Bundesregierung folgt Draghis Ruf nach Eurorettung

Euro-Krise-

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), verkündete, alles Notwendige unternehmen zu wollen, um den Euro vor dem Niedergang zu bewahren. Deutschlands Regierung verhielt sich verhalten und wollte zumindesten den Konsequenzen der Aussage etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Das Blatt hat sich inzwischen gewendet. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Frankreichs, Françoise Hollande, wollen in die Fussstapfen Mario Draghis steigen.

„Fester Entschluss um die Eurozone zu schützen“

Euro Spiel
Spiel um den Euro
Kein ärgert den Anderen

Am Donnerstag verkündete Mario Draghi der europäischen Politik- und Wirtschaftwelt, dass man entschlossen sei, alles Erdenkliche zu unternehmen, um einen drohenden Eurozerfall zu vermeiden. Die Märkte quittierten die „frohe Botschaft“ mit kräftigen Aufschlägen an den Handelsplätzen.

Lt. dem EZB-Chef wäre der Euro unumkehrbar und müsse deshalb unter allen Umständen am Leben erhalten werden. Die EZB wäre innerhalb ihres Auftrags bereit, genau dann einzugreifen, wenn die Staatsverschuldung einzelner Länder dies erforderten. Obgleich Draghi keine Andeutungen machte, um welche Maßnahmen es sich handeln könnte, sind sich die Experten weitgehend darüber einig, dass die Abwehr in Form von Anleihenkäufen ablaufen wird.

Merkel und Hollande folgen dem Ruf der EZB
Skepsis und Zurückhaltung zu Draghis Vorstoss sind binnen 24 Stunden verflogen. Am Freitag erklärten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande gemeinsam einen möglichen Weg aus der Euro-Schuldenkrise. Beide Länder (Deutschland und Frankreich) wären fest dazu entschlossen, alls zu tun, um die Eurozone zu schützen.

Das Spiel um den Euro – Keiner will Anderen ärgern

Inhaltlich gleicht sich die Aussage Merkels und Hollandes zur Mario Draghis Erklärung wie ein Ei dem anderen. Das „offene Ende“ ist ebenfalls identisch. „Alles“ ist ein sehr dehnbarer Begriff, der viel Raum für Spekulationen offen lässt.

Auch wenn die Bundesbank ihre bis dato ablehnende Haltung zu Käufen von Staatsanleihen durch die EZB bekräftigte, stehen weitere zahlreiche Ausweichsmöglichkeiten bereit, das im EU-Vertrag festgelegte Verbot einer direkten Länder-Stütze durch die EZB, zu umgehen.

Inzwischen baute die EZB einen Bestand von rund 211 Mrd. Euro an angekauften Staatspapieren aus, finanziert aus dem (virtuellen) Anwerfen der Banknotenpresse.

Es scheint sich im Hintergrund etwas anzubahnen
Eine Anfrage, ob für den kommenden Sommerausklang eine besondere „Euro-Rettungsaktion“ geplant sei, wurde weder von der EU-Kommission, noch von der EZB kommentiert.

Im Raum steht der zwischen den EU-Ländern und der EZB abgestimmte Aufkauf weiterer Staatsanleihen durch den EFSF oder seinem Ablöser ESM. Die EZB könne zeitgleich ihr vorübergehend stillgelegtes Programm, Anleihenkäufe auf dem Sekundärmarkt, wieder zu Laufen bringen. Das gemeinsame Ziel wäre das hinunterdrücken der inzwischen stark angestiegenen Zinsen für Staatspapiere.

„Zum Schluss noch beruhigende Worte Draghis“
Mario Draghi verglich bei seiner Rede auf der Global Investment Conference den Euro mit einer Hummel, die eigentlich nicht fliegen könne, es aber trotzdem macht. Der EZB-Chef will dem Euro wieder die Flugtüchtigkeit einer Biene verleihen und beschwichtigt mit seiner Überzeugung, dass in der Krisenpolitik schon mehr Fortschritte gemacht worden seine, als vielen bewusst sei.

Carsten Brzeski, Ökonom der ING-Gruppe in Brüssel, fasst zusammen: „Draghi wird verdammt werden, wenn er es tut, und auch verdammt werden, wenn er es nicht tut“. Nach Brzeski hat sich der EZB-Chef selbst in eine „extrem schwierige Situation manövriert“.

Bild: Gaby Stein / pixelio.de

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