur und Geschichte. Vermeintliches Eigentum, welches auf Kreditaufnahme angeschafft wurde, fesselt auch die Menschen in Fernost unweigerlich an den sich beschleunigenden Teufelskreis eines Schulden- und Zinseszins-Systems.

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